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Hochschulen Überaus sonnig: Auch 2013 war es zu warm in Deutschland
Thema H Hochschulen Überaus sonnig: Auch 2013 war es zu warm in Deutschland
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16:55 02.04.2014
Dürre in Texas: Der Klimawandel birgt gewaltige Risiken für Mensch und Natur. Welche Folgen die Erderwärmung hat und welche Anpassungsmöglichkeiten es gibt, zeigt der Weltklimarat im zweiten Teil seines neuen Reports auf. Foto: epa/Larry W. Smith
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Berlin

Heftige Temperaturrekorde blieben 2013 in Deutschland zwar aus, doch der langfristige Erwärmungstrend setzt sich fort.

8,7 Grad war es im Jahresschnitt warm, das sind 0,5 Grad mehr als im Referenzeitraum 1961 bis 1990, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seiner Jahresbilanz am Dienstag in Berlin. „Es besteht kein Anlass, von einem Ende der allgemeinen Erwärmung auszugehen“, sagte DWD-Klimaexperte Thomas Deutschländer. Unterdessen startete im japanischen Yokohama die Debatte um die Kernthesen für den zweiten Teil des kommenden Klimareports.

Nach dem trübsten und sonnenscheinärmsten Winter in Deutschland seit 1951 kam es im Mai 2013 zu heftigen Niederschlägen und Überschwemmungen. In der zweiten Jahreshälfte war es dann durchgängig zu warm, der Sommer ab Juli auch äußerst trocken. Auf einen Herbst mit ungewöhnlich warmem Oktober folgte der viertmildeste Winter seit 1881: Im Westen und Südwesten gab es mancherorts keinen einzigen Eistag mit Temperaturen unter Null, berichtete der DWD.

„Das könnte ein Fingerzeig für die Richtung sein, in die sich unser Klima aller Voraussicht nach entwickeln wird“, sagte Deutschländer. Die Experten betonten, dass die langfristige Tendenz hin zu milden, feuchteren Wintern und mehr Wetterextremen in tendenziell trockeneren Sommern nicht bedeute, dass es keine Ausreißerjahre geben wird. Im Jahresmittel sind die Niederschlagsmengen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland 1881 um zehn Prozent gestiegen - im Winter sogar um 30 Prozent.

Zugleich präsentierte der DWD erstmals Satellitenauswertungen, die es in Kombination mit Daten von Landstationen erlauben, Niederschlagsmengen rückwirkend von 1988 an tagesgenau zu bestimmen - auch über dem offenen Meer. So konnten die Experten ausrechnen, dass etwa der Hurrikan „Katrina“ 2005 beim Auftreffen auf das US-amerikanische Festland teils Regenmengen von über 200 Litern pro Quadratmeter am Tag mitbrachte. In Berlin fallen im Mittel 580 Liter pro Quadratmeter - im Jahr.

Die DWD-Analysen konnten damit belegen, was bisher nur vermutet wurde: Je höher die Temperatur der Meeresoberfläche, desto hefiger die maximalen Niederschläge der Hurrikane. Anrainer am tropischen Atlantik müssten angesichts vermutlich steigender Wassertemperaturen künftig also mit noch stärkeren Niederschlägen im Umfeld von Hurrikanen rechnen. DWD-Vizepräsident Peter Becker resümierte: „Insgesamt fügen sich unsere Ergebnisse nahtlos in den IPPC-Bericht ein.“

Der Bericht des Weltklimarates IPCC wird von Hunderten Fachleuten erstellt, er fasst die jeweils aktuellen Erkenntnisse zum Klimawandel und zu seinen Folgen zusammen. Diese und die Anpassungsmöglichkeiten daran stehen im Mittelpunkt der am Dienstag begonnenen Beratungen zum zweiten Teil des Weltklimaberichts. 500 Wissenschaftler und Regierungsvertreter aus aller Welt debattieren im japanischen Yokohama in den kommenden Tagen hinter verschlossenen Türen über den Wortlaut der Kurzfassung des Tausende Seiten umfassenden Reports.

„Klimawandel ist eine langfristige Herausforderung, aber er erfordert dringendes Handeln“, mahnte Achim Steiner, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms Unep, in einer Videobotschaft zum Auftakt der Konferenz. Am kommenden Montag (31. März) soll das Ergebnis der Beratungen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Im ersten von insgesamt drei Teilen des Reports hatten Forscher belegt, dass der Mensch Hauptursache des Klimawandels ist. Im dritten Teil präsentieren sie Mitte April Vorschläge zum Bremsen der Erderwärmung.



dpa

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