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Wismar Ein Leben mit dem Buchstabensalat
Thema Specials Helfen bringt Freude Wismar Ein Leben mit dem Buchstabensalat
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00:05 11.12.2017
Juliane (13) aus Wismar ist ein fröhliches Mädchen. Sie leidet an Legasthenie. Quelle: Foto: Kerstin Schröder
Wismar

Ben-buch-sta-la-sat! Buchstabensalat? Wenn Juliane einen Text liest, dann springen vor ihren Augen oft die Buchstaben durcheinander. Die 13-jährige Wismarerin leidet unter Legasthenie, einer Lese-Rechtschreib-Schwäche – kurz LRS genannt. Doch Juliane hat ein Ziel: Sie möchte später als Pastorin arbeiten. Deshalb liest sie soviel sie kann. Jeden Tag einen Zeitungsartikel und nach den Schulaufgaben noch in einem Buch. „Ich lese immer laut vor, damit ich höre, ob ich die Wörter auch richtig ausspreche“, erzählt sie. Und in den vergangenen Monaten haben sich ihre sprachlichen Fähigkeiten deutlich verbessert. Dass ist auch dem Verein „Licht am Horizont“ zu verdanken. Der hat Geld für eine Therapie zur Verfügung gestellt.

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Spendenkonten

90

Veranstaltungen organisiert der Verein „Licht am Horizont“ in diesem Jahr für Kinder aus

Wismar und der

Umgebung, denen es nicht so gut geht, weil sie schwer krank oder behindert sind oder weil ihre Eltern nicht so viel verdienen. An manchen Veranstaltungen

nehmen mehr als

200 Kinder teil.

„Wir möchten, dass Kinder ihre Berufswünsche verwirklichen können“, sagt der Vereinsvorsitzende Norbert Gelhart. Als er Juliane kennenlernte, wollte sie noch Erzieherin werden. Dieser Wunsch hat sich nun geändert. „Aber das man sich mehrmals umentscheidet, ist in dem Alter doch normal“, lacht er. Wichtig sei nur, das Mädchen beim Lernen zu unterstützen – egal, ob sie Pastorin, Erzieherin oder etwas ganz anderes werden will.

Juliane ist ein fröhliches Mädchen und fleißig. Diszipliniert liest sie jeden Tag. In der Therapie – die mehrere Monate einmal wöchentlich stattgefunden hat – hat sie zunächst mit zwei weiteren Mädchen gelernt, später mit drei Mitstreiterinnen. Dabei standen unter anderem Wortspiele wie „Ich packe meinen Koffer und nehme mit...“ im Mittelpunkt. Ein Gegenstand nach dem anderen landet im Koffer und muss sich gemerkt werden. „Unsere Gegenstände mussten aber den gleichen Anfangsbuchstaben haben“, erzählt Juliane. Sie ist gerne zur Therapie gegangen, hat nie geschwänzt. Die Kosten hat der Verein „Licht am Horizont“ übernommen. Denn Juliane lebt in der Wohngruppe „Wellenreiter“ und und das vorhandene Budget reicht für solche Therapien nicht.

„In der 5. und 6. Klasse habe ich wegen meiner LRS Extra-Unterricht in der Schule bekommen, aber das hat nicht viel gebracht“, erinnert sich das Mädchen. Die spezielle Therapie habe geholfen, leider ist die Praxis aber vor kurzem geschlossen worden. Und in der Nähe gäbe es kein weiteres Angebot. Deshalb liest und spricht Juliane nun so viel wie sie kann in ihrem Zuhause in der Wohngruppe – zurzeit die Geschichten vom Zauberlehrling Harry Potter. In ihrer Freizeit engagiert sie sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Friedenshof und geht zum Konfirmanden-Unterricht. Schließlich will sie Pastorin werden. Getauft ist sie seit dem Sommer. „Ich wurde mit meinen Eltern und Brüdern zusammen getauft, das war ein schönes Erlebnis“, erzählt sie.

Bis zu fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland fällt das Lesen- und Schreibenlernen unendlich schwer. Sie kämpfen mit den Buchstaben, die wie verhext durcheinandertanzen, sich nicht zusammenfügen und einfach keinen Sinn ergeben wollen. Obwohl sie nicht dümmer oder klüger sind als andere Kinder, haben sie große Schwierigkeiten damit, Buchstaben richtig zu unterscheiden und zusammenzusetzen.

Sie lesen sehr langsam, verlieren im Text häufig die Zeile, lassen Wörter aus, verdrehen sie oder fügen neue hinzu. Auch das Abschreiben von der Tafel oder aus einem Buch fällt ihnen schwer, und etwas Gelesenes wiederzugeben bereitet ihnen ebenfalls Probleme. Das mag in den ersten zwei Schuljahren noch zu verkraften sein. Doch dann folgen Schwierigkeiten in allen anderen Fächern, allen voran die Fremdsprachen.

Damit Kinder wie Juliane weiterhin unterstützt werden können, sammelt die OSTSEE-ZEITUNG bis Weihnachten Geld für den Verein „Licht am Horizont“. Der organisiert das ganze Jahr über 90 Veranstaltungen – Ausflüge, Feste und Weiterbildungen – für kranke und behinderte Kinder und Kinder aus Familien mit geringem Einkommen. Außerdem wird eine Reise nach Berlin finanziert – für zehn besonders bedürftige Kinder – wie der 13-jährigen Samantha aus Wismar. Das Mädchen würde so gern mal eine Großstadt erleben – und zwar mit anderen Kindern. Da sie an einer schweren, unheilbaren Muskelkrankheit leidet, kann sie nur liegend transportiert werden und braucht außerdem die ständige Betreuung von Ärzten. Das ist teuer, deshalb konnte Samantha bisher noch niemals verreisen. Der Verein unterstützt auch den Sozialdienst katholischer Frauen und will ihn mit Lebensmittelgutscheinen beschenken.

Der Kontostand der Spendenaktion steht inzwischen bei mehr als 7600 Euro. Nur noch zwei Wochen wird für den guten Zweck gesammelt. Gespendet haben auch Helga Wilszynski (20

Euro), Carmen Fischer-Lau und Mathiass Lau (50 Euro) und Madlyn Hampel (20 Euro).

Kerstin Schröder

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