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Usedom „Ich kenne jedes unserer Kinder“
Thema Specials Helfen bringt Freude Usedom „Ich kenne jedes unserer Kinder“
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12:48 05.12.2017
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Sauzin

Die vielfältigen Geschäfte des Albert-Schweitzer-Familienwerkes in Mecklenburg-Vorpommern führt seit dem Jahr 2009 Inka Peters (38) aus Sauzin auf Usedom. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit ihr über Verantwortung, professionelle Hilfe und darüber, wie wichtig feste Regeln und Werte im Leben sind.

Inka Peters führt die Geschäfte des Albert-Schweitzer-Familienwerkes MV in Wolgast. Quelle: Foto: St. Adler

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OZ: Ihre Zuständigkeit betrifft mehr als drei Dutzend Mitarbeiter und momentan 45 Kinder und Jugendliche. Eine Mammutaufgabe. . .

Inka Peters: Ich manage das ja nicht allein. Zwar bin ich so etwas wie die Entscheiderin, aber ich habe tolle Kollegen: Pädagogen, Erzieher, Sozialarbeiter, Hauswirtschaftskräfte. Und mit Anika Hauschild bilden wir ein gutes Doppel. Sie kümmert sich um Steuern, Arbeitssicherheit, Öffentlichkeit, sämtliche wirtschaftlichen und finanziellen Aspekte. Ich bin die Netzwerkerin und auch durchaus ein bisschen kreativ.

Wie behalten Sie die Bindung an die eigentliche Arbeit?

Indem ich eigentlich jeden Tag in ein, zwei Einrichtungen bin. Um einschätzen zu können, ob die Arbeit fachlich wirklich gut läuft, brauche ich auch Hintergrund. Nächstes Jahr mache ich deshalb eine Weiterbildung zum Thema „Trauerpädagogik“ in Berlin, stets am Wochenende übrigens. Ich muss ja trotz externer Fallbesprechungen meine Mitarbeiter gut beraten können.

Kennen Sie eigentlich alle Kinder und Jugendlichen im Werk?

Ja, egal ob sie zwei oder 18 sind. Und zwar mit ihrem jeweiligen familiären Hintergrund. Das muss sein, finde ich jedenfalls.

Sie setzen auf das Familienwirkungsprinzip. Was heißt das genau?

Wir sind überzeugt, dass Normen, Werte und Rollen in den Familien erlernt und weitergereicht werden. Wenn Kinder aus haltlosen Strukturen zu uns kommen, leben wir ihnen in familienanalogen Gemeinschaften vor, wie es gehen kann. Im besten Fall finden sie bei uns eine neue Heimat und lernen das.

Sie übernehmen aber auch Verantwortung für „schwierige“ Jungs?

Ja, das ist eine besondere Herausforderung. Sie brauchen einen sehr verbindlichen Tages- und Schulablauf. Sie brauchen Regeln und Kontrolle. Andererseits leben sie auf beim Sport, insbesondere beim wöchentlichen Schwimmen, im Jugendklub oder in der Fahrradwerkstatt.

Gibt es auch Misserfolge?

Vieles gelingt, aber es gibt auch Rückschläge. Jungs, die weglaufen, die versuchen, dem Regelwerk zu entfliehen, in ihrer alten Clique. Ausbruch ist aber immer ein Zeichen von Verzweiflung.

Was tun sie, wenn Sie solche Informationen bekommen?

Ich bin immer in Bereitschaft, die Polizei wird informiert, meist die sorgeberechtigten Eltern, das Jugendamt. Und wir prüfen alle Umstände, überlegen, wie wir die Situation meistern können.

Was tun, wenn der „Ausbrecher“ zurückkommt?

Oft geschieht das in einem schlechten Zustand, übermüdet, erschöpft. Dann heißt es erst mal essen, duschen und schlafen. Danach wird ihm aber auch deutlich gemacht, dass solches Handeln Konsequenzen hat. Ab einem bestimmten Punkt werden Alternativen besprochen: Aufenthalte in einer Klinik oder in anderen Einrichtungen.

Sind Alkohol und Drogen ein Problem?

Im Familienwerk sind sie absolut tabu. Außerhalb natürlich schon.

Was tun Sie selbst als Ausgleich?

Haus und Hof halten mich auf Trab. Mein Partner und mein Sohn Wilhelm und meine gesamte Familie sind mein ganz wichtiger Rückhalt. Und dann natürlich gute Freunde.

Helfen eigentlich auch eigene Krisen, Kinder besser zu verstehen?

Na klar, wenn man mal vom Leben so richtig durchgeschüttelt wird, kann das behilflich sein. Mir ging es vor ein paar Jahren so.

Interview von Steffen Adler

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