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Reformation Lutherrosen und ein Apfelbaum
Thema R Reformation Lutherrosen und ein Apfelbaum
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00:01 01.11.2017
Wiebke, Swantje, Adele, Frithjof, Ulrike Schäfer-Streckenbach, Paula und Silvia Treuer (v.l.) vor der wertvollen Kanzel in der Dicken Marie.
Greifswald

Johannes Bugenhagen war mit seiner Frau Walpurga erschienen, Katharina von Bora war in edlen Samt gehüllt und las aus ihren Briefen an Luther vor. Der Erbauer der wertvollen Renaissancekanzel, Joachim Mekelenborg, war ebenfalls anwesend – genau wie die Knirpse der Kita St. Marien und der Kinderchor der Gemeinde unter Leitung von Kirchenmusikerin Silvia Treuer. Zusammen mit rund 250 Gästen feierten sie alle in der Dicken Marie ein fröhliches Reformationsfest.

Das 500. Jubiläum der Reformation wurde in der Dicken Marie fröhlich gefeiert. Im Dom predigte Michael Succow, Träger des alternativen Nobelpreises.

Jugendliche der Gemeinde verkörperten die historischen Persönlichkeiten. Sie informierten die Gäste auf Rundgängen durch die Kirche über ihr Wirken. Im Mittelpunkt stand dabei die Kanzel, auf der in den Intarsien Rosen blühen. Kunsthistorisch ist sie eine Seltenheit. Der Rostocker Kunsttischlermeister Joachim Mekelenborg hat für die Schnitz- und Holzarbeiten 60 verschiedene Holzarten verwendet, in den Bildern, Intarsien und Schriftzügen entfaltet er das reformatorische Programm. Das mache, so Pastorin Dr. Ulrike Schäfer-Streckenbach, die Kanzel so wertvoll und einzigartig.

Doch nicht nur die Kanzel zog die Besucher in den Bann: Die Kindertagesstätte St. Marien und der Kinderchor der Gemeinde sorgten bereits während des Gottesdienstes für fröhliche Stimmung. Auch die Lutherrose, das Siegel des Begründers der Reformation, fand viel Aufmerksamkeit. Die Idee zu diesem besonderen Fest sei nach Aussage von Streckenbach in Absprache zwischen Stadt, Universität, Pommerschen Landesmuseum, Stadtbibliothek und den Greifswalder Kirchen entstanden. „Jeder hat seine Vorschläge unterbreitet, aber irgendwie fehlte noch ein richtiges Fest. Dank der tatkräftigen Hilfe der ganzen Gemeinde ist es uns gelungen, einen wirklichen Höhepunkt zu schaffen“, freute sie sich. So gab es für Kinder eine Holzwerkstatt mit Tischlermeister Ulf Braun. Wer wollte, konnte auch einen eigenen Reformations-Button herstellen. Schüler des Humboldtgymnasiums präsentierten eine Ausstellung über die „Frauendarstellung damals und heute“ und die Kollwitzschule zeigte ihr Bugenhagen-Quiz.

„Was für ein gelungener Gottesdienst und ein tolles Fest“, lobte Buchhändler Jens Finger, der mit seinen Kindern Kristina (8) und Henning (6) mitfeierte. Auch der frühere OB Arthur König und seine Frau Elke waren angetan. „Die Kinder zu sehen, war eine Augenweide, besonders wenn die eigene Enkelin mitsingt“, meinten beide. Friederike Regge beschäftigte sich intensiv mit den Arbeiten der Humboldtschüler. „Die Blickwinkel der jungen Leute auf das Thema finde ich sehr gelungen“, lobte sie. Das wiederum freute Conny Rohr, die als Lehrerin das Reformationsprojekt am Gymnasium betreut hatte. Die 64-jährige Edeltraut Zersch hat in der Marienkirche einen Minijob. Gestern schenkte sie Kaffee aus und verteilte Plätzchen. Die große Resonanz auf das Fest tat ihr sichtlich gut. „Wir haben uns alle sehr bemüht, eine Atmosphäre zu schaffen, an die man sich noch lange erinnert“, sagte sie. Für Ulrike Streckenbach ist genau das eingetreten: „Unser Reformationsfest wird bei allen Beteiligten lange nachwirken“, meinte sie.

In der benachbarten Domgemeinde wurde der Reformationstag festlich begangen. An die 400 Besucher konnte Dompfarrer Matthias Gürtler im Gottesdienst begrüßen. Wie es seit vielen Jahren Tradition ist, durfte am Reformationstag ein Laie, Sachkundiger nichttheologischer Wissenschaften, von der Domkanzel sprechen. Die Wahl fiel auf Prof. Michael Succow, Träger des alternativen Nobelpreises. „Luther und seine Thesen sind ein Aufruf zur Wahrheit“, betonte er. Seine Rede widmete er dem „Umdenken und Umlenken“, einer Thematik, die heute so aktuell wie vor 500 Jahren sei. Succow, der sich seit Jahrzehnten für den Erhalt der Natur einsetzt, berichtete, dass er heutzutage ein noch viel intensiveres Vorgehen der Menschen in der Natur weltweit erlebe als zu DDR-Zeiten. Um sie für kommende Generationen zu bewahren, müsse daher umgedacht werden: „Wir müssen das Wunder der Natur als unsere Existenzgrundlage begreifen“, forderte Succow. Auch deshalb pflanzte die Domgemeinde nach dem Gottesdienst in der Rubenowstraße nahe der alten Augenklinik einen Apfelbaum.

Cornelia Meerkatz

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