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Sportmix Rollentausch: Thomas Emmrich schaut zu seinem Sohn auf
Sportbuzzer Sportmix Rollentausch: Thomas Emmrich schaut zu seinem Sohn auf
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04:24 13.09.2013
Debütant Martin Emmrich (28).

Solange sich Martin Emmrich erinnern kann, war er der Sohn seines erfolgreichen Vaters. Ein guter Tennisspieler — klar. Aber stets im Schatten des scheinbar übermächtigen DDR-Rekordmeisters. Bis zu diesem Wochenende: In der Davis-Cup-Relegation gegen Brasilien in Neu-Ulm schlägt Martin, der mit Stolz den Spitznamen „Ossi“ trägt, im Doppel als Erster der Familie Emmrich für eine deutsche Nationalmannschaft auf: „Jetzt schaut mein Vater zu mir auf.“

Mit 28 Jahren feiert Martin Emmrich morgen Premiere, wenn er an der Seite des Deggendorfers Daniel Brands gegen das Weltklasse-Doppel Bruno Soares/Marcelo Melo antritt. „Ich habe immer davon geträumt, für mein Land zu spielen“, sagt Emmrich, „das war meinem Vater nie vergönnt“.

Sosehr sich die DDR um die Förderung der olympischen Sportarten bemühte, so wenig interessierten sich die Genossen in der Parteispitze für Tennis. Thomas Emmrich durfte nicht zu Turnieren ins kapitalistische Ausland reisen. Zwar bezwang er jenseits des Eisernen Vorhangs die späteren Topstars Björn Borg und Ivan Lendl, Tennis-Geschichte schrieben jedoch andere bei den Grand Slams in Melbourne, Paris, London und New York. Dort schlägt mittlerweile auch Martin Emmrich auf — wieder etwas, das er seinem Vater voraus hat. „Ganz generell ist es unglaublich toll, was mein Vater geleistet hat. Durch ihn haben sich für mich viele Türen geöffnet.“

Doch der Schatten war immer da. Also packte Martin seine Sachen und verließ die Heimat Magdeburg. „Als er 17 war, musste ich ihn wegschicken“, erzählte Thomas Emmrich:

„Hier gab es einfach zu wenig Trainingspartner.“ Drei Jahre später kehrte Martin zurück, die Karriere lag am Boden. „Ich hatte genau noch 35 Euro auf meinem Konto, saß in meiner Wohnung in Köln und wusste nicht, wie ich die nächste Miete bezahlen soll.“

Die Familie baute ihn wieder auf. Vater Thomas kümmerte sich um das Training, Mutter Monika, selbst eine mehr als passable Tennisspielerin, kochte für ihren Sohn. Dem Vater kam schon damals der Gedanke, Martin müsse sich aufs Doppel konzentrieren. „Das wollte ich aber noch nicht wahrhaben“, sagt er. Heute ist er seinem Vater „unendlich dankbar. Ohne ihn wäre ich nicht hier. Er hat den Grundstein gelegt, mir die Technik beigebracht und mich zum Doppel gebracht.“ Vom Doppel kann Martin Emmrich als Weltranglisten-35. mit zwei Saisonsiegen (Düsseldorf, Kitzbühel) mittlerweile gut leben. „Ich kann etwas zur Seite legen, aber einen Porsche kann ich mir nicht leisten“, sagt er. Den Respekt hat er sich im Team längst erspielt. Ohne seinen Vater. Der ist bei der Tennis-WM der Senioren in Österreich — im Schatten seines Sohnes.

OZ

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