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Sportmix Segelprofi Kröger nimmt Nachwuchs aus MV an Bord
Sportbuzzer Sportmix Segelprofi Kröger nimmt Nachwuchs aus MV an Bord
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00:00 05.09.2013
Warnemünde

Strahlende Augen und Sprachlosigkeit — so in etwa kann man den Zustand beschreiben, mit dem die vier besten Nachwuchssegler des Landes vom ersten Youth-Sailing-Workshop zurückkehrten. Einen Vormittag lang hatten Hannah Anderssohn (13), Max Wilken (14), Matthes Waack (16) und Matthias Rummel (16) die Gelegenheit, Segelprofi Tim Kröger und den Olympiasechsten Robert Stanjek kennenzulernen, zu befragen und gemeinsam mit ihnen zu segeln. Bei bis zu 7 Windstärken auf einer 15 Meter langen Rennyacht ein durchaus anderes Erlebnis als auf einer kleinen Jolle, wie sie feststellten.

„Zieh sie runter, zieh sie runter, du schaffst das, mehr noch“, feuert Tim Kröger Matthias Rummel an, der sich mit aller Kraft ins Steuerrad der „Spirit of Europe“ hängt und schwitzt. „Ich hätte nie gedacht, dass es so schwer ist, ein großes Schiff auf Kurs zu halten“, gibt der 16-Jährige zu. Mit 12 Knoten Fahrt bei 27 Knoten Wind geht es durch respektable Wellen vor Warnemünde. Wer nichts zu tun hat, muss auf die hohe Kante — vorlehnen, Füße raus. Wettkampfbedingungen.

Zwar sind alle vier erfolgreiche und erfahrene Regattasegler, doch vor den Kräften, die an Bord dieses Bootes herrschen, haben sie gehörigen Respekt. „Das ist echt Wahnsinn, da muss man wirklich mutig sein, um so ein Schiff zu führen“, sagt auch sein Kollege Matthes Waack respektvoll.

Für Tim Kröger ist das Alltag. Der 49-jährige Segelprofi hat schon an zwei Rennen um die Welt und zweimal am America‘s Cup teilgenommen. Zurzeit bereitet er sich für das Nordstream Race vor, eine Hochseeregatta, die über 800 Seemeilen nonstop von Flensburg nach St. Petersburg geht. Er ist einer der wenigen Segel-Vollprofis, die Deutschland hat.

Für Robert Stanjek, der im Starboot 2012 Olympia-Sechster wurde, sind Hochseeyachten inzwischen auch kein Neuland mehr: Jüngst schlug er als Skipper der „SGM“ im legendären Fastnetrace die russische Konkurrenz. „Aus meiner Sicht ist es enorm wichtig, zwischendurch auch mal die Perspektiven zwischen olympischem Segelsport und Hochseeszene zu wechseln, um später auch weiterhin international im Segelsport eine Chance zu haben“, erklärt er den Youngstern.

Für Jens Müller vom Pipelinebauer Nordstream, der den Workshop initiiert hat, steht vor allem im Vordergrund, junge Leute aus unterschiedlichen Nationen des Ostseeraums ins Boot zu holen: „Das Team Europe fördert den Segelnachwuchs, der Workshop soll dazu ein Auftakt sein“, sagt er.

Seebär Kröger jedenfalls ist zufrieden: „Man merkt, dass in MV gute Jugendarbeit gemacht wird. Die Jungs und Mädels können schon echt gut segeln und stehen im Stoff“, lobt er seine junge Crew. Und freut sich nun auf das Matchrace am kommenden Donnerstag in Flensburg unmittelbar vor dem Start des Langstreckenrennens. Denn da werden Hannah, Max, Matthes und Matthias wieder mit an Bord sein — dann aber wohl nicht selber steuern.

Nadja Arp