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Leuchttürme in MV Warnemünder Leuchtturm: 135 Stufen für tollen Ausblick
Thema L Leuchttürme in MV Warnemünder Leuchtturm: 135 Stufen für tollen Ausblick
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14:12 27.09.2018
Der Warnemünder Leuchtturm – 70 000 Menschen laufen jedes Jahr bis nach oben, um den Blick zu genießen. Quelle: Sabine Hügelland
Rostock

Seit Jahrhunderten weisen Leuchttürme Seefahrern den Weg vorbei an Untiefen, Riffen und Klippen. Noch bis ins 19. Jahrhundert entzündeten Diebes-Banden falsche Leuchtfeuer. Nahm ein Schiff Kurs auf die vermeintlichen Seezeichen, fuhr es auf ein Riff und wurde geplündert. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei und kaum ein Leuchtturm braucht noch einen Wärter, weil die Türme modernisiert wurden. Heute geht von alten Leuchttürmen eine Faszination aus, die viele Besucher anzieht. Wer ganz nach oben geht, ist dem Himmel ein Stückchen näher und blickt auf Warnemünde, das ihm zu Füßen liegt.

Warnemünder Leuchtturm ist Schiffahrtszeichen

135 nummerierte Stufen gilt es bis dahin im denkmalgeschützten Leuchtturm zu erklimmen, doch sie sind leicht zu nehmen und es gibt Absätze, auf denen eine kurze Verschnaufpause möglich ist. Dort warten die Entgegenkommenden, um in dem schmalen Turm aufsteigen zu können. Sonst wird es sehr eng. 31 Meter hoch ist der Warnemünder Leuchtturm aus weiß glasierten Ziegelsteinen und immer noch ein aktives Schifffahrtzeichen. Die zwei Galerien des Turmes laden ein zum Rundblick auf Warnemünde, Ostsee und Strand. 70 000 Menschen laufen jedes Jahr bis nach oben, um den Ausblick zu genießen. Von 1960 bis 1978 verrichtete Karl-Heinz Stuhr als letzter „echter“ Leuchtturmwärter im Turm seinen Dienst. 21 Leuchtturmwärter und Leuchtturmmaschinisten waren es bis zum Jahr 1978.

1897/98 als Seezeichen erbaut, hilft er nicht nur Schiffen auf ihrem Weg in den Hafen, sondern ist auch das Wahrzeichen des Seebades geworden. Zwischen 1964 bis 1979 war er begehbar. 1980 wurde er aus Sicherheitsgründen für den Besucherverkehr gesperrt. Mit der Initiative von Gerhard Lau, Rostocks Oberbürgermeister Dieter Schröder und WSA-Chef Falk Meyer konnte der Turm 1994 wieder für Besucher geöffnet werden. Solch ein Bauwerk hat natürlich auch eine Fangemeinde und die nennt sich Förderverein Leuchtturm Warnemünde e.V., gegründet im Februar 1994. Den Vorsitz hat seit 2012 Ingenieur Klaus Möller inne. „Wir sind deutschlandweit 90 Mitglieder, darunter auch Firmen und Institutionen. Davon leben jedoch nur etwa 40 Mitglieder in der Nähe.

Seit 2012 ist Ingenieur Klaus Möller Vorsitzender des Fördervereines. Quelle: SABINE HÜGELLAND

Leuchtturmmänner informieren Touristen

Zum festen Kern, der hier im Turm im Zwei-Schicht-Dienst arbeitet, gehören zwölf Leuchtturmmänner“, so der 68-Jährige: „Zwei stehen als Reserve bereit, falls einer mal nicht kann.“ Im Durchschnitt sind die Leuchtturmmänner weit über 70 Jahre alt. „Wir suchen immer neue Mitstreiter. Sie sollten jedoch möglichst einen maritimen Hintergrund haben und ein wenig Englisch sprechen, weil viele ausländische Touristen zu uns kommen, schon durch die Kreuzfahrer.“ Die Männer im Turm sind Ansprechpartner für vieles: „Wir werden gefragt, wo man einkaufen kann oder wo es den besten Fisch zu essen gibt. Alles Mögliche eben“, so Möller. „Und sie fragen,wie viele Treppen es gibt“, so Rüdiger Kohtz. „Eine“, sagt er dann, „und 135 Stufen.“

Der 74-Jährige und der 70-jährige Frank Mangelsdorf waren gerade für die Frühschicht eingeteilt. Der Leuchtturmverein ist nicht auf Fördergelder angewiesen und kann dank der Einnahmen durch Eintritt und Spenden jedes Jahr 30 000 bis 35 000 Euro für den guten Zweck geben. „Im Bereich Sport, Kultur, Kunst, Soziales“, sagt der Vereinsvorsitzende. Über eine Million Euro kamen in den 24 Jahren des Vereins- Bestehens insgesamt zusammen. „Der Großteil soll natürlich den Erhalt und die Pflege des Baudenkmals sichern. Wir arbeiten gerade mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Stralsund Möglichkeiten der Trockenlegung aus“, so Möller. „Wenn der Turm in den Wintermonaten nicht betrieben und beheizt wird, entsteht viel Feuchtigkeit. Da muss eine Lösung her“, sagt der Warnemünder. „Aber uns störte es auch schon lange, dass der Vorplatz um den Leuchtturm so schmutzig ist.

Rüdiger Kohtz und Frank Mangelsdorf gehören zu den zwölf aktivenMitgliedern des Fördervereines Leuchtturm Warnemünde,die in zwei Schichten Dienst auf dem Turm schieben. Quelle: SABINE HÜGELLAND

„Wenn man auf See ist und sieht einen Leuchtturm weiß man, dort ist ein sicherer Hafen.“

Im nächsten Jahr wird das in Angriff genommen.“ Das Pflaster erhält dann wieder seine einstige helle Farbe zurück. Seit 1996 gibt der Förderverein jährlich das Warnemünder Bäderjournal „Tidingsbringer“ gemeinsam mit dem Rostocker Verlag Redieck & Schade heraus. Klaus Möller liefert dafür gern eine Auswahl seiner historischen Fotos, denn er sammelt seit seinem 14. Lebensjahr alles, was irgendwie mit dem Seebad zu tun hat. Warum er sich so mit dem Leuchtturm verbunden fühlt, erklärt er so: „Aus Sicht eines Seemannes, der ich ja mal war, ist das Sichten des Leuchtturms Sicherheit und Heimat zugleich“, sagt er. „Wenn man auf See ist und sieht einen Leuchtturm weiß man, dort ist ein sicherer Hafen.“ Für einen Seemann ist der Turm also etwas ganz Besonderes, aber für die vielen Besucher ebenfalls, er ist ein Touristenmagnet.

Auch das „Ja“-Wort können sich Verliebte, im Rahmen der Öffnungszeiten, dort geben. Bis zu 20 Hochzeiten – nach der offiziellen Trauung – pro Jahr sind möglich. „Einmal, es war im November, stürmte und schneite es. Er wollte ihr einen Heiratsantrag machen. Beide blieben fast eine Stunde oben“, erinnert sich Klaus Möller. Es ging gut aus. Das Wetter spielte bei den Verliebten keine Rolle. Eigentlich ist der Turm nur vom Osterwochenende bis Anfang Oktober geöffnet. Bei gutem Wetter auch länger. Viele Veranstaltungen gibt es am Turm, so auch immer am 1. Januar ab 18 Uhr. Das Warnemünder Turmleuchten zieht bis zu 90 000 Besucher an, die das Wahrzeichen dann von seiner magisch schönen Seite erleben.

Wer den Verein unterstützen möchte:
Spendenkonto des Fördervereines
LeuchtturmWarnemünde, Ostseesparkasse Rostock,
IBAN DE22 1305 0000 0460 0064 52
BIC NOLADE21ROS

Technische Daten

Der Leuchtturm befindet sich etwa 200 Meter vom Strand an der Westseite der Einfahrt. Es handelt sich um einen weißen runden Turm mit dunkelgrünen waagerechten Streifen und zwei Galerien. Die Höhe über dem Fundament beträgt 31 Meter. 135 Stufen führen bis zur Laterne hinauf.
Funktion: Seefeuer
erbaut: 1897/98
in Betrieb: seit Oktober 1898
Denkmalschutz: ja
Lage: an der Westseite der Warnemünder Hafeneinfahrt
geogr. Position: Breite: 54˚ 11’ N
geogr. Länge: 012˚ 05’ E
Bauwerkshöhe: 31 m
Kennung: Blz. (3+1) 24 s
Nenntragweite: 20 Seemeilen.
Feuerhöhe ü. Mittelwasser: 34 Meter
Internationale Ordnungsnr.: C 1404
Seit 1. Mai 1994 wieder besteigbar, er wird gelegentlich auch für symbolische Trauungen genutzt.

Leuchttürme des Nordens: Der Leuchtturm Buk leuchtet landesweit am höchsten über der Küste: 95,30 Meter über Mittelwasser (MW). BeimWarnemünder Leuchtturm sind es 34,25 Meter Feuerhöhe. Quelle: C. Voigt

Sabine Hügelland