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Rostock Reden, Lachen und Essen verteilen
Thema Specials Helfen bringt Freude Rostock Reden, Lachen und Essen verteilen
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00:00 09.12.2017
Helferin Silvia Gau (r.) überreicht Brote an Barbara Steinmüller. Quelle: Fotos: André Wornowski
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Stadtmitte

Für einige mag es eine Delikatesse sein. Doch hier will es kein Mensch essen: Gefüllte Zucchini? „Nein, danke“, sagt ein 79-Jähriger. Ihm reichen Gemüse, Wurst und ein Heringssalat. Rüdiger Meißner lacht. „Die gefüllten Zucchinis haben wir das erste Mal im Angebot. Aber die will keiner haben, weil die Leute hier das nicht kennen“, sagt der ehrenamtliche Helfer von der Rostocker Tafel. Vor ihm türmt sich auch das Fladenbrot. „Das ist ebenfalls immer das Gleiche“, sagt er.

Erlös der OZ-Spendenaktion kommt Rostocker Tafel zugute. Ausgabestellen ermöglichen auch soziale Kontakte.

Meißner weiß, wie die Menschen hier ticken. Er verteilt seit 20 Jahren in der Ausgabestelle in der Innenstadt Lebensmittel an Bedürftige. „Ich habe das hier mit aufgebaut“, sagt er. Im Laufe der Zeit sei die Ausgabestelle immer weiter gewachsen – wegen der steigenden Nachfrage. „Früher war die Bedürftigkeit noch nicht so groß wie heute“, sagt Meißner. Auch Helferin Silvia Gau erinnert sich:

„Wir haben ganz klein angefangen. Inzwischen hat sich das verdoppelt“, sagt die 60-Jährige.

17 Ausgaben in Rostock

Rund 120 Bedürftige können sich in der Michaeliskirche einmal pro Woche Lebensmittel holen. Durchschnittlich 60 nutzen das Angebot. „Viele trauen sich nicht, her zukommen – aus falscher Scham“, sagt ein 59 Jahre alter Stammgast.

Insgesamt betreibt die Rostocker Tafel 17 Ausgaben an 14 Stellen in der Stadt. Es ist ein wichtiges Angebot. Daher soll der Erlös der diesjährigen OZ-Weihnachtsaktion der Tafel zugute kommen. Diese will ihr Angebot in der Südstadt ausbauen, braucht neue Fahrzeuge und will allen Kindern in der Hansestadt eine Freude zum Weihnachtsfest bereiten. Dafür bittet die OZ in diesem Jahr ihre Leser um Spenden.

Alleinerziehende in Not

Brot, Obst und Gemüse, aber auch Blumen, Joghurts und Nudeln werden in der Michaeliskirche verteilt. Die Bedürftigen werden in Zehnergruppen eingelassen – nach einem Rotationsprinzip. „Wer heute zuerst dran war, ist beim nächsten Mal Letzter“, sagt Frank Hammer, Leiter der Ausgabestelle. Nur so haben alle die gleiche Chance. Denn beliebte Waren, wie Fleischsalat und Äpfel, sind rasch vergriffen.

Zu den acht Mitarbeitern der Ausgabestelle gehört Renate Günther. Sie ist Filialleiterin bei Tchibo und packt jede Woche mit an. „Es herrscht hier eine gewisse Vertrautheit. Die Menschen freuen sich, dass wir da sind“, sagt die 48-Jährige. Und wenn sie mal krank oder im Urlaub gewesen sei, werde sie gleich gefragt, wo sie denn gewesen sei. Seit sieben Jahren ist Günther nun schon dabei. In dieser Zeit habe sich das Publikum gewandelt: „Es kommen immer mehr Rentner zu uns, die ein Leben lang gearbeitet haben, aber sich jetzt ihr Brot hier holen müssen“, sagt die ehrenamtliche Helferin. Auch die Zahl der Alleinerziehenden und geringfügig Beschäftigten steige.

Bedürftige loben Flair

Die Bedürftigen loben das Flair in der Ausgabestelle. „Jeder kennt hier jeden. Für mich ist das auch Unterhaltung: Ich komme mit Kumpels und Damen ins Gespräch“, sagt ein 79-Jähriger, der früher Seemann war. „Jeden Donnerstag ist hier Kaffeeklatsch.“ Das sei eine gute Möglichkeit zum Flirten und zum Lachen, ergänzt ein 59-Jähriger. Für Barbara Steinmüller lohnt sich schon allein der Weg zur Ausgabe: „Ich nutze das immer als Spaziergang“, sagt die 64-Jährige. Die Lebensmittel bringt sie dann mit einem Einkaufstrolley nach Hause. Einen weitere Anreise hat hingegen eine Rentnerin aus der Südstadt. „Ich muss durch die ganze Stadt gondeln. Das ist nicht schön“, sagt sie. Eine neue Ausgabestelle in ihrem Stadtteil sei unbedingt notwendig.

Selbst ehemalige Helfer kommen immer wieder gern: So wie Renate Friebe (76). „Ich habe mich hier 20 Jahre lang engagiert. Es war eine schöne Zeit. Aber weil meine Gesundheit nicht mehr mitspielte, musste ich loslassen“, sagt sie. Nun freue sie sich, dass sie weiter „einfach dabei sein darf“.

Das Spendenkonto

Helfen bringt Freude: Bitte spenden Sie auf das Konto der Rostocker Tafel gGmbH (IBAN:

DE20 1305 0000 0201 0835 15) bei der OstseeSparkasse unter dem Verwendungszweck „Spende: OZ-Weihnachtsaktion“.

Alle Spender erhalten bei Bedarf eine Spendenquittung und werden in der OZ veröffentlicht. Sollten Sie eine Veröffentlichung nicht wünschen, vermerken Sie dies auf der Überweisung.

André Wornowski

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