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„Wir bringen Heimat“

„Wir bringen Heimat“

Chefredakteur Andreas Ebel im Interview über Anspruch und Perspektiven der OZ

Das Herz immer bei unseren Lesern: Chefredakteur Andreas Ebel (Mitte) am Rostocker Newsdesk der OZ – mit Produktionsredakteurin Katharina Ahlers (l.), Simone Hamann, Chefin vom Dienst, und Jan-Peter Schröder, Chef vom Dienst.

Quelle: Foto: Frank Söllner

Die OZ feiert ihren 65. Geburtstag, sieht aber deutlich jünger aus. Gute Kosmetik? Oder denkt bei Ihnen einfach keiner an die Rente?

Andreas Ebel: (Lacht) Nix mit Rente. Die OZ ist gut aufgestellt für die Zukunft. Wir haben uns im Laufe der Jahre immer wieder neu erfunden, weiter entwickelt, ohne uns untreu zu werden. Die OZ wird nie verrentet.

Aber sind nicht viele Leser auch schon im etwas reiferen Alter?

Ebel: Bei unserer gedruckten Ausgabe ja. Unsere Leser sind sehr anspruchsvoll, was Inhalte und das Erscheinungsbild der OZ angeht. Dem tragen wir Rechnung. Die Leser unserer digitalen Ausgabe sind viel jünger.

Gibt es den typischen OZ-Leser? Welches Bild haben Sie, welches Modell hat die Redaktion?

Ebel: D e n  typischen OZ-Leser gibt es nicht. Wir machen die OZ für einen Querschnitt der Bevölkerung. Alle finden interessante Texte bei uns. Die Reinigungskraft, der Landwirt, der Universitätsprofessor.

Was tut die OSTSEE-ZEITUNG, um jüngere Leser zu gewinnen?

Ebel: Wir bauen unsere digitalen Informationsangebote aus. Auch jüngere Leser wollen Informationen aus ihren Wohnorten und aus dem Land. Aber nicht nur gedruckt auf Papier, sondern auch aufs Smartphone und gerne mit zusätzlichen Videoangeboten. Wir haben im Internet neben der OZ als digitale Zeitung unser Fußballportal „Sportbuzzer“, unser Reiseportal „Reisereporter“, eine OZ-Nachrichtensendung, unsere App und vieles mehr. Die OZ ist heute viel mehr als vor zehn, zwanzig und vor 65 Jahren.

Manchmal scheint es aber, als würden junge Leute, die „Generation Smartphone“, gar nichts Gedrucktes mehr lesen. Wie geht die OZ damit um?

Ebel: Dem stellen wir uns. Wir wollen nicht umerziehen, sondern entwickeln Medien, die die jungen Leser haben wollen. Aber natürlich versuchen wir auch, die Faszination des bedruckten Papiers, des Lesens mit dem haptischen Erlebnis, weiterzugeben. Da arbeiten wir eng mit Schulen und Universitäten zusammen.

Seit einigen Jahren gehört die OSTSEE- ZEITUNG – ebenso wie etwa die Leipziger Volkszeitung, die Märkische Allgemeine Zeitung in Potsdam oder die Lübecker Nachrichten – zur Madsack Mediengruppe. Wie wirkt sich das auf die OZ aus?

Ebel: Für die OZ und damit ihre Leser ist das ein großer Gewinn. Starke Zeitungen bündeln ihre Kräfte, um das Angebot zu verbessern. Die 100 Redakteure und 40 freien Journalisten der OSTSEE-ZEITUNG kümmern sich um die Themen in den Städten und Gemeinden und um Mecklenburg-Vorpommern. Die überregionalen Inhalte, wie die Berichte aus den USA, Russland oder der Bundespolitik, kommen hintergründig recherchiert und top aufbereitet vom RedaktionsNetzwerk Deutschland, in dem die Madsack-Tageszeitungen kooperieren.

Wenn Politik und Leitartikel täglich vom RedaktionsNetzwerk Deutschland kommen, leidet darunter nicht die Meinungsvielfalt?

Ebel: Im Gegenteil. Im RND schlägt das publizistische Herz der Madsack Mediengruppe, die ein traditionsreiches und zugleich modernes Zeitungsunternehmen ist. Früher haben wir auf den Politik-Seiten der OZ sehr oft Texte der Nachrichtenagenturen gedruckt, die alle Zeitungen und auch TV-Sender nutzen. Das hat wenig mit Vielfalt zu tun. Heute betrachten unsere Kollegen vom RND die Themen aus einer anderen Perspektive, holen noch weitere Expertenmeinungen ein und fragen nach den Folgen für die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen.

Angesichts der jüngsten Debatten um Fake News und Lügenpresse – was ist aus Ihrer Sicht das Wichtigste für eine moderne Zeitungsredaktion?

Ebel: Sie ist menschlich, kritisch, neugierig, kompetent, modern und hinterfragt alles – immer der Wahrheit auf der Spur. Heute ist die unabhängige und freie Presse wichtiger denn je. Sie leitet die Menschen durch eine immer komplexer werdende Welt und überprüft Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt.

Gegründet wurde die OZ als Organ der Bezirksleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, war bis 1989 also ein regionales Parteiblatt, „kollektiver Propagandist und Agitator“, wie es damals hieß. Spielt diese Vergangenheit heute – 27 Jahre nach der Wiedervereinigung – noch eine Rolle?

Ebel: Ja. Es ist unsere Geschichte, zu der wir stehen. Uns ist bewusst, dass die OSTSEE-ZEITUNG in ihrem ersten Leben die Stimme der Partei und damit des Staates war. Ellenlange Parteitagsreden wurden abgedruckt, Kritiker am Staatssystem kamen nicht zu Wort. Das hatte nichts mit Meinungsfreiheit und Journalismus zu tun. Wir wissen, dass die OZ mit Republikflüchtlingen und Opfern der Enteignungsaktionen nicht zimperlich umgegangen ist, sie als Staatsfeinde beschimpfte.

Doch eines galt schon damals: die Verbundenheit zur Heimat. Die letzte Seite der OZ war früher die Lokalseite. Auf ihr gab es oft guten Lokaljournalismus, oft frei von politischer Agitation.

Für welche Werte steht die OSTSEE-ZEITUNG heute?

Ebel: Heimatverbundenheit, Menschlichkeit. Aber auch kritische Distanz zur Macht in Politik und Wirtschaft. Wir sind auch Ratgeber für unsere Leser in jeder Lebenslage und bieten ein besonderes Erlebnis. Beim Lesen, aber auch mit den zahlreichen, hochwertigen Veranstaltungen, die wir in unseren Redaktionsstandorten zwischen Grevesmühlen, Rostock und Usedom anbieten.

Was bedeutet das übersetzt in journalistische Kriterien?

Ebel: Kritisch, hart in der Sache aber fair – und das Herz immer bei unseren Lesern. Wir berichten über die Themen, die unsere Leser bewegen. In der gedruckten OZ, aber auch in unseren Internet-Angeboten. Daraus leitet sich auch unser hoher Serviceanspruch her. Wir erklären, was sich in der Pflege verändert, vergleichen Schulen und Kitas, stellen die besten Gesundheitsangebote in unserer Region vor und sagen, was am Wochenende in unseren Städten und Gemeinden los ist.

Sie möchten jemandem, der die OZ noch nicht kennt, ein Abo verkaufen. Was sagen Sie ihm oder ihr?

Ebel: Glück in Mecklenburg-Vorpommern geht nur mit der OZ. Was gibt es Besseres, als morgens bestens informiert und gut gelaunt in den Tag zu starten? Ich zum Beispiel kann mir gar nicht vorstellen, ohne Zeitungslektüre aus dem Haus zu gehen. Und das geht auch unterwegs mit unserem E-Papier oder der Mobil-App.

Wo sehen Sie die OSTSEE-ZEITUNG in zehn Jahren?

Ebel: Sie wird ihre Meinungsführerschaft in Mecklenburg-Vorpommern ausgebaut haben. Ein starkes Wachstum erlebt die OZ mit ihren digitalen Angeboten.

Und in 65?

Ebel: ... übertragen wir unsere Informationen direkt in die Herzen und Gehirne unserer Leser. Unsere Informationen werden immer gefragt sein, nur die Ausgabemedien entwickeln sich weiter – und in 65 Jahren wird die OZ wieder kräftig mit ihren Lesern und Kunden feiern. Den 130. Geburtstag.

Interview: Jan-Peter Schröder

OZ

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