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Rostock Helfer sortieren tonnenweise Lebensmittel
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00:05 02.12.2017
Holger Berndt (v.l.), Madeleine Florkowski und Nadja Ebert, Mitarbeiter der Rostocker Tafel, sammeln, sortieren und liefern täglich Lebensmittel für Bedürftige. Quelle: Foto: Ove Arscholl
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Marienehe

Wenn die Klingel schrill läutet, wissen die Helfer sofort Bescheid: Es kommt eine neue Ladung. Für die Sortierer bei der Tafel heißt das, dass es neue Arbeit gibt. Täglich bis auf sonntags werden im Hauptsitz in Marienehe sechs bis acht Tonnen Lebensmittel sortiert.

Angela Seidel steht im „Mopro“-Bereich. Hier werden vor allem Milch- und Molkereiprodukte überprüft. Sie kontrolliert das Datum bei einer Riege Sahne-Joghurt. „Wenn es abgelaufen ist, wird es entsorgt“, erklärt sie. Die süßen Joghurts legt sie in eine Kiste, die noch heute Nachmittag für die Abholer der Tafel bereitgestellt wird. „Am Dienstag kommen durchschnittlich 82 Bürger nach Dierkow, 67 nach Evershagen und 38 in die Möllner Straße“, liest die 58-Jährige von einem Zettel ab. 17 Ausgaben an 14 Stellen gibt es in Rostock in der Woche. Ein wichtiges Angebot. Daher soll der Erlös der diesjährigen OZ-Weihnachtsaktion der Tafel zugute kommen. Diese will ihr Angebot in der Südstadt ausbauen, braucht neue Fahrzeuge und will allen Kindern in der Hansestadt eine Freude zum Weihnachtsfest bereiten. Dafür bittet die OZ in diesem Jahr ihre Leser um Spenden. Jeden Tag werden drei Ausgaben beliefert.

„Was wir aus den Märkten holen, wird erst sortiert und dann gleich verteilt“, sagt Beate Kopke, Leiterin der Tafel in Rostock. Außer Norma würden alle Märkte in der Hansestadt ihre übriggebliebenen Lebensmittel an die Tafel spenden. Angela Seidel aus der Südstadt ist als Ein-Euro-Jobber zur Tafel gekommen. „Abgeholt habe ich hier nie etwas, ich habe immer geholfen.“ Mittlerweile arbeitet sie zwei Mal in der Woche bei der Sortierung – ehrenamtlich. „Für mich ist es eine Bestätigung, dass ich arbeiten kann und möchte“, sagt sie motiviert. Dabei ist ihre Aufgabe bei weitem nicht einfach.

Wenn eine Kiste mit Lebensmittel einmal zu schwer ist, müssen das Helfer wie Angela Seidel jedoch nicht allein tragen. „Wir helfen uns hier alle gegenseitig“, sagt sie lächelnd.

„Das ist richtig harte Arbeit“, bestätigt auch Beate Kopka mit Respekt in ihrer Stimme. Ab und zu hilft die Chefin selbst bei der Sortierung aus und weiß genau, wovon sie spricht. „Andere machen es täglich, das könnte ich gar nicht.“ Rund 170 Freiwillige kümmern sich darum, dass das Konzept der Tafel funktionieren kann. „Ohne Ehrenamtliche wären wir aufgeschmissen“, betont die Leiterin. Für Angela Seidel von der „Mopro“ ist klar: „Ich mache hier weiter, so lang ich darf.“ Auch Beate Kopka ist von ihrer Arbeit überzeugt: „Ich kann auch nicht mehr ohne Tafel“, sagt sie lachend.

Seit dem 1. Juli hilft Karoline Sommer in dieser Abteilung als Ein-Euro-Jobberin aus. Als gelernte Gärtnerin fühlt sie sich hier zu Hause. „Es ist eine Erleichterung, anderen zu helfen. Und das trotz Krankheit.“ Denn die erst 28-Jährige aus Groß Klein hat einen dreifachen Bandscheibenvorfall. „Ich darf maximal 7,5 Kilogramm heben. Jeder Tag ist eine Anstrengung.“ Sie bekommt beim Tragen der Kisten oft Hilfe. „Jeder arbeitet hier, wie er es schafft.“ Denn sie weiß, bei der Tafel hat eigentlich jeder sein Päckchen zu tragen. Es gibt Helfer, die sich erst noch integrieren müssen, Menschen, die keine Arbeit finden oder eben die, die körperliche Einschränkungen haben. Umso wichtiger sei es, den Mitarbeitern, hier etwas zurückzugeben. Am Nachmittag sind die angelieferten sechs bis acht Tonnen Lebensmittel sortiert. Weniger als ein Drittel davon kann aufgrund mangelnder Qualität nicht an die Abholer verteilt werden. „Diesen Rest kann der Bauer zum Teil noch als Tierfutter nutzen“, erklärt Beate Kopka. Täglich würde er rund 1,5 bis 2,5 Tonnen Reste abholen.

Die vorsortierten Lebensmittel für die Abholer sind nicht nur genießbar, sondern einwandfrei. Gegen 15 Uhr wird es je nach Ausgabestelle bereitgestellt. „Alles muss verteilt werden“, sagt Beate Kopka. Sollten doch einmal nach der Ausgabe Kleinigkeiten übrigbleiben, landen diese jedoch nicht auf dem Müll. „Wir haben eine Kooperation mit der Organisation Food Sharing, die dann die Reste bei uns abholen kann.“

Spendenkonto

Helfen bringt Freude:

Bitte spenden Sie auf das Konto der Rostocker Tafel gGmbH (IBAN: DE20 1305 0000 0201 0835 15) bei der Ostsee-Sparkasse unter dem Verwendungszweck „Spende: OZ-Weihnachtsaktion“.

Alle Spender erhalten bei Bedarf eine Spendenquittung und werden in der OSTSEE-ZEITUNG veröffentlicht. Wenn Sie dies nicht wünschen, vermerken Sie dies bitte auf der Überweisung.

Johanna Hegermann

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