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Sportmix Ruder-Asse greifen bei „Heimspiel“ nach Medaillen
Sportbuzzer Sportmix Ruder-Asse greifen bei „Heimspiel“ nach Medaillen
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00:05 07.05.2016
Bei der EM wird sich der Deutschland-Achter zum ersten Mal in dieser Saison mit der internationalen Konkurrenz messen. Quelle: Ina Fassbender

. Der Countdown läuft. Drei Monate vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro stehen die Ruder-Asse bei der EM auf dem Beetzsee in Brandenburg derzeit im ersten internationalen Härtetest des Jahres. „Wir wollen eine gute Performance liefern. Die EM ist wichtig, vor allem vor heimischem Publikum“, sagt der Schweriner Hannes Ocik. Der Schlagmann des Deutschland-Achters macht aber auch deutlich: „Wir haben ein anderes großes Ziel — das ist der 13. August.“ Dann greift das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) nach Gold.

OLYMPIABLOG

Hannes Ocik schreibt vor und während der Olympischen Spiele für die OZ. Der Schweriner ist Schlagmann im Ruder-Achter.

Die EM ist nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu den Sommerspielen. Reizvoll dürfte vor allem das erste Aufeinandertreffen mit dem Dauerrivalen aus Großbritannien sein, der bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften knapp vorn lag. „Wir freuen uns darauf. Das ist ein sehr gutes Kräftemessen. Da sieht man gleich, wo man steht“, meint Ocik. „In diesem Jahr wollen wir den Spieß umdrehen“, sagt Crew-Mitglied Eric Johannesen voller Hoffnung auf eine Wiederholung der Siegfahrt von London 2012. Der gestrige Vorlauf lässt hoffen: Der Achter steht nach seinem Sieg im Finale.

Anders als ihre männlichen Kollegen hat der Frauenachter das Ticket nach Rio noch nicht gebucht. Bei der EM muss das Großboot noch um den Finaleinzug bangen. Nach einem dritten Platz im Vorlauf muss die Crew um Julia Wärmer (Rostocker RC) heute in den Hoffnungslauf. Letzte Chance für den Startplatz in Brasilien ist die Olympia-Nachqualifikation in gut zwei Wochen in Luzern.

Als Titelverteidiger gehen bei der EM der Rostocker Stephan Krüger (27) und Routinier Marcel Hacker (39) im Doppelzweier an den Start. Der neunmalige deutsche Einer-Meister Hacker hatte krankheitsbedingt bei den Kleinboot- Meisterschaften in Köln gefehlt. Den damit verbundenen Trainingsrückstand machte das Duo in Ratzeburg wett. Innerhalb von zehn Tagen fuhren sie 380 Kilometer. „Am Anfang war es schwierig, aber inzwischen ist es echt gut geworden“, berichtet Krüger.

Nach dem ersten Training auf dem Beetzsee habe Cheftrainer Marcus Schwarzrock die beiden Weltklasse-Ruderer gelobt, sagt der Rostocker. „Er hat zu uns gesagt, dass wir von allen Mannschaften am besten ausgesehen haben.“ Zufrieden können alle Beteiligten auch mit dem Vorlauf sein: Mit einem Sieg zogen Krüger/Hacker ins heutige Halbfinale ein und peilen erneut eine Medaille an. Ärgste Kontrahenten dürften die weltmeisterlichen Kroaten und die mit WM- Silber dekorierten Litauer sein. „Wir müssen zu den Besten gehören, sonst würden wir unserem eigenen Anspruch nicht gerecht werden“, macht Krüger deutlich.

Auch die Leichtgewichtsruderinnen Marie-Louise Dräger aus Rostock und Ronja Fini Sturm (Brandenburg) freuen sich auf das „Heimspiel“. „Wir sind hier schon etliche Ausscheidungsregatten gefahren, es ist wie immer“, sagt Dräger (35), die mit ihrer Partnerin als Vorlauf-Dritte ins heutige Halbfinale einzog und im Vorjahr zu Silber stürmte. „Unser Ziel ist erst mal das Finale. Und wenn wir das erreicht haben, wollen wir auch eine Medaille holen“, so Dräger.

Für den großen Traum Olympia nimmt die zehnmalige deutsche Meisterin Entbehrungen auf sich. Den dritten Geburtstag ihres Sohnes Ben musste sie aus der Ferne verfolgen. „Wir haben zwar am Morgen gleich geskypt, aber das war hart. Ich freue mich tierisch darauf, ihn am Sonntag wiederzusehen.“ Eine Medaille wäre ein schönes Geschenk.

Nach der EM endlich wieder nach Hause

Seit Oktober vergangenen Jahres haben sich insgesamt 24 Riemenruderer auf die Olympiasaison vorbereitet und sich Hoffnung auf einen Platz in der Nationalmannschaft gemacht. Drei mehrwöchige Trainingslager, dazwischen gemeinsames Training am Stützpunkt Dortmund, viele interne Tests und selbst das normale Training und immer auch ein wenig Leistungsvergleich liegen hinter mir. Nach der Deutschen Meisterschaft in Köln war ich letzte Woche bei der Nominierung echt erleichtert, dass ich unter den 16 nominierten Riemenruderern bin und es wieder in den Deutschlandachter geschafft habe!

Doch diese Erleichterung blieb nur von kurzer Dauer, da wir anschließend direkt ins Boot stiegen, um uns auf die Heim-EM in Brandenburg vorzubereiten. Das nächste Ziel ist also, bei der ersten internationalen Regatta eine ordentliche Leistung abzuliefern. Als Schlagmann im Deutschlandachter stehe ich dabei in einem besonderen Fokus der Öffentlichkeit, für meine Ruderkameraden bin ich allerdings nur einer von acht im Boot, und das ist auch gut so.

Ich habe geplant, nach den EM kurz nach Hause zu fahren (Schwerin liegt ja fast um die Ecke von Brandenburg), da ich seit dem Jahreswechsel nicht mehr in meiner Heimat war. Meine Eltern und Freunde würden gerne mit mir auf die Nominierung anstoßen, habe ich gehört. Für eine richtige Party ist keine Zeit und auch noch nicht der richtige Zeitpunkt, aber das wird hoffentlich nach den Olympischen Spielen nachgeholt.

Von Stefan Ehlers und Heinz Büse

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