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Bad Doberan „Ich freue mich auf den Urlaub“
Thema Specials Helfen bringt Freude Bad Doberan „Ich freue mich auf den Urlaub“
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00:01 01.12.2017
Doris (l.) und Rita leben gern in der Wohnstätte in Kirch Mulsow und beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit Handarbeit. Quelle: Fotos: Anja Levien
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Kirch Mulsow

Sie zählen schon die Tage und freuen sich darauf, wenn sie sich ins Auto setzen und zum Ostseepark nach Sievershagen fahren, um Weihnachtsgeschenke einzukaufen und essen zu gehen. Solche Ausflüge sind für die Bewohner der Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung in Kirch Mulsow etwas ganz Besonderes. Denn die 24 Männer und Frauen sind auf Betreuung angewiesen und müssen alles, was sie in ihrer Freizeit machen, von ihrem kleinen Taschengeld bezahlen. Ohne Spenden wären viele Ausflüge und Erlebnisse gar nicht möglich. Deshalb unterstützen wir in diesem Jahr mit der OZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ den Verein „Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung des Kreises Bad Doberan“, der Träger der Wohnstätte ist. Mit den Spenden soll ein Urlaub für die Bewohner finanziert werden. Nächstes Jahr soll es in die Lüneburger Heide gehen.

24 Männer und Frauen leben in der Wohnstätte der Lebenshilfe in Kirch Mulsow

Spendenkonto

Das Spendenkonto wird von der Ostseesparkasse Rostock zur Verfügung gestellt.

Empfänger: Lebenshilfe Bad Doberan

IBAN: DE60130500000202666611

BIC: NOLADE21ROS

Spendenzweck: OZ-Weihnachtsaktion Helfen bringt Freude.

Alle Spender werden mit Namen veröffentlicht. Sollten Sie dies nicht wünschen, vermerken Sie dies auf der Überweisung. Für eine Spendenquittung bitte Adresse mit angeben.

Seit 1995 gibt es die Wohnstätte. „Das war hier früher eine Schule. Die wurde komplett umgebaut“, erzählt Peter, der zusammen mit Dirk in einem Zimmer wohnt. An die Schule wurde ein Anbau gesetzt, 24 Männer und Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren leben hier in drei Wohnbereichen. Sie bekommen eine 24-Stunden-Betreuung, 365 Tage im Jahr. Langweilig wird es hier nicht. Montags wird Nordic-Walking auf dem gegenüberliegenden Sportplatz gemacht. „Sie schreiben auf die Pinnwand in ihrer Gruppe, wie viele Runden sie geschafft haben. Darauf sind sie stolz“, sagt Ingrid Hellmich, Leiterin der Wohnstätte.

„Dienstags trifft sich unsere Singegruppe, wenn die Betreuerin im Dienst ist“, erzählt Ingrid Hellmich. Das Programm werde dann beispielsweise beim Sommerfest vorgeführt. Sie seien sehr stolz, wenn sie vor ihren Eltern und Großeltern etwas zeigen können. Die Geschwister Peter und Carmen machen bei der Bauchtanzgruppe mit. „Das ist nicht schwer“, sagt Carmen.

Der Tagesablauf der Bewohner ist strukturiert. Tagsüber arbeiten sie in den Behindertenwerkstätten in Kröpelin oder Wismar. Einige kommen mittags zurück, viele um 16 Uhr. Dann wird Kaffee getrunken.

Bis zum Abendbrot kann jeder seinen Hobbys nachgehen.

Doris hat ihr Strickzeug rausgeholt und zeigt die Decke mit Eulenmotiv, die sie gestickt hat. Die 53-Jährige lebt seit 21 Jahren in der Wohnstätte. „Zurzeit sticke ich eine Weihnachtsdecke“, erzählt sie. Auch Rita holt regelmäßig Nadel und Wolle hervor. „Ich häkle Kleidung für meine Puppen“, verrät die 64-Jährige. Ihre Namensvetterin ist nur ein Jahr älter und greift in ihrer Freizeit aber eher zum Block. Diesen schreibe sie voll, sagt Rita.

Was alle Bewohner gemeinsam haben: „Sie feiern gern“, sagt Ingrid Hellmich und lacht. Dafür gibt es extra einen Clubraum. Ein Anlass finde sich immer. Ob Geburtstag, Fasching oder Weihnachten – die Daten, wann etwas stattfindet, haben die meisten im Kopf. „Am 13. Dezember haben wir draußen einen Weihnachtsmarkt“, erzählt Carmen. Dann werden die selbstgebackenen Plätzchen gegessen. Neben dem Clubraum gibt es auch einen Fitnessraum, den Doris zum Beispiel jeden Tag nutzt. Nach dem Mittagsschlaf gehe sie in dem Raum unterm Dach. „Ich fahre Ergometer“, erzählt sie. Zudem gibt es eine Leseecke, in der die Bewohner vorgelesen bekommen.

Jede Woche wird ein Tischdienst für die Mahlzeiten eingeteilt. Der ist dafür verantwortlich, dass der Tisch auf- und abgedeckt, das Essen zubereitet wird. Wurst, Käse, Brot und Gemüse wird im Erdgeschoss „eingekauft“. Björn hat sich den Korb genommen und geht mit Betreuerin Ute Linke in die Vorratskammer. Der Kühlschrank wird geöffnet und Björn sagt, was er braucht. Hinter ihm steht schon Peter, um den Wasserkasten aufzufüllen.

Jedes Jahr fahren die Betreuer mit einen Teil der Bewohner in den Urlaub, sodass jeder alle zwei Jahre eine Reise unternimmt. Im Frühjahr geht es in die Lüneburger Heide. Auch Rita ist dabei: „Ich kenne die Lüneburger Heide noch nicht und freue mich auf den Urlaub“, sagt die 65-Jährige. „Ich fahre auch mit und freue mich auf die Kutschfahrt“, erzählt Sebastian.

Übers Jahr verteilt finden auch Ausflüge zur Sommerrodelbahn oder ins Kino statt – durch Spenden ermöglicht. „Ihr Taschengeld gibt das nicht her“, sagt Ingrid Hellmich. „Ausflüge sind ganz wichtig für sie. Das erweitert ihren Erfahrungsschatz“, sagt die Wohnstättenleiterin. Bei Fahrten beispielsweise in den Ostseepark könnten sie ihre Selbstständigkeit ausprobieren. „Das genießen sie richtig.“

Das anschließende gemeinsame Abendessen werde ebenfalls aus Spenden finanziert.

„Es lebt sich gut hier“, sagt Peter. Carmen nickt und auch Nancy fühlt sich hier wohl. Die Tage bis zum Ostseepark-Besuch zählt Carmen schon. „Klar fahre ich da gern hin“, sagt sie.

Anja Levien

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