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Greifswald Eine Familie in Zuversicht: Mit Merle wird alles gut
Thema Specials Helfen bringt Freude Greifswald Eine Familie in Zuversicht: Mit Merle wird alles gut
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00:01 09.12.2017
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Katzow

Der Sonnenschein im Leben von Nicole G. und Reiko Lawitzke heißt Merle. Wenn ihre dreijährige Tochter durch die Wohnung krabbelt, lacht und erzählt – dann geht ihnen und den Geschwistern Tim (12) und Leandra (9) sowie Lukas (18) und Jonas (16) das Herz auf. Denn fast wäre Merle nicht mehr bei ihnen. Im Alter von zehn Monaten hatte das kleine Mädchen einen schlimmen Unfall, der das Leben der Patchwork-Familie von einem Tag auf den anderen aus den Fugen geraten ließ.

Die kleine Merle ist der Sonnenschein von Mama Nicole und Papa Reiko. Auch ihre Geschwister Leandra und Tim lieben sie, genau wie Familienhund Xenia. Quelle: Foto: Cornelia Meerkatz
„„Zu sehen, wie Merle Fortschritte in ihrer Entwicklung macht, ist für uns alle im Verein wunderschön. Dafür lohnt sich jeder Einsatz.“Katy Lorenschat, Koordinatorin

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Merle musste nach dem Unfall reanimiert und danach ins künstliche Koma versetzt werden. Die Neonatologen und Kinderneurologen der Universitätsmedizin Greifswald bemühten sich nach allen Kräften um die Kleine und holten sie ins Leben zurück. Besonders Prof. Matthias Heckmann, Chef der Greifswalder Neonatologie, gab alles. „Sie ist eine Kämpfernatur“, hatte er schon damals festgestellt – und sollte Recht behalten. Über ein Jahr waren Mama Nicole und Merle in einem neurologischen Rehazentrum in Brandenburg an der Havel. „Sie hatte nach dem Unfall sozusagen auf Null zurückgefahren und musste alles wieder lernen“, erinnert sich die dreifache Mutter. Auch in der Reha überzeugte die kleine Merle alle mit ihrem Willen, zurück ins Leben zu finden.

So ist es bis heute geblieben. Über den Unfall wollen die Eltern Nicole und Reiko nicht mehr öffentlich sprechen, ihre Devise heißt „Nach vorn schauen“. Und dazu haben die 37-Jährige und ihr 42

Jahre alter Partner allen Grund. Merle entwickelt sich wunderbar. Sie spielt mit ihren Legobausteinen, liebt ihr weißes Spielzeugauto, trinkt allein und isst jetzt auch allein, sie malt und sie spricht. „Seit einem Vierteljahr plappert sie. Wir verstehen jedes Wort. Es wird mit jedem Tag deutlicher, inzwischen kann sie schon kleine Sätze. Und sie versteht alles, was wir ihr sagen“, berichtet die Mutter. Dabei werde deutlich, dass das Mädchen durchaus auch seinen eigenen Kopf durchsetzen wolle ...

Merle liebt wie ihre Geschwister auch Tiere. Davon gibt es auf dem Grundstück und Hof der Familie genug: Da ist Xenia, die Maremmano-Hündin, die gerade sechs Welpen geboren hat. Da sind Hühner, Kaninchen und Tauben. Und auch mehrere Pferde sowie Rinder sind vorhanden. „Merle mag gern auf dem Pony reiten, wie die Schwester“, sagt Vater Reiko. Die Eltern und Großeltern unternehmen alles, was Merle gut tut. Immer mit dabei ist ihr kleines Plüsch-Schäfchen, das sie Heija nennt. „Das Schäfchen haben ihr die Schwestern auf der Intensivstation während des Komas ins Bettchen gelegt. Seitdem gibt sie es nicht mehr her“, erzählt die Mutter. Da sie und ihr Mann voll berufstätig sind – Nicole arbeitet in einem landwirtschaftlichen Betrieb, Reiko in einem privaten Handwerksbetrieb – fahren Oma und Opa vier Mal pro Woche mit Merle zur Physiotherapie und Logopädie nach Greifswald. Sie mache große Fortschritte. Auch Laufen werde geübt, damit sie es hoffentlich bald allein kann.

In der schweren Zeit nach dem Unfall war es eine Bekannte, die Nicole und Reiko den Kontakt zum Kinderhospizverein vermittelte, denn sie arbeitet dort selbst ehrenamtlich mit. „Wir waren froh über diese Hilfe, besonders bei amtlichen Dingen. Sie kam so von Herzen“, sagt die junge Mutter. Auch in die Reha sei Koordinatorin Katy Lorenschat gekommen. Das habe überzeugt. Jetzt freuen sich alle auf den Urlaub, der mit Hilfe der OZ-Weihnachtsaktion im kommenden Jahr durch den Kinderhospizverein organisiert wird. „Wir waren noch nie weg“, so die Eltern.

Merle besucht seit wenigen Wochen die integrative DRK-Kita „Anne Frank“ in Wolgast und fühlt sich bei den Kindern wohl. Auch zu Hause wird sie liebevoll von Bruder und Schwester umsorgt. Nach Merles Zukunft befragt, atmet Mama Nicole tief durch: „Es wird alles gut werden, aber es wird lange dauern. Das habe ich intuitiv gespürt, als meine Tochter damals im Koma lag und nichts mehr konnte.“ Dann lächelt sie. Und die kleine Merle hebt wie auf Kommando den linken Daumen nach oben. Das heißt: Spitze! So wird es sein!

Cornelia Meerkatz

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