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Leuchttürme in MV Ein Fester Punkt: Der Leuchtturm am Darßer Ort
Thema L Leuchttürme in MV Ein Fester Punkt: Der Leuchtturm am Darßer Ort
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14:56 28.09.2018
Seezeichen im Urwald: Der Leuchtturm Darßer Ort steht mitten im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Quelle: Museum
Darßer Ort

Hier haben sich Dramen abgespielt: Vor dem Bau des Leuchtturms am Darßer Ort sind an der Küste von Fischland und Darß Hunderte Schiffe verunglückt. Am berüchtigsten waren damals schon die ständig wandernde Spitze des Darßer Ortes und die Prerowbank. Wegen der starken Strömung und durch die meist aus westlicher Richtung wehenden Winde trieben die Schiffe nach Osten hin ab – obwohl sie Kurs hielten. Viele strandeten auf den gefährlichen Untiefen am sich unberechenbar verändernden Meeresboden. Allerdings zogen die Darßer damals aus den Strandungen auch Vorteile. Zumindest auf Baumaterial und Feuerholz konnten sie hoffen. Gerüchte von falschen Orientierungsfeuern und ausgeraubten gestrandeten Seeleuten machten die Runde.

Leuchtturm Darßer Ort ist zweitältester in MV

Leuchttürme werden auch im Computer-Zeitalter noch zur sicheren Verkehrsführung auf See benötigt. So auch am Darßer Ort, wo der Betrieb des 35,4 Meter hohen Leuchtturms schon im Januar 1849 aufgenommen wurde. Das Leuchtfeuer Darßer Ort ist nach dem „Schinkel-Turm“( Bauzeit 1826-28) auf Kap Arkona der zweitälteste Seezeichenbau in Mecklenburg-Vorpommern, der noch existiert. Gleichzeitig ist es das älteste noch betriebene Leuchtfeuer dieses Ostseeküstenabschnittes.

Es warnt die Schiffe vor der Darßer Schwelle. Alle 22 Sekunden strahlen zwei und vier Blitze über die Ostsee. Auf der Leuchtturm-Plattform in 29 Metern Höhe lässt sich die wahre Schönheit des Nationalparks „Vorpommersche Boddenlandschaft“ erblicken, die sich um ihn herum erstreckt. Zuvor sind allerdings 126 Stufen der grünen schmiedeeisernen Treppe mit den durchbrochenen Blumenmotiven in Angriff zu nehmen. 134 sind es bis zum Laternenhaus. Die letzten 16 Stufen sind schlicht gehalten.

Otto Wolff übernahm am 1. Februar 1959 als letzter Stationsleiter den Leuchtturm. Quelle: NATUREUM

Vom Turm aus geht der Blick bis Insel Møn

Am Geländer der Plattform befinden sich Informationstafeln. Der Rundblick über Darß und die Ostsee erstreckt sich bei klarem Wetter bis zur dänischen Insel Møn. Dieser Leuchtturm möchte erobert werden und fordert Einsatz. Um ihn zu erreichen, müssen mehr als fünf Kilometer und ein Fußmarsch von einer Stunde aus Prerow kommend absolviert werden. Schneller geht es mit dem Rad oder gemütlich in 45 Minuten mit der Pferdekutsche. Im ehemaligen Leuchtfeuerwärterhaus und im Stallgebäude befindet sich heute das Natureum, das jährlich von 100 000 Gästen besucht wird.

Neben dem Meeresmuseum, dem Nautineum und dem Ozeaneum gehört es zu den Standorten des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Der Leuchtturm Darßer Ort und das Turmgehöft sind Eigentum des
Wasserstraßen-und Schifffahrsamtes Stralsund und werden auch von diesem verwaltet. Außerdem ist das Gebäudeensemble als Baudenkmal geschützt.

Oberwärterhaus wurde zum Museums-Café

Im ehemaligen Oberwärterhaus aus dem Jahr 1892 ist ein Museums-Café entstanden. Jeweils bis zu drei Leuchtfeuerwärter arbeiteten noch in den 70er Jahren auf dem Turm, insgesamt 13 Leuchtfeuerwärter, Oberwärter, Leuchtfeuermaschinisten und Hilfswärter. Im 1848 erbauten Wärterhaus wohnten zwei Leuchtfeuerwärter-Familien. Zu ihren Aufgaben zählten das Anzünden des Feuers vor Sonnenuntergang, die  Beaufsichtigung des Feuers und das Löschen nach Sonnenaufgang. Ebenso galt es, ungewöhnliche Aktivitäten zu dokumentieren.

Ab 1936 wurde das Leuchtturmfeuer elektrisch betrieben. Der erste Leuchtfeuerwärter war Obersteuermann Jacob Friedrich Peters. Otto Wolff übernahm am 1. Februar 1959 als letzter Stationsleiter den Leuchtturm. Er blieb zusammen mit seinem Sohn Gerd Wolff und dem seit Anfang 1970 eingestellten Alfred Kayserling bis zur Umstellung auf Fernsteuerung im Jahr 1978 im Dienst.

Jährliche Küstenabbrüche vor dem Leuchtturm

Immer noch kommt es am Darßer Ort zur Entstehung neuen Landes oder zur Abtrennung von Teilen der Ostsee und anschließender Verlandung. Seit 1952 geht im Durchschnitt an der Küste vor dem Leuchtturm jährlich ein Meter Land verloren. In 50 Jahren – so steht es an einem anschaulichen Modell vor dem Turm – könnte die Ostsee bis an den Darßer Leuchtturm heran reichen. Eine dramatische Entwicklung, die zeigt, dass die Ostsee niemals in ihrer Kraft unterschätzt werden sollte.

Details der Türme

Darßer Ort
Baujahr: 1847-48, offizielle Inbetriebnahme: 1. Januar 1849
Höhe: 35,4m
Feuerhöhe über NN: 33m
Lichtquelle: Halogen-Metalldampflampen, Powerstar HQI-T400 W/ D
Optik: Anordnung von sechs Scheinwerferfeldern mit zwei Blendern
Brennweite: 700 mm
Tragweite: 20sm
Farbe: Weiß
Kennungserzeugung: elektrische Drehvorrichtung
Kennung: Blitz (2+4) 22 s
Öffentlich zugänglich seit März 1995 Nebelstation Wustrow
Baujahr: 1911
Höhe des Bauwerkes: 10 Meter
Feuerhöhe: 12 Meter
Tragweite: 16 Seemeilen
Kennung: Weiß
Wiederkehr: 12 s

Sabine Hügelland