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Hochschulen Krähen bestehen Wasserkrug-Test
Thema H Hochschulen Krähen bestehen Wasserkrug-Test
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16:54 02.04.2014
Eine neukaledonische Krähe während des sogenannten Wasserkrug-Tests. Foto: Sarah Jelbert
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Auckland

Schon der antike griechische Dichter Äsop pries die Intelligenz der Krähen. Bei einem Experiment erreichten sie nun in etwa die Geschicklichkeit von Schulanfängern.

Krähen sind so intelligent wie in antiken Fabeln beschrieben. Mit Steinen soll eine Krähe in einer Erzählung des griechischen Dichters Äsop den Wasserstand in einem Krug so weit erhöht haben, dass sie trinken konnte. Forscher aus Neuseeland starteten nun ähnliche Experimente. Die Vögel seien erstaunlich schlau, aber nicht perfekt, berichtet das Team im Online-Fachjournal „PLOS ONE“. Ihre Geschicklichkeit entspreche in etwa der von fünf- bis siebenjährigen Kindern.

Die Gruppe um Sarah Jelbert von der Universität Auckland trainierte sechs Neukaledonische Krähen (Corvus moneduloides) darauf, mit kleinen Steinen zu hantieren. Diese als sehr geschickt und lernfähig bekannten Vögel nutzen in der Wildnis kleine Äste und stellen sogar selbst Werkzeuge daraus her. Den Tieren wurde nach dem Training in verschiedenen Experimenten Futter präsentiert, dass sich auf einem Korkstück gerade nicht erreichbar in einem Plexiglas-Zylinder befand, dazu eine Auswahl von Steinen und anderen Gegenständen.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Tiere die Wirkung von Steinen im Wasser schnell erfassten, ganz wie in Äsops Fabel: Sie warfen unter anderem Steine in halb mit Wasser, nicht jedoch in halb mit Sand gefüllte Gefäße. Sie bevorzugten eher schwere Objekte als leichte, die im Wasser schwammen, und ebenso eher feste als hohle Gegenstände. Sie wählten unter zwei Wasserzylindern den aus, der bereits am höchsten gefüllt war. In allen Fällen konnten sie dadurch den Wasserstand erhöhen und so an ihr Futter gelangen.

Bei zwei weiteren Tests versagten die Tiere jedoch: Bei der Wahl zwischen einer weiten und einer schmalen Röhre wählten sie nicht die schmale, in der das Wasser bei jedem Stein weitaus stärker gestiegen wäre. Der letzte Test mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad bringt auch kleine Kinder an ihre Grenze: Er besteht aus zwei mit Wasser gefüllten Zylindern und einen in der ihrer Mitte mit einem schwimmenden Futterstückchen. Einer der Wasserzylinder ist unter der Grundplatte versteckt mit dem sehr dünnen Futterzylinder verbunden - nur Steine in diesem Wasserzylinder lassen durch diese Verbindung auch das Wasser und das Futter ansteigen. Der Futterzylinder selbst war so dünn, dass keine Steine hineinpassten.

Die Versuche zeigen, wie weit das Verständnis der Tiere für Ursache und Wirkung ihres Handelns geht. Sie entsprechen nach Forscherangaben in etwa den Ergebnissen, die von fünf- bis siebenjährigen Kindern erwartet werden können - eine außergewöhnliche Leistung im Tierreich. „Diese Ergebnisse werfen ein Licht sowohl auf die Stärke als auch die Grenzen des Verständnisses“, sagte Sarah Jelbert. „Die Krähen versagten bei Tests, bei denen normale kausale Regeln nicht gelten, sie bestanden aber die anderen, und das bedeutet, dass sie ein gewisses Maß an kausalem Verständnis haben.“



dpa

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