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Gute Nachricht 2017 Mit Gemälde vom Müll zur Ausstellung
Thema Specials Gute Nachricht 2017 Mit Gemälde vom Müll zur Ausstellung
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16:58 08.12.2017
Die Hamburgerin Angela Pietrzik in ihrem Atelier mit einigen ihrer Bilder. Quelle: Foto: Peter Helling
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Hamburg

Eine Vernissage mit klassischer Live-Musik und angeregten Gesprächen, in einer großen Galerie im thüringischen Suhl. Ihre farbenfrohen Werke an den Wänden – gleich 61 Stück. Nie hätte die Hamburgerin Angela Pietrzik gedacht, dass so etwas passieren könnte – an diesem Tag im August dieses Jahres, als sie frustriert ein halbfertig gemaltes, verschmiertes Bild in einen Container geschmissen hatte. Aufhören wollte sie damals mit der Kunst, endgültig. Seit Jahren hatte sie nicht mehr ausgestellt. Und dann noch diese Kühe, die – mitten beim Malen – auf sie zukamen und sie geradezu von der Weide gejagt hatten. Wie hätte sie ahnen sollen, dass genau dieser Umstand zur glücklichen Fügung werden würde? Genau so aber ist es geschehen. Wer die 81-Jährige reden hört, kann sich angesichts ihrer jugendlichen Ausstrahlung und der fröhlichen blauen Augen weder ihr Alter noch eine negative Stimmung vorstellen.

„Ich bin extra aufs Land hinter Ahrensbök zwischen Lübeck und Kiel gefahren, weil es dort so schöne Hügel gibt,“ erinnert sie sich. Und so hübsche Kühe. Zu diesen Tieren hat sie eine besondere Beziehung – geprägt durch ihre zahlreichen Reisen nach Indien. Viele Jahre lang hat sie dort sogar mehr oder weniger gelebt. Die Zeit dort hat ihren Malstil geprägt: farbintensiv, poetisch, mit zauberhafter Anmut und einem Hauch von Kandinsky und Chagall.

Atelier unter dem Dachboden verwaiste

Auch das angefangene Bild zeigt eine Kuh im typischen Pietrzik-Stil: rosa mit roten und grauen Flecken und einem recht kleinen Kopf. Doch irgendwie war die Künstlerin damals auf der Weide nicht zufrieden. Also weg mit dem missratenen Bild. Sie warf es in einen Container, in dem Holz und landwirtschaftlicher Abfall lagerte. Das Bild passte da als Symbol ganz gut hin, fand sie. Wieder zu Hause angekommen, hielt sie an ihrem Entschluss fest. Das Atelier unter dem Dachboden verwaiste, die Farben auf der Mischpalette trockneten ein.

Doch zwei Wochen später plötzlich die große Überraschung: Eine Frau klingelte an der Tür ihrer Duvenstedter Villa – in der Hand das verschmierte Bild von Angela Pietrzik. Die Dame aus Thüringen, die in der Gegend von Ahrensbök Urlaub machte, hatte es beim Stöbern aus dem Müll geklaubt und war sofort angetan – denn von Beruf ist sie Galeristin.

„Ich lege noch mal los!“

Die Malerin zu identifizieren, war nicht schwer: Angela Pietrzik schreibt auf die Rückseite jedes Bildes ihre Adresse. „Sie fragte, ob ich noch mehr Gemälde hätte“, erinnert sich die Künstlerin. Die Vernissage am 19. Oktober in Suhl sei der unerwartete Höhepunkt ihrer Laufbahn gewesen, sagt Angela Pietrzik. Mehr als 100 Gäste seien dabei gewesen. Und das Beste: „Ich lege noch mal los!“

Friederike Ulrich

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