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Greifswald Die Hoffnung hat einen Namen
Thema Specials Helfen bringt Freude Greifswald Die Hoffnung hat einen Namen
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00:00 05.12.2015
Die zehnjährige Angelina Schmeller weiß, dass Professor Holger Lode alles tut, damit sie schnell wieder gesund wird. Quelle: Peter Binder
Greifswald

„Wenn uns irgendwo geholfen wird, dann in Greifswald!“ Davon war Katrin Schmeller aus Bergen auf Rügen überzeugt, als sie im Sommer die schreckliche Diagnose erfuhr: Ihre Tochter Angelina hat Leukämie. Heute kann die 37-Jährige wieder lächeln, denn ihre Zuversicht hat einen Namen: Professor Holger Lode. Der Direktor des Eltern-Kind- Zentrums der Unimedizin Greifswald und Leiter der Kinderonkologie behandelt seit August die Zehnjährige. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass Angelina bald wieder gesund ist. Die Werte des Mädchens zeigen, dass unsere Therapie gut angeschlagen hat“, sagt er. Dann fügt er hinzu: „Bist ein tapferes Mädchen“, und klopft der Kleinen anerkennend auf die Schulter.

Angelina freut sich über das Lob, auch wenn es ihr gestern nicht sonderlich gut ging. Das neue Medikament zeigt noch Nebenwirkungen: Erbrechen, Mattigkeit. Doch sie weiß, dass es ohne die Medizin nichts wird mit dem Gesundwerden. Deshalb kämpft sie weiter und lenkt sich mit ihren beiden Plüschtieren Bobeline und Schlappi ab, die selbstverständlich bei der Behandlung dabei sind.

„Professor Lode hilft so vielen Kindern. Ein Segen, dass er in Greifswald ist“, findet Angelinas Mama. Und nicht nur sie, denn alljährlich kommen ungefähr 40 neue Kinder in Lodes Sprechstunde, die an Krebs erkrankt sind. 20 davon leiden an einem Neuroblastom. Der Kinderonkologe hat sich weltweit einen Namen gemacht, er ist einer der anerkanntesten Spezialisten für die Behandlung dieser aggressiven Krebsform. Außer in Greifswald werden Neuroblastome bei Kindern nur noch in London, Paris und Genua behandelt. Holger Lode hat außerdem die Stammzelltherapie in Greifswald wieder neu installiert und neue Transplantationsverfahren entwickelt. Im zur Kinderonkologie gehörenden Forschungslabor wurden diese vorher umfangreich getestet.

Aus aller Welt kommen Eltern mit ihren kranken Kindern nach Greifswald, um sich von ihm behandeln zu lassen. „Wir hatten schon Patienten aus den USA, Australien, Israel, Singapur und natürlich allen europäischen Ländern und Russland“, berichtet der 48-Jährige. Auf dem Flur der Kinderonkologie kommen sich Ärzte und Schwestern deshalb manchmal vor wie auf einem internationalen Flughafen, so vielfältig sind die Sprachen. „Wir versuchen bei jedem Patienten das Mögliche, aber wir können nicht zaubern“, sagt der angesehene Kinderonkologe und macht deutlich, dass leider nicht jedes Kind überlebt. „Natürlich sind die Heilungschancen heutzutage viel größer als noch vor 30 Jahren. Damals war Krebs im Kindesalter das Todesurteil. Heute werden 90 Prozent der kleinen Leukämiepatienten wieder gesund. Beim Neuroblastom sind es immerhin schon über 30 Prozent", erläutert er.

Der Mediziner weiß mit seinem Team um die riesige Hoffnung, die Eltern immer wieder in sie setzen. Jedesmal versuchen sie, den Kampf gegen die tückische Krankheit zu gewinnen, versuchen bei Rückschlägen andere Therapien. Doch manchmal stoßen sie auch an ihre Grenzen. Zu wissen, dass man nicht mehr helfen könne und das Kind sterben werde, sei immer belastend. Da bedürfe es eines Ausgleichs zum Beruf, weiß Lode. Deshalb nimmt er jährlich an zwei großen Marathonläufen teil. „Und ich bin meiner Frau zuliebe ein eifriger Tänzer geworden“, bekennt er.

Damit noch mehr Kinder mit einer Krebsdiagnose wieder gesund werden, forscht Lode — selbst zweifacher Familienvater — unermüdlich weiter und trägt den Ruf der Greifswalder Unimedizin in alle Welt. In dieser Woche erst kam er aus Singapur zurück, in der kommenden Woche reist er nach Japan. An beiden Standorten soll er mithelfen, ein ähnliches kinderonkologisches Zentrum wie in Greifswald zu errichten.

„Die Behandlung bei Krebs im Kindesalter dauert wenigstens sechs bis neun Monate. Deshalb ist ein Elternhaus enorm wichtig. Eltern und Geschwister brauchen vom Klinikalltag einen Rückzugsort“, sagt der Professor und freut sich über die vielen Spenden der OZ-Leser für die Einrichtung des neuen Elternhauses in der Makarenkostraße. Dass ihm mit dem Kinderkrebsverein so engagierte Helfer zur Seite stehen, ist einer der Gründe, warum er sich seit 2009 in der Hansestadt so wohl fühlt.

Wieder viele Spenden
Greifswald Das Spendenkonto der OZ-Weihnachtsaktion ist weiter gewachsen. Dazu trugen bei: Cindy und Peter Wilkewitz (20 Euro), Inge und Rainer Toletzki (20), Gabriele und Willi Müller (100), Monika und Jörg Prochnow (100), Doreen Koitzsch (250), Kati Landsberg (20), Annekatrin und Axel Piebe (50), Dr. Anne Wilke (50), Ute Morgenstern (30), Jürgen Gaedtke (20), Helga Buss (10), Brigitte Wetzel (50), Astrid und Wolf-Dieter Pechstein (20), Karola und Kurt Wessel (10), Traudi und Gerhard Niebergall (20), Christel Schulz (10), Petra Wasnick (20), Margit und Olaf Schmidt (50), Ingrid Ihlenburg (30), Dr. Manfred Boelter (50), Karin Awe (10), Sarina und Michael Sponholz (35), Jutta Hartwig (20), Erika Grothmann (100), Wolfgang Steffen (10), Marianne Rupp (25), Renate und Martin Frank (20), Brita und Friedhelm Heinzelmann (30), Gudrun Krüger (50), Frieda und Horst Glanz (20), Dorothea Kosmala (10). Allen Spendern herzlichen Dank!
Die Greifswalder Kinderonkologie

10 von 100 000 Kindern erkranken an Krebs. Die häufigsten Krebserkrankungen sind Leukämien, gefolgt von Hirntumoren und Lymphomen.
Verhältnismäßig häufig sind auch das Neuroblastom und das Nephroblastom.
200 000 Euro und mehr kostet die Behandlung eines krebskranken Kindes.
3 spezialisierte Kinderonkologen, eine Ärztin in Weiterbildung zur Kinderonkologin, zwei Assistenzärzte, 16 Schwestern, davon drei auf Kinderonkologie spezialisierte, zwei Kräfte in der Dokumentation und eine im diagnostischen Labor arbeiten in der Greifswalder Kinderonkologie . Im Forschungslabor arbeiten vier Wissenschaftler und mehrere Doktoranden.



Cornelia Meerkatz