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Technik-Revolution im deutschen Fußball fällt aus

Frankfurt/Main Technik-Revolution im deutschen Fußball fällt aus

Profi-Vereine lehnen Einführung der Torlinien-Technologie ab. Vor allem Zweitligisten schrecken vor den Kosten zurück. Liga baut zudem einen Ticket-Zweitmarkt auf.

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Mit dieser Anzeige am Handgelenk können Schiedsrichter bei Turnieren wie der Klub-WM erkennen, ob der Ball im Tor war.

Quelle: dpa

Frankfurt. In nur wenigen Minuten hat das Milliarden-Business Bundesliga die Technik-Revolution im deutschen Fußball verhindert — die Auswirkungen könnten aber noch auf Jahre spürbar sein. In einer kurzen Abstimmung votierten gestern auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) nur neun von 18 Erstligisten und lediglich drei Zweitligavereine für die Einführung einer Torlinientechnologie. Die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit wurde damit klar verfehlt. „Bis auf weiteres ist dieses Thema damit für uns erledigt. Ich erwarte in naher Zukunft keinen neuen Antrag“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball.

Eine große Rolle bei der Ablehnung vor allem im Unterhaus dürften die Kosten gespielt haben. Ein Kamerasystem wie das in England verwendete Hawk Eye oder das für die WM gebuchte Goal Control hätte jeden Verein rund 500 000 Euro für drei Jahre gekostet. Der Chip im Ball wurde mit rund 250 000 Euro für diesen Zeitraum veranschlagt. „Die Kosten sind so exorbitant, dass das nicht tragbar ist“, begründete Jörg Schmadtke, Geschäftsführer des Zweitliga-Spitzenreiters 1. FC Köln, die Ablehnung der überwiegenden Mehrheit im Unterhaus. Die Kölner selbst hatten dafür gestimmt.

Aus Kostengründen hatte der DFB bereits im Vorfeld erklärt, eine mögliche Torlinientechnologie nicht in den ersten Runden des DFB-Pokals einzusetzen, um die Amateurvereine vor erheblichen Ausgaben zu bewahren.

Anders als in England oder bei der Fußball-WM in Brasilien wird es in der Bundesliga also auf absehbare Zeit keine technischen Hilfsmittel geben. Nach intensiven Vorgesprächen kam es gestern nicht einmal mehr zu einer Diskussion. „Es gab ein demokratisches Votum, das es zu akzeptieren gilt. Für die Wahrnehmung der Bundesliga sehe ich dadurch keinen Nachteil. Die steht und fällt nicht mit der Torlinientechnologie“, kommentierte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert das Ergebnis.

Er verwies darauf, dass es in den Top-Ligen Europas derzeit kein einheitliches Bild gebe. So setzen Italien und Frankreich auf Torrichter, die für die Bundesliga als Alternative jedoch ebenfalls keine Rolle spielen. „Wir haben uns im Vorfeld mit diesem Thema beschäftigt. Die Torrichter kommen für uns überhaupt nicht infrage, weil letztlich das menschliche Auge nur eine bestimmte Anzahl an bestimmten Bildern pro Sekunde aufnehmen kann“, stellte Andreas Rettig, DFL- Geschäftsführer Spielbetrieb, klar.

Rettig ließ anklingen, dass das Abstimmungsergebnis für ihn überraschend kam. „Wir hatten einen Entscheid erwartet, nach dem wir in die Ausschreibung für die Art der technischen Hilfsmittel gehen“, erläuterte er. Dazu kam es nicht, weil sich die Befürworter wie Bayern München, Leverkusen, Bremen, Mönchengladbach oder Mainz nicht durchsetzen konnten.

Die Mitgliederversammlung entschied außerdem, dass Profi-Vereine ab der kommenden Saison nicht mehr zwingend ein U 23-Team im Spielbetrieb haben müssen. Im Kampf gegen Schwarzhändler im Internet wurde beschlossen, einen offiziellen Ticket-Zweitmarkt auszuschreiben. Dem Fußball ist es zunehmend ein Dorn im Auge, dass Eintrittskarten für Bundesliga-Spiele zum Teil erheblich verteuert weiterverkauft wurden.

„Entscheidung kein Nein für alle Zeiten“
Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef Bayern München: Wir werden leider in Zukunft weiter mit Fehlentscheidungen leben müssen. Diejenigen, die da gegen gestimmt haben, sollten dann aber auch nicht mehr lamentieren.

Horst Heldt, Sportvorstand Schalke 04: Wir waren dagegen. Das System ist noch nicht ausgereift und bedeutet für einige Klubs einen finanziellen Aufwand.

Peter Rettig, Geschäftsführer 1899 Hoffenheim: Es geht um die Essenz des Fußballs: Tor oder nicht Tor. Da sollten Kosten- und Nutzenüberlegungen nicht die zentrale Rolle spielen.

Heribert Bruchhagen, Klubchef Eintracht Frankfurt: Der Fußball soll überall unter gleichen Bedingungen gespielt werden. Ich glaube nicht, dass es ein Nein für alle Zeiten war.

 



Eric Dobias

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