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100. Jahrestag Erster Weltkrieg: Leser gehen mit der OZ auf Spurensuche

Ribnitz-Damgarten/Marlow 100. Jahrestag Erster Weltkrieg: Leser gehen mit der OZ auf Spurensuche

Im August dieses Jahres jährt sich zum 100. Male der Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

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Ribnitz-Damgarten. Im August dieses Jahres jährt sich zum 100. Male der Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Über 15 Millionen Männer starben an den Fronten, Millionen kehrten als körperliche und seelische Krüppel nach Hause zurück.

Welche Zeitzeugnisse gibt es heute noch in der Region zwischen Barth, Marlow und Ribnitz-Damgarten, die an diese Zeit erinnern? Dazu gehört unter anderem die Chronik des Damgartener Bürgermeisters Dr. Karl Anklam, die er 1916 verfasste. Im Kapitel „Kriegschronik“ geht er ausführlich auf diese Zeit ein. Nachdem auch viele Damgartener 1914 begeistert in den Krieg gezogen waren und darauf hofften, Weihnachten wieder zu Hause zu sein, wurde schon bald klar: Dieser Krieg würde länger dauern. Sorgenvoll schreibt denn auch Anklam im November 1915: „Als im vorigen Sommer das deutsche Heer in unaufhaltsamen Märschen nach Belgien und Frankreich einrückte, als später Hindenburgs Erfolge im Osten das deutsche Land befreiten, ahnten wir nicht, wie langer zäher Kleinarbeit und unendlicher Geduld es bedürfen würde, den zähen Gegner zu zermürben. Noch ist Großes zu vollenden, und auch unser kleines Städtchen hat an Gut und Blut schwere Opfer gebracht. Hoffnungsvolle Söhne, glücklich sorgende Familienväter sanken ins Grab in feindlicher Erde.“ Bereits im ersten Kriegsjahr waren es 25 Damgartener, die gefallen waren. Bis zum Ende des Krieges sollte sich ihre Zahl drastisch erhöhen.

Zu den Damgartenern, die in den Krieg ziehen mussten, aber das Glück hatten, lebend nach Hause zurückzukehren, gehörte Karl Lindblatt. Seine Tochter, Asta Schielke, sitzt im Wohnzimmer ihres Hauses in Damgarten. Auf dem Tisch vor sich hat die 77-Jährige Fotografien aus dieser Zeit zu liegen. Und ein Eisernes Kreuz zweiter Klasse. Auf einem Foto ist ihr Vater als Junge mit der Kette der Damgartener Schützengilde zu sehen. Auf einem zweiten Bild von 1914/15 trägt er Uniform. Erzählt habe er nichts vom Krieg. Sie wisse nur, dass er in Frankreich eingesetzt worden und zweimal verwundet worden sei. Einmal traf es ihn in die Lunge, dann ins Knie.

Frau Schielke erinnert sich an eine Begebenheit in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Es war bei einem der Luftangriffe auf Rostock, sie weiß heute nicht mehr, ob es der von 1942, 1943 oder 1944 war.

Der Angriff war so heftig, dass selbst in Damgarten die Erde vibrierte. Sie habe ihren Vater gefragt, was das sei. „Er hat mich nur mit angstverzehrten Augen angeschaut und bekam kein Wort über die Lippen. Ich vermute, dass er in diesem Augenblick an seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg gedacht hatte.“ Asta Schielke bedauert es, dass ihr Vater so gut wie nichts aus dieser Zeit erzählt habe. Sie selbst hat vor einiger Zeit damit begonnen, Erlebnisse und Begebenheiten aus ihrem Leben in Damgarten aufzuschreiben. „Mein 25-jähriger Enkel kam eines Tages zu mir und sagte ,Oma, schreib Deine Erinnerungen doch auf‘“. Sie habe zunächst gezögert, dann aber mit dem Schreiben begonnen, erzählt sie. Mittlerweile füllen ihre Erinnerungen viele Blätter.

Zu den Lesern, die dem Aufruf der OZ folgten und im Familienarchiv stöberten, gehört auch Elmar Koch aus Damgarten. Sein Urgroßvater Max Deutschmann wurde 1876 in Ostbrandenburg geboren und kam später als Sattlergeselle nach Marlow. Max Deutschmann diente im Eisenbahnregiment III, zunächst in Frankreich, dann im Osten. „Nicht viel aus der Zeit des Ersten Weltkrieges hat sich von ihm erhalten, ein Bild, eine Plakette und ein Brief“, erzählt Elmar Koch. Den schrieb sein Urgroßvater am 10. November 1916 an seine Tochter. „Du hast wohl schon lange auf einen Brief von mir gewartet.

Aber in Rußland geht die Post nicht alle Tage wie in Marlow, hier fährt auch kein Auto, und die Bahn ist noch nicht fertig. Daher muß ich immer so lange warten bis mal Gelegenheit zum Mitnehmen ist.“

Im weiteren schreibt er über seine Beobachtungen, die er auf dem Lande machte. Nicht ohne Anteilnahme berichtet er von Kindern, die auch bei Schnee barfuß gehen und viel zu große Kleidungsstücke tragen mussten. In Wilna beobachtete er, dass besonders die jüdischen Kinder sehr fleißig seien und fast alle Deutsch lernen würden.

 

 



Edwin Sternkiker

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Original-Dokumente zum Ersten Weltkrieg gesucht – hier ein Gemälde aus dem Propaganda-Band „Der Krieg 1914/15 in Wort und Bild“.

Die OSTSEE-ZEITUNG bringt zum Jahrestag des Sarajevo-Attentats im Juni ein Journal „100 Jahre Erster Weltkrieg“ heraus.

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