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Vincents Reise ins Glück

Bergen Vincents Reise ins Glück

Nach schwerer Krankheit wollte der Junge (10) aus Bayern ans Meer / Rügener OZ-Leser halfen, seinen Traum zu erfüllen

Durch die Hilfsbereitschaft der Rüganer konnte Familie Stübinger aus Bayern ihrem Sohn Vincent (r.) nach einer schweren Gehirnoperation eine schöne Zeit auf Rügen ermöglichen. Unter anderem eine Fahrt mit dem Rasenden Roland.

Quelle: Foto: Uwe Driest

Bergen. Es war ein Versprechen, das Gritt Stübinger alleine kaum hätte einlösen können – die Reise mit ihrem Sohn auf die Insel Rügen. Ihr Sohn Vincent lag im vergangenen Oktober im Krankenhaus und erholte sich von einer achteinhalbstündigen Operation, bei der dem Zehnjährigen ein Gehirntumor entfernt wurde. „Am Krankenbett habe ich ihm von meinen früheren Reisen auf die Insel erzählt“, berichtet Mutter Gritt Stübinger. Das habe ihm so gefallen, dass er unbedingt dorthin wollte.

Die Verkäuferin aus Schliersee (Bayern) fasste sich ein Herz und versprach ihm trotz finanzieller Engpässe eine Reise nach Rügen, obwohl die Krankenkasse eine Reha an der Ostsee abgelehnt hatte.

„Leider kann ich nur in Teilzeit als Verkäuferin arbeiten, mein Mann Klaus hat durch die Fehltage, die durch die Krankheit von Vincent immer wieder anfielen, seine Arbeit verloren.“

Also musste sich Gritt Stübinger anders behelfen. „Ein Arbeitskollege meinte, ich soll zur Zeitung gehen und dort meine Geschichte erzählen“, sagt die 35-Jährige. Sie habe dann die OSTSEE-ZEITUNG kontaktiert. „Die Redakteure waren total einfühlsam und haben einen Bericht geschrieben. Dadurch kam die Spendenaktion zustande.“

Die Rüganer waren von der Geschichte gerührt, eine Welle der Hilfsbereitschaft schwappte über die Insel. Mehr als 2000 Euro landeten nach nur einem Tag auf dem Spendenkonto. Etliche Freizeitangebote, Essenseinladungen und Übernachtungsmöglichkeiten erreichten die Lokalredaktion. „Es war der Wahnsinn, was die OZ da in der kurzen Zeit auf die Beine gestellt hat“, betont die Mutter. Eine Woche nach dem Interview trat die Familie die Reise an. „Wir mussten uns fast zerreißen, um die Angebote alle wahrzunehmen. Geschafft haben wir es leider nicht.“

Am besten hätten Vincent der Besuch bei der Binzer Feuerwehr und die Traktorfahrt auf Ummanz gefallen. „Aber wir fanden eigentlich alles toll“, sagt die 35-Jährige. Auch ihr Mann genoss die Zeit auf der Insel: „Ein Urlaub in dieser Form wäre gar nicht drin gewesen. Die Herzlichkeit der Rüganer hat uns wirklich umgehauen“, erzählt Klaus Stübinger.

Im Juni reist die Familie nach Stralsund und nimmt dort eine Einladung des Hotels Scheelehof wahr. „Da freuen wir uns wahnsinnig drauf“, sagt die Verkäuferin. Die Aktion der OZ und die Hilfsbereitschaft der Rüganer haben die Familie dazu bewogen, einen Neuanfang zu wagen: „Im August ziehen wir nach Mecklenburg-Vorpommern. In Bayern erinnert uns alles an die schwere Zeit mit Vincent.“ Die neue Heimat wird eine Wohnung in der alten Molkerei in Gingst auf Rügen. „Wir haben den Besitzer in den Ferien kennengelernt, da hat er uns die Wohnung angeboten“, erklärt Gritt Stübinger. Vincent wird das Leben auf der Insel genießen können, von seiner Krankheit hat er sich fast vollständig erholt.

Tobias Bruns

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