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Tag der Entscheidung — stürmt Bach heute den Olymp?

Buenos Aires Tag der Entscheidung — stürmt Bach heute den Olymp?

Der 59-Jährige kann erster deutscher IOC-Präsident werden. Es wäre die Krönung einer kometenhaften Karriere, in der er nichts dem Zufall überließ.

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Geht als Favorit in die Wahl des IOC-Präsidenten: Thomas Bach.

Quelle: dpa

Buenos Aires. Thomas Bach steht kurz vor dem Ziel. 32 Jahre nach seinem internationalen Durchbruch als Sport-Funktionär 1981 beim IOC-Kongress in Baden-Baden schickt sich der Magna- cum- laude-Doktor der Jurisprudenz aus Tauberbischofsheim heute an, erster deutscher „Herr der Ringe“ und neunter Präsident des Internationalen Olympischen Komitees zu werden. Seine Befürworter halten ihn für einen brillanten Kopf und Wohltäter des Sports, seine Kritiker für einen Karrieristen und Machtpolitiker, der seinem großen Ziel seit Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, alles unterordnet. So oder so: Thomas Bach geht als Favorit ins Rennen um die Nachfolge des Belgiers Jacques Rogge. „Natürlich ist Anspannung da. Ich habe mich auf diese Wahl wie früher als Athlet auf einen Wettkampf vorbereitet. Die Form stimmt“, sagte Bach in Buenos Aires: „Ob es am Tag der Entscheidung aber reichen wird, weiß

man nie mit Gewissheit. Ich hoffe es natürlich.“

Mit dem Prinzip Hoffnung hat sich der 59-Jährige im Verlauf seiner kometenhaften Karriere selten abgefunden. Als Florettfechter war er bekannt für seine intelligente Kampfführung und wurde mit der Mannschaft 1976 in Montreal Olympiasieger. Fünf Jahre später betrat er die Bühne der Sportpolitik. Juan Antonio Samaranch war gerade im zweiten Jahr seiner IOC-Präsidentschaft, als der Ringebund nach den Boykottspielen von Moskau in Baden-Baden die Scherben aufsammeln wollte. Bach gehörte damals der legendären ersten IOC-Athletenkommission an, die mächtig auf den Putz haute und die altgedienten Funktionärsriegen aus Ost und West mit jeder Menge Selbstbewusstsein und der Forderung nach lebenslangen Dopingsperren aufschreckte. Zu jener Zeit gingen Bach, der vier Sprachen fließend spricht, bedeutungsschwere Aussagen noch leicht über die Lippen. „Der mündige Sportler entspricht der Vorstellung vom demokratischen Menschenbild“, sagte er Mitte der Achtziger: „Einerseits ist er ein autonomes Individuum mit dem Drang zur Selbstverwirklichung durch Leistung, andererseits erfährt und erkennt er seine Verantwortung in der Gemeinschaft.“

Der Drang nach Selbstverwirklichung, meinen seine Kritiker, bestimmt sein Handeln mittlerweile weitaus mehr. Nichts konnte seine Karriere stoppen. 1991 kam er ins IOC, 1996 in die Exekutive, 2000 wurde er zum Vizepräsidenten gewählt und bis heute mit traumhaften Wahlergebnissen im Amt bestätigt. Er lenkte den IOC- Bestechungsskandal vor den Spielen von Salt Lake City geschickt aus dem Licht der Öffentlichkeit und gab sich als Leiter der juristischen Kommission immer als strikter Kämpfer gegen Doping. 2006 wurde er erster Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dem er heute als IOC-Präsident den Rücken kehren will. Es gibt Funktionäre in großen deutschen Fachverbänden, die meinen, gedanklich habe Bach den DOSB schon vor langer Zeit hinter sich gelassen. Vor allem seine vielfältigen Kontakte in die Wirtschaft brachten ihn bis kurz vor „seiner“ Wahl immer wieder in Bedrängnis, doch nach zahlreichen Finten und Paraden steht er, zumindest offiziell, nun als Saubermann vor seiner Krönung. Zuletzt geriet er wegen seiner zögerlichen Haltung im Anti-Doping-Kampf und seiner umstrittenen Präsidentschaft in der deutsch-arabischen Handelsgruppe Ghorfa vermehrt unter Beschuss. Sei‘s drum. Die Regierung Merkel steht an seiner Seite, ebenso Sportgrößen wie Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach oder Dirk Nowitzki. Sie alle loben ihn als verlässlichen Partner, als Kämpfer für das Wohl des Sports.

Wer ist Thomas Bach wirklich? Vielleicht offenbart Bach Antworten, wenn er sein großes Ziel erreicht hat.

Ich habe mich auf diese Wahl wie früher als Athlet auf einen Wettkampf vorbereitet. Die Form stimmt.“IOC-Präsidentschafts-

kandidat Thomas Bach

 

Jörg Mebus

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