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Gegenwart Vom Fass zum Haus: 25 Jahre Scanhaus Marlow
Thema Specials OZ-Jubiläum Gegenwart Vom Fass zum Haus: 25 Jahre Scanhaus Marlow
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00:00 13.05.2017
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Marlow

Die Villa der Familie Kossow in Marlow steht heute jedermann offen: Im gleichnamigen Restaurant kann der Gast essen und trinken, wo früher der Fassfabrikant Carl Kossow mit seiner Familie lebte. Das Restaurant gehört zum Komplex des Recknitztal-Hotels, in dem unter anderem die Kunden übernachten, die kaufen, womit die Nachfahren Kossows heute deutschlandweit bekannt sind: Fertighäuser der Marke Scanhaus Marlow. Eine Erfolgsgeschichte made in MV – von Anfang an begleitet durch die OSTSEE-ZEITUNG.

Der heutige Besitzer der Villa und des gesamten Unternehmens ist Kossows Ururenkel, Friedemann Kunz. Stolz zeigt er Fotos vom damaligen Wohnzimmer: „Die Anrichte steht heute bei mir in Schweden und der Sessel hier bei mir zu Hause.“ Nur der alte Deckenleuchter aus Hirschgeweihen hängt noch in der Villa.

Dass Kunz die Familientradition hochhält, zeigt sich auch im Foyer des Verwaltungsgebäudes von Scanhaus, direkt gegenüber dem Hotel. Zwei alte Fässer umrahmen das Bild des Ahnen. Doch mit Fässern hat Scanhaus heute nur noch das Ausgangsmaterial gemeinsam: Auf der Grundlage von Holz bauen 60 Mitarbeiter in der Produktion heute pro Jahr fast 700 Fertighäuser. Insgesamt hat Scanhaus mehr als 600 Mitarbeiter.

Der Weg von Scanhaus zur größten Einzelmarke auf dem deutschen Fertighausmarkt ließ sich während der vergangenen 25 Jahre in der OZ nachlesen. „Die Zeitung hat immer objektiv über uns berichtet

– positiv wie negativ“, würdigt Kunz die Berichterstattung. Gut erinnert er sich an den ersten großen Artikel über sich aus dem Jahr 1996. „Noch nie wurden mir die Worte im Mund umgedreht, wie ich es bei anderen Zeitungen erlebt habe. Es ist wichtig, dass man in so einem kleinen Bundesland gut zusammenarbeitet – in alter hanseatischer Tradition.“

Neben den vielen positiven Berichten über das stetige Wachstum von Scanhaus waren durchaus auch kritische Artikel zu lesen: 2014 berichtete die OZ über einen Kunden in Kühlungsborn, der mit seinem Haus nicht zufrieden war, weil sich schon nach wenigen Jahren Schäden zeigten. „Es war für mich legitim, so zu berichten. Wir bekamen die Möglichkeit, unsere Sicht darzulegen, und so kamen beide Seiten zu Wort“, erinnert sich Kunz. Auch Negativschlagzeilen brachten ihn jedenfalls nicht dazu, sein tägliches Ritual zu ändern: „Wenn ich morgens ins Büro komme, trinke ich als Erstes einen Becher Kaffee und lese dazu die OSTSEE-ZEITUNG.“

In seinem früheren Leben ging das nicht: Friedemann Kunz wuchs in Schweden auf, wo er mit Büromaterial handelte. „Ich bin ein Kaufmann, ich könnte kein Haus bauen“, betont er und zieht die Parallele zu seinem Vorfahr: „Robert Kossow war auch kein Handwerker. Aber er erkannte damals den Bedarf an Fässern für Butter und Heringe.“

Und so habe auch er selbst nach der Wende bei seinen Besuchen in Ostdeutschland festgestellt, dass ein Bedarf an hochwertigen Häusern zu erschwinglichen Preisen bestand. So entstand sein Vorhaben, den 1953 in der DDR enteigneten und in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelten Familienbetrieb wieder zu übernehmen.

Auch die Villa der Familie Kossow beanspruchte Kunz zurück, schon mit dem Plan, dort ein Hotel vor allem für die Fertighaus-Kunden unterzubringen. „Wir mussten es grundsanieren, ein Jahr später wäre es zusammengebrochen“, glaubt er. Heute ist neben Hotel und Restaurant in dem Komplex auch noch eine Brauerei untergebracht.

Den Sprung über die Ostsee bereut er nicht: „So ein Unternehmen hätte ich in Schweden niemals aufbauen wollen“, meint Kunz. „Hier in Mecklenburg-Vorpommern verstehen die Menschen, dass ein Unternehmen Geld verdienen muss, sonst kann es keine Löhne zahlen oder in die Zukunft investieren.“ Die Zusammenarbeit mit Land, Kreis und der Stadt Marlow sei immer hervorragend gewesen. Dabei sei die Randlage von Mecklenburg-Vorpommern innerhalb Deutschlands kein Standortnachteil: „Meine Fahrer sind in 15 Minuten auf der Autobahn, auf der nur wenig Verkehr ist.“

Das einzige Ärgernis sieht Kunz beim zweiten Standbein seiner Firma, der Investition in Immobilien, vor allem in Rostock und Warnemünde: „Ich habe das Gefühl, dass manche Behörden gegen uns arbeiten.“ So dauere es teilweise länger als ein Jahr, bis eine Baugenehmigung erteilt werde. „Ich möchte gerne investieren, aber mir werden Steine in den Weg gelegt.“

So groß, dass er darüber stolpern würde, sind die Steine aber offenbar nicht: „Wir werden auch weiterhin ausschließlich in Marlow produzieren und das Maximum aus dem Standort herausholen“, betont Kunz. 750 Häuser wären das pro Jahr. „Aber das wollen wir erst mal halten.“

Häuser wie vom Fließband

700 Fertighäuser baut Scanhaus Marlow inzwischen pro Jahr. Als Firmengründer Friedemann Kunz das Projekt vor 25 Jahren der Stadtverwaltung präsentierte, hatte er noch in Aussicht gestellt, eines pro Woche bauen zu wollen. 60 Beschäftigte arbeiten in Marlow in der Produktion, insgesamt hat Scanhaus rund 700 Mitarbeiter. Scanhaus ist als Einzelmarke deutscher Marktführer bei Fertighäusern.

Axel Büssem

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