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Gegenwart Vom Rollfilm bis zum Fotochip
Thema Specials OZ-Jubiläum Gegenwart Vom Rollfilm bis zum Fotochip
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01:20 13.05.2017
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Rostock

1965 begann ich als Bildreporter bei der OZ. Fotografiert wurde damals bei der OZ ausschließlich mit den in der DDR hergestellten Spiegelreflexkameras für das Kleinbildformat Exakta Varex und Praktica sowie mit der Pentacon Six für den sechs mal sechs Negativfilm. Diese schwere Kamera mit ihren lichtstarken Zusatzobjektiven zählte lange Zeit zu den in der Pressearbeit bewährten Apparaten. Sie war jedoch sehr reparaturanfällig.

Rainer Schulz (74) war

OZ-Bildreporter und Ressortchef.

FOTO:

WERNER GESKE

Überraschend erhielt die OZ Ende der 1960er Jahre dann eine japanische Kleinbildkamera Marke Asahi Pentax, die über einen Motorantrieb verfügte. Sie war leicht und zuverlässig. Ich habe diese Technik viele Jahre genutzt. Vor allem bei Sportveranstaltungen, bei denen es oft darauf ankam, den Moment festzuhalten, tat sie hervorragende Dienste.

Anlass für diesen unverhofften Neuerwerb war aber wohl die alljährliche internationale Ostseewoche. Auf ihr waren stets die Führungsspitzen der SED und der DDR-Regierung, wie Walter Ulbricht und Erich Honecker, vertreten. Sie zeigten sich in den Julitagen außer auf der Ostseemesse auch in Betrieben und Einrichtungen der Region. Dabei wollten die Funktionäre natürlich mit Hilfe von Bildern ins rechte Licht gesetzt werden, und die sollten mit hochwertigen Kameras geschossen werden. Dank dieser verfügten wir nun nicht nur über bessere Apparate, auch das Fotolabor war quasi völlig neu eingerichtet worden. Das stand allerdings im Gegensatz zur Situation in den meisten Lokalredaktionen, in denen Redakteure und Fotografen die Filme noch in sogenannten Triplex-Dose entwickeln mussten.

Für die Filmbearbeitung in der Rostocker Zentrale sorgten während der normalen Dienstzeiten unsere Laboranten. Oft jedoch mussten wir Fotografen, wenn wir von Spätterminen kamen, selbst in die Dunkelkammer.

Verwendet wurden gerne hochempfindliche ORWO- Filme, denn oft fanden wir in Werkhallen, Stallanlagen, Sporthallen oder beim Flutlicht des Ostseestadions keine guten Lichtverhältnisse vor. Mit einem Blitzgerät ließen sich Räume solcher Größe natürlich nicht ausleuchten.

Der frühe Redaktionsschluss setzte uns Fotoreporter bei aktuellen Terminen oft unter starken Zeitdruck. Ich erinnere mich dabei unter anderem an den Besuch des kubanischen Staatspräsidenten Fidel Castro im Juni 1972 in Rostock und auch an die Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes in Lubmin im Jahre 1974. Um die belichteten Filme schnell nach Rostock zu bringen, übergaben wir sie an Kurierfahrer.

So konnten wir weiter vor Ort bleiben. In Erinnerung geblieben sind mir ebenso die Messepokal-Spiele des FC Hansa Rostock gegen OGC Nizza und AC Mailand (beide 1968) sowie Inter Mailand (1969). Damit sich Aufnahmen davon am nächsten Morgen auf der OZ-Titelseite wiederfanden, durfte ich nur 20 Minuten im Ostseestadion bleiben. Denn weitere 40 Minuten waren im Labor notwendig, um die Bilder zu entwickeln. Eile war geboten, denn die Druckerei wartete. Ein Kollege blieb aber im Stadion und verfolgte das Spiel weiter mit der Kamera.

Heute ist das kaum noch vorstellbar. Aber bei Ereignissen wie der Leipziger Messe, den Kinder- und Jugend-Spartakiaden der DDR oder auch den Zentralen Turn- und Sportfesten in Leipzig schickten wir unsere Filme zusammen mit den Textinformationen abends per Bahnpost nach Rostock. Unterstützung gab es hin und wieder auch durch persönliche Kuriere. So brachte Jürgen Rohde, Handballtorhüter des SC Empor Rostock, meine Filme vom Europa-Pokalspiel gegen ZSKA Moskau aus der sowjetischen Hauptstadt in die OZ-Redaktion. Mit unserem Sportredakteur blieb ich noch vier Tage länger, um über die Vorbereitung der Olympischen Sommerspiele in Moskau 1980 zu berichten.

Nach 1990 verbesserte sich die in der OZ eingesetzte Fototechnik gravierend. Zwei robuste Kameras gehörten nun zur Standardausrüstung eines jeden OZ-Bildreporters. Dazu zwei Zoom- und ein gutes Weitwinkel-Objektiv, Blitzlicht mit Schwenkreflektor, Winder oder Motorantrieb. Wir Bildredakteure fotografierten inzwischen mit Nikon-Kameras. Auch das Filmmaterial hatte eine ganz andere Qualität als zu DDR-Zeiten, so dass wir selbst bei sehr schlechtem Licht die Fotos schießen konnten.

Bis weit in die 1990er Jahre fotografierten wir ausschließlich schwarz-weiß, weil die Zeitung ja auch noch ohne Farbe gedruckt wurde. Doch dann hielten Colorbilder Einzug bei der OSTSEE-ZEITUNG. Das Fotoressort erhielt deshalb ein völlig neu eingerichtetes Labor mit Entwicklungs-Automaten. Das brachte die dringend benötigten Schnelligkeitsvorteile, denn mehr denn je waren jetzt aktuelle Bilder gewünscht und notwendig, um auf dem Zeitungsmarkt bestehen zu können.

Die digitale Zeit brach für uns Fotoreporter im Jahre 1998 an. Das herkömmliche Fotolabor war damit Geschichte, und Laboranten waren nun eine aussterbende Spezies. Zuerst erhielten wir mit der Nikon D1 und der Canon hochwertige digitale Kameras. Wie schnell konnten nun die Fotomotive am Bildschirm begutachtet werden!

Längst sind alle OZ-Redakteure in der Lage, einen digitalen Fotoapparat zu bedienen und die Bilder in den Computer einzulesen. Im Einsatz sind neuerdings sogar Drohnen, mit deren Hilfe sich ganz neue und attraktive Foto-Möglichkeiten aus der Luft erschließen.

Auch Filme können die Redakteure mit den digitalen Spiegelreflexkameras drehen. Aus den Aufnahmen entstehen Videobeiträge für die Internetseite der OZ oder Kurznachrichten für das neue Format OZ-TV (www.ostsee-zeitung.de/oz-tv). Dank Smartphones und Tablets können die Reporter inzwischen vom Ort des Geschehens Videos live ins Internet übertragen und Fotos hochladen. Gerade im Bereich der Online-Berichterstattung bekommen die mobilen Geräte eine immer größere Bedeutung.

Rainer Schulz

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