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Gegenwart Rostock – Hauptstadt der Deutschen Marine
Thema Specials OZ-Jubiläum Gegenwart Rostock – Hauptstadt der Deutschen Marine
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00:00 13.05.2017
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Rostock

Wer hätte das 1989/90 gedacht? Die DDR war in Auflösung begriffen und mit ihr die Volksmarine. Hoffnungen der Matrosen, dass einige der Boote und Schiffe vielleicht in die damalige Bundesmarine übernommen werden könnten, zerschlugen sich schnell. Alle Einheiten wurden verschrottet oder verkauft. Die Zukunft der Marine in der Ostsee schien gerade angesichts des vermeintlich nahenden Weltfriedens ungewiss.

Andreas Krause,

Inspekteur der Marine

FOTO:

FRANK SÖLLNER

Doch 20 Jahre später sah es auf einmal ganz anders aus: Das Bundesverteidigungsministerium beschloss, Rostock zur neuen Hauptstadt der Deutschen Marine zu machen. Die Hansekaserne wurde zum Sitz des Marinekommandos und damit des Inspekteurs der Marine, dem Befehlshaber der Seestreitkräfte. Gleichzeitig wurden im Rostocker Marinestützpunkt Hohe Düne die damals modernsten Boote der Marine, die Korvetten, stationiert.

Und das mit dem Weltfrieden hat auch nicht so ganz geklappt. Vor allem der Konflikt in der Ukraine führt dazu, dass die Marine heute nach einer langen Schrumpfkur wieder ausgebaut werden soll. „Heute ist die Lage der Deutschen Marine eine ganz andere als noch vor einem Jahr“, sagt Vizeadmiral Andreas Krause, der aktuelle Inspekteur der Marine. „Erstmals seit über 25 Jahren wächst die Marine wieder: Im Sommer bekommen wir die erste von vier Fregatten der Klasse 125, die mit ihren innovativen Personalkonzepten eine neue Ära in der Marine einläuten wird.“

Von den Korvetten sollen fünf weitere angeschafft werden. „Wir brauchen diese fünf Schiffe dringend“, betont Krause. Zudem erhält die Marine zwei neue U-Boote, 18 Marinehubschrauber, das Mehrzweckkampfschiff MKS 180 sowie mehr Personal. „Das alles bedeutet Wachstum, Modernität und Attraktivität. Heute ist die Marine im Aufbruch“, sagt der Inspekteur.

Und auch die Bedeutung des Standorts Rostock wird künftig noch zunehmen. Für das Jahr 2020 ist der Umzug des Maritimen Operationszentrums (MOC) von Glücksburg in die Hansestadt geplant. Das Gebäude entsteht derzeit für knapp 70 Millionen Euro auf dem Gelände des Marinekommandos. Im MOC werden alle Bewegungen der Schiffe, Boote, Hubschrauber und Flugzeuge der Deutschen Marine koordiniert.

„Wir sind wie die Spinne im Netz“, beschreibt MOC-Gruppenleiter Günther Fritz die Arbeit seiner Dienststelle. „Als Informationsdrehscheibe führen wir die Einheiten in den Ständigen Einsatzverbänden der Nato, im Ausbildungsbetrieb und bei Übungen und liefern das Lagebild für den Inspekteur der Marine.“

Zudem ist das MOC auch die Rettungsleitstelle für die Sea-King-Hubschrauber der Marine. „Dabei unterstützen wir bei einem Unfall das Havariekommando in Cuxhaven und arbeiten eng mit der zivilen Maritimen Rettungsleitstelle in Bremen und der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zusammen“, erklärt Fritz.

24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr ist das MOC im Dienst. Im Standardbetrieb verfolgen die Mitarbeiter 15 bis 20 Marineeinheiten im und unter Wasser sowie in der Luft.

Axel Büssem

Kleinste Teilstreitkraft

16 088 Soldaten leisten derzeit bei der Deutschen Marine ihren Dienst. Damit ist die Marine die kleinste Teilstreitkraft der Bundeswehr.

Geführt wird sie vom Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause. Er untersteht der Bundesverteidigungsministerin. Sitz des Marinekommandos ist Rostock.

Zu den Einheiten der Marine zählen derzeit zehn Fregatten, fünf Korvetten und sechs U-Boote. Hinzu kommen 19 Hilfsschiffe, 43 Hubschrauber und zehn Aufklärungsflugzeuge. Die letzten Schnellboote wurden im vergangenen Jahr im Stützpunkt Hohe Düne außer Dienst gestellt. Hohe Düne und die Marinetechnikschule Parow bei Stralsund sind die einzigen Marinestandorte im Osten.

Insgesamt hat die Marine elf Standorte an Nord- und Ostsee.

Die Korvetten der „Braunschweig“-Klasse (auch K 130) wurden zwischen 2008 und 2013 in Dienst gestellt. Sie sollten die Schnellboote ablösen und weitere Aufgaben übernehmen. Derzeit laufen die Verhandlungen über den Bau fünf weiterer Korvetten, es herrscht aber Uneinigkeit über den Preis.

OZ

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