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Leuchttürme in MV Bastorfer Buk: Kleiner Turm auf größter Höhe
Thema L Leuchttürme in MV Bastorfer Buk: Kleiner Turm auf größter Höhe
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14:20 27.09.2018
Der Bastorfer Leuchtturm Buk wurde 1878 in Betrieb genommen und ist heute Besuchermagnet. Quelle: Rolf Barkhorn
Bastorf

Romantik und Nostalgie locken viele Urlauber zu den historischen Leuchttürmen, wie Buk in Bastorf. Das Ensemble wirkt idyllisch. Auf dem Weg, den Berg hinauf, blühen jetzt vereinzelt noch Sonnenblumen am Feldrand. Wenn der Raps im Frühjahr den Acker einnimmt, dann ist Haupt-Fotozeit für die Freunde dieses Turms. Für die Schifffahrt sind Leuchttürme immer noch wichtige Navigationshilfen. Buk gilt als Deutschlands höchstgelegener Leuchtturm.

Das Denkmal geschützte Bauwerk aus rotbraunem dreischaligen Backsteinmauerwerk auf einem Fundament aus Findlingen thront 78 Meter über dem Meeresspiegel. Über viele Kilometer ist der gesamte Küstenverlauf überschaubar. In nordöstlicher Richtung sind Rostock und Warnemünde, in nördlicher Richtung liegen der Riedensee und die Stadt Kühlungsborn. Nach Westen schließt sich der Blick auf Rerik an, die Wismar Bucht und bei klarem Wetter auf die holsteinische Küste und einzelne dänische Inseln.

Landspitze gab den Namen

Die Landspitze, die sich an der Ostseeküste zwischen Kühlungsborn und Rerik in die See schiebt, wird Buk genannt. Von daher stammt der Name des 20,80 Meter hohen Bastorfer Leuchtturms. Er wurde am 1. Dezember 1878 in Betrieb genommen und ist noch heute ein aktives Seezeichen. Knapp einhundertein Jahre arbeiteten an die 20 Leuchtturmwärter und Leuchtturmmaschinisten auf Buk. Bis in die 60er Jahre des letzten
Jahrhunderts gehörte es zu den Pflichten der Wärter, täglich mehrmals Windgeschwindigkeit und Windrichtung sowie Bewölkungsart zu erfassen und nach eigenem Ermessen Sturmwarnzeichen zu setzen.

Paul Knabe (1920 bis 2016) war der letzte Leuchtturmwärter auf Buk und verrichtete von 1973 bis 1979 dort seinen Dienst. „Drei Jahre lang übernachtete mein Vater auch dort, weil der Turm noch nicht voll automatisiert war“, erinnert sich seine Tochter Edeltraut Bludszuweit: „Und er musste immer in Bereitschaft sein. Später war mein Vater nur noch tagsüber oben.“ Paul Knabe starb mit 96 Jahren. „Er wollte so gern 100 werden. Seinen Geburtstag haben wir noch im Valentins am Turm gefeiert“, sagt die Bastorferin.

Paul Knabe war der letzte Leuchtturmwärter auf Buk. Quelle: Sabine Hügelland

Leuchtfeuer und Seefahrt in der Mecklenburger Bucht

„Als Paul Knabe seinen Dienst als Seezeichenmechaniker antrat, bewohnten die Witwe des verstorbenen ersten Leuchtturmwärters Paul Rachow und dessen Kollege Willi Schwarz noch die Dienstwohnungen auf dem Leuchtturmgelände“, trug der Kühlungsborner Autor Dr. Jürgen Jahn kein seinen Aufzeichnungen „Leuchtfeuer und Seefahrt in der Mecklenburger Bucht“ zusammen.

Willi Schwarz wurde später invalidisiert und zog weg. „Die Nationale Volksarmee ernannte Paul Knabe zum alleinigen Leuchtfeuermaschinisten. Zu seinen Aufgaben zählten vor allem die Wartung der technischen Geräte, Ausführen kleinerer Reparaturen, Kontrollgänge, Überprüfung des Notstromgerätes sowie Pflege der Außenanlage“, schreibt Jahnke.

Der Kühlungsborner Autor Dr. Jürgen Jahnke befasste sich auch mit dem Bastorfer Leuchtturm. Quelle: Sabine Hügelland

Zwei prekäre Situationen hatte Paul Knabe in seiner Amtszeit als Leuchtfeuermaschinist zu durchstehen: Im Sommer 1973 brannte der Turm. Die Ursache war ein Brandausbruch im Keller, wo Briketts, Öl- und Petroleumkannen sowie Dieselfässer lagerten. Knabe und Schwarz löschten den Brand. Seine zweite Bewährungsprobe bestand Knabe im Januar 1979, als durch anhaltende Kälte, Sturm und Schneemassen die elektrische Versorgung zusammenbrach. „Paul Knabe betreute verantwortungsbewusst den Leuchtturm, wohnte im Dienstzimmer, und seine Frau brachte ihm etwas zu essen“, recherchierte Jahnke. Der ständige Stromausfall verringerte den Dieselvorrat für den Generator rapide, denn wegen der schlechten Sicht musste das Leuchtfeuer auch am Tage durchgehend eingeschaltet bleiben.

LPG half im Schneewinter

In seiner Not bat Knabe den Vorsitzenden der Landwirtschaftlichen Genossenschaft um Hilfe. Wenige Stunden später bahnte sich ein Raupenschlepper den Weg durch den Tiefschnee und brachte ihm den dringend benötigten Diesel mit den Worten: „Können de Schipp dor buten denn Turm bi so’n Schietwedder oewerhaupt seihn? (Können die Schiffe da draußen den Turm überhaupt sehen?)“ Grund für die Beendigung seines Dienstverhältnisses war die völlige Automatisierung des Leuchtfeuers. Von nun an wurde das Leuchtfeuer über ein Fernmeldekabel von der Schaltzentrale des Seehydrographischen Dienstes der DDR in Warnemünde gesteuert und überwacht.

Wer Buk heute erklimmen will, kommt an Angelika Bannasch nicht vorbei. Sie kassiert den Eintritt von 2,50 Euro, Kinder zahlen nur 50 Cent. Angelika Bannasch betreut seit fast 15 Jahren Bukund besteigt zweimal täglich die Turmstufen, zur Kontrolle. „Einmal kam eine 90-jährige Dame auf Krücken, die unbedingt auf den Turm wollte. Sie hat es geschafft und mir noch von oben zugewunken“, erinnert sie sich. Dabei sind die hohen 55 Granitstein- Stufen ein wenig ungewohnt und anstrengender zu begehen als flachere.

Besucher genießen den Ausblick

„Manche fragen gleich, wo ist der Fahrstuhl“, sagt sie und muss schmunzeln. Im kleinen Häuschen am Turm verkauft Angelika Bannasch auch Souvenirs: „Eigentlich geht alles gut, aber natürlich vor allem Leuchttürme.“ Im Innern des Turmes erhält der Besucher einige Informationen über dessen Geschichte, Einrichtung und Funktionsweise. 40 000 bis 50 000 Besucher kommen jedes Jahr an ihr vorbei, um den traumhaften Ausblick zu genießen und vielleicht im Anschluss im Café & Restaurant „Valentins“, das sich vor dem Leuchtturm befindet, den Tag mit hausgemachten Kuchen abzurunden.

„Und wenn früher mecklenburgische Segelschiffe am Buk vorbeifuhren, dann wussten die Besatzungen, dass auf dem Turm, ,einer von ihnen’ der Chef war. Die Arendseer, Brunshauptener, Meschendorfer und Alt Gaarzer Fischer kannten all jene namentlich, die hier für ihre Sicherheit sorgtenund vor Untiefen und Sturm warnten“, schrieb Dr. Jürgen Jahnke.

Leuchttürme des Nordens: Der Leuchtturm Buk leuchtet landesweit am höchsten über der Küste: 95,30 Meter über Mittelwasser (MW). BeimWarnemünder Leuchtturm sind es 34,25 Meter Feuerhöhe. Quelle: C. Voigt

Sabine Hügelland