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Reformation Weg der Reformation nachgezeichnet
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00:00 15.02.2017
Eine intensive Szene in Sankt Georgen: die Kriechenden haben Hunger und bekommen Almosen wie die Möwen Brotkrumen zugeworfen. Quelle: Fotos: Nicole Hollatz
Wismar

Es ist eine intensive Szene. Sechs Figuren kriechen auf dem Boden der Wismarer Sankt- Georgen-Kirche. Langsam, bedrückend. Sie kommen den drei Figuren in der Mitte des Kirchenschiffs immer näher, heben die Hände, flehend, hungernd. Ihnen wird etwas zugeworfen, ein paar Krumen wie Möwen sie von Touristen am Hafen bekommen. Die Kriechenden streiten sich ebenso.

Laiendarsteller proben in der Wismarer Georgenkirche für besondere Aufführung

Es ist eine lautlose Szenerie. Kein Wort erklingt, keine Geräusche sind zu hören. Und keine menschlichen Gesichter sind zu sehen – die Akteure tragen Großmasken. Groteske Fratzen, surreal vergrößert.

Dann ist die Szenenprobe vorbei, dann nehmen Pieter Brossog (16), einer der Kriechenden, und Christa Anni Posniak (74), eine der Werfenden, und all die anderen die Masken ab. „Man kommt ins Schwitzen und sieht kaum etwas“, erzählt Pieter. Und erklärt das Gesehene: „Wir sind in der Zeit der Renaissance, der Hungersnöte. Die Menschen würden töten, um an Essen zu kommen.“ Ein zeitloses Thema.

„Hunger, Aufstand und Krieg haben in allen Zeiten gleich ausgesehen“, beschreibt der Schüler. An die Maske hat er sich inzwischen gewöhnt, er spielt seit 2013 regelmäßig mit dem Wismarer Maskenbauer Lars Maué Theater.

Nun ist das wieder der Fall, beim bisher größten Projekt in Wismar. Seit September 2016 bereits proben mehr als 40 Laiendarsteller an diesem „Weg der Reformation“ unter dem Titel „Freiheit und Glaube“. Kinder, Jugendliche, Studenten, Erwachsene, Senioren, die unabhängig von ihrer Vorerfahrung, ihrer Konfession und ihrem sozialen Hintergrund zusammen Theater spielen.

Sie gehen den Weg der Reformation nach. Jetzt in der Probezeit mit der eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema, dann im September zur Wismarer Reformationsfestwoche mit den Gästen.

Projekte im Rahmen des 500. Reformationsjubiläums gibt es einige in Wismar. Eine thematische Stadtführung entsteht, in einer Textwerkstatt werden Aspekte der Reformation in Wismar – beispielsweise die bemerkenswerte Toleranz des Rates für Flüchtlinge aus anderen Ländern – aktualisiert. Jugendliche drehen einen Film zur Reformation heute.

Dazu das große Theaterspiel, bei dem am Ende bis zu 500 Menschen mitwirken sollen. „Die Reformation war eine Neuordnung der gesellschaftlichen Strukturen, das ist auch in der heutigen Zeit aktuell“, erzählt Maskenbauer und Theatermacher Lars Maué. Zusammen mit seiner Frau Johanna Kanka-Maué, mit Pastor Roger Thomas, Gemeindepädagogin Meike Schröder, der Kostümbildnerin Deva Wesselinov, dem Dramaturgen Sascha Mink und dem Historiker Reno Stutz gehört er zum großen Organisationsteam.

Das gemeinsame Ziel ist ein Festwochenende vom 22. bis zum 24. September 2017 mit Musik, den Theateraufführungen und einem festlichen Gottesdienst.

Bundesweit wird Jubiläum begangen

Das Jubiläum der Reformation wird in diesem Jahr bundesweit begangen.

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther, der Überlieferung nach, an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Während früher Reformationsjubiläen national und in konfessioneller Abgrenzung begangen wurden, soll das Reformationsjubiläum von Offenheit, Freiheit und Ökumene geprägt sein.

2017 wird daher nicht einfach nur das Jubiläum begangen, sondern es wird auch daran erinnert, welche Rolle die Reformation bei der Entstehung der Moderne gespielt hat.

Am 22. September um 20 Uhr findet in Sankt Nikolai Wismar der Auftakt zu „Freiheit und Glaube“ mit Musik und Texten statt. Am 23. September zwischen 14 und 21 Uhr Uhr verwandelt sich die Altstadt zur Kulisse für das Theaterspektakel. Einen Tag später, am 24. September, um 10 Uhr, folgt ein Festgottesdienst in Sankt Georgen.

Nicole Hollatz

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