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Segeln Zwei Stralsunder auf dem Atlantik
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00:50 28.02.2018
Samer Shehadeh (l.) und Skipper Thomas Hunfeld segeln derzeit auf der zweiten Etappe der Regatta Transquadra über den Atlantik. Quelle: Foto: Privat
Stralsund

2700 Seemeilen, knapp 5000 Kilometer. Und vor einem liegt nichts als der Atlantik. Es gehört schon jede Menge Leidenschaft dazu, um an der Transatlantik-Regatta „Transquadra“ teilzunehmen. Die beiden Stralsunder Thomas Hunfeld und Samer Shehadeh sind dieses Wagnis eingegangen.

Samer Shehadeh und Thomas Hunfeld segeln derzeit die Regatta „Transquadra“. Der Kurs: von Madeira nach Martinique.

Auf der „Thusnelda“, einem 9,60 Meter langen Boot des Typs JPK 960, sind die Sundstädter derzeit auf dem Weg von Madeira nach Martinique.

Im Juli 2017 waren die beiden Ärzte zur ersten Etappe der Transatlantik-Regatta vom bretonischen Loirent nach Madeira gestartet. Unter den insgesamt 89 Booten war nur eine weitere deutsche Crew: Tim Behrendt und Andreas Buchheim aus Hamburg segelten auf der „Frida“, ebenfalls einer JPK, mit. Nach einer Woche und vielen gesundheitlichen Strapazen und Materialschäden am Boot hatten die Sundstädter die 1100 Seemeilen hinter sich gebracht. Den Winter verbrachte die „Thusnelda“ auf Madeira – da war es noch unklar, ob sie noch einmal bei der Regatta zum Einsatz kommt. Denn den Sundstädtern hatte die erste Wettfahrt viel abverlangt, lange blieb es offen, ob sie die zweite, sehr viel längere, Etappe überhaupt antreten wollen.

Doch dann packte sie wieder das Regattafieber. Beide sind seit vielen Jahren segelbegeistert, nehmen nicht nur an der Stralsunder Mittwochsregatta teil, sondern haben bereits einige Regattaerfahrung.

Also flogen sie schließlich Anfang Februar gemeinsam mit dem Stralsunder Thomas Krutoff, der sich um die Technik der „Thusnelda“ kümmert, nach Madeira. „Wir haben dann erst einmal geschaut, wie das Schiff den Winter überstanden hat“, erklärt Thomas Krutoff. „Also alles Mögliche kontrolliert, neue Teile eingesetzt und die Elektronik optimiert. Außerdem haben wir eine zusätzliche Finne unter das Boot geklebt, da vor Martinique immer große Krautfelder treiben.“ Diese wirken bei einem Segelboot wie eine Bremse und erschweren das Steuern.

Den ersten Dämpfer bekamen die Stralsunder allerdings, als sie feststellen mussten, dass die Spezialnahrung, die im Vorfeld individuell abgestimmt und bestellt wurde, nicht angekommen war. „Also mussten wir auf Madeira nochmal los, um Nahrung für den Törn zu besorgen“, erklärt Thomas Krutoff. Außerdem hatte es den Skipper, Thomas Hunfeld, mit einer Grippe umgeworfen. Er verbrachte die Tage vor Wettfahrtbeginn im Bett.

Nur eine Stunde vor dem Start der zweiten Etappe in Quinta de Lorde musste Thomas Krutoff von Madeira aus wieder in Richtung Stralsund abreisen. Er sah den ziemlich stürmischen Auftakt der Boote am 10. Februar nur aus dem Fenster des Fliegers.

In der ersten Nacht hatte die Crew der „Thusnelda“ bei viel Wind mit Seekrankheit und Materialschwund zu kämpfen: Ein Spinnakerbaum zerbrach. Große Unruhe herrschte bei den daheimgebliebenen Familien und Freunden am 11. Februar, als sich die „Thusnelda“ auf der Karte nicht mehr bewegte. „Ich habe dann Kontakt zur Crew aufgenommen, und erst einmal festgestellt, dass mit den beiden und dem Schiff alles in Ordnung ist“, sagt Ehefrau Katrin Hunfeld. „Wir haben dann herausgefunden, dass der Tracker, also das Gerät, das die Positionen senden soll, nicht funktioniert. Den hatte zuvor die Rennleitung an jeden Teilnehmer ausgegeben“, erklärt Thomas Krutoff und gibt zu: „Wir waren zunächst ziemlich aufgeregt, weil wir nicht wussten, was da an Bord los ist.“ Seitdem muss die Crew ihre Positionen per Telefon an die Regattaleitung funken.

Mittlerweile sind die ersten „Transquadra“-Segler in Le Marin auf Martinique angekommen. Die letzte Meldung der „Thusnelda“ erhielt Thomas Krutoff am Montagabend. „Den beiden geht es so weit gut, aber sie sind ziemlich kaputt. Sie haben noch ein paar Seemeilen vor sich, es regnet viel, ist windig und sie müssen oft die Segel wechseln. Alles ziemlich anstrengend. Da bleibt nun nur, weiter die Daumen für unsere Segler vom Sund zu drücken.

Miriam Weber