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Radsport Doping oder Therapie: Test auffällig bei Tour-Sieger Froome
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14:23 13.12.2017
Chris Froome vom Team Sky bei der Spanien-Rundfahrt. Quelle: Yuzuru Sunada/belga
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Jetzt auch Chris Froome? Doping oder Therapie - das ist die Frage bei der im Urin des viermaligen Tour-de-France-Gewinners festgestellten Überdosis des Asthma-Mittels Salbutamol.

Am 7. September war Froome auf dem Weg zu seinem ersten Vuelta-Sieg wie jeden Tag vorher als Träger des Roten Trikots getestet worden. Der 32 Jahre alte Brite wies das Doppelte der erlaubten und von der WADA als Grenzwert festgelegten Substanz von 1000 Nanogramm pro Milliliter auf.

Am Tag vorher hatte der Brite auf einer schweren Bergetappe auf den Los Machucos 1:46 Sekunden auf den Tagessieger und nicht viel weniger auf seine direkten Konkurrenten Vincenzo Nibali und Alberto Contador verloren. Froome und sein Team hätten sich laut dem Doping-geständigen Ex-Profi Michael Rasmussen wohl deshalb für „eine kleine Extra-Dosis Salbutamol“ entschieden. Das twitterte der Däne, der 2007 wegen Doping-Verdachts im Gelben Trikot aus der Tour genommen worden war und in den vergangenen Jahren als Journalist tätig ist.

Möglicherweise drohen Froome die Aberkennung des Vuelta-Sieges und eine Sperre, die seine angekündigten Starts beim Giro d'Italia (ab 4. Mai) oder bei der Tour (ab 7. Juli) gefährden könnte. Der Weltverband UCI wollte sich zum laufenden Verfahren nicht weiter äußern. In einem vergleichbaren Fall war der ehemalige italienische Sprintstar Alessandro Petacchi 2008 aus dem damaligen Milram-Team für ein Jahr gesperrt worden. Sein Landsmann Diego Ulissi war 2014 mit 1920 ng/ml Salbutamol für neun Monate aus dem Verkehr gezogen worden.

Der Sportrechtler Michael Lehner hält eine Sperre von bis zu einem Jahr für möglich. „Um Froome ranken sich ja schon länger Doping-Gerüchte. Die Einschätzung dieses speziellen Falles ist allerdings schwer. Aber der Weltverband wird ihn wohl anklagen müssen“, sagte der Heidelberger Jurist der Deutschen Presse-Agentur.

Froome wurde laut UCI den Regeln gemäß nicht vorläufig suspendiert. Der 32-Jährige muss sich aber erklären, warum der Grenzwert überschritten wurde. Der Brite, der seine Vorbild-Funktion im Anti-Doping-Kampf immer offensiv vertreten hat und aufkommende Verdächtigungen wegen seiner Dominanz vehement von sich wies, hatte im September nach großem Kampf die Vuelta gewonnen. Zwei Monate zuvor hatte er zum vierten Mal die Tour für sich entschieden.

Der derzeit beste Rundfahrer und dessen Rennstall Sky verwiesen auf Froomes Asthma-Erkrankung. Laut Sky bedeute der Test nicht, dass Regeln gebrochen worden seien. Das Froome-Team und sein Manager Sir Dave Brailsford waren in diesem Jahr in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine ominöse Medikamenten-Lieferung per Boten an den früheren Toursieger Bradley Wiggins 2011 nicht hinreichend erklärt werden konnte. Die britische Anti-Doping-Agentur hatte ihre Untersuchungen nach 14 Monaten kürzlich ohne die Verhängung von Sanktionen eingestellt.

Froome gab zu seinem eigenen Fall relativ unaufgeregt zu Protokoll: „Es ist bekannt, dass ich Asthma habe, und ich weiß genau, wie die Regeln lauten. Ich benutze einen Inhalator, um meine Symptome zu behandeln, und ich weiß, dass ich jeden Tag getestet werde, wenn ich das Trikot des Führenden trage“. Die Sky-Teamleitung versuchte den signifikant erhöhten Wert zu erklären und verwies auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Ernährung.

Seine Asthma-Beschwerden hätten sich bei der Vuelta verschlimmert, „also folgte ich dem Rat des Mannschaftsarztes, meine Salbutamol-Dosierung zu erhöhen“, meinte Froome in einer Team-Mitteilung weiter. „Wie immer habe ich mit größter Sorgfalt darauf geachtet, dass ich nicht mehr als die zulässige Dosis verwendet habe.“ Die UCI habe völlig Recht, „wenn sie die Testergebnisse prüft, und ich werde zusammen mit dem Team alle Informationen, die sie benötigt, zur Verfügung stellen.“

Das bronchienerweiternde Salbutamol gilt als das Asthma-Mittel mit der höchsten anabolen Nebenwirkung. Es beeinflusst auch den Muskelauf- und den Fett-Abbau.

dpa

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