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„Die Schere im Kopf hat immer funktioniert“

Bad Doberan „Die Schere im Kopf hat immer funktioniert“

Der Bad Doberaner Volker Thüne (75) war 25 Jahre lang OZ-Volkskorrespondent

Bad Doberan. Volker Thüne zieht ein kleines Stück Papier aus dem Schreibtisch, das aussieht wie eine Karteikarte. „Damit konnte ich mich als Volkskorrespondent der Ostsee-Zeitung ausweisen“, erklärt der 75-Jährige. Der Ausweis mit der Nummer sechs ist eine Erinnerung an gut 25 Jahre Mitarbeit als „Vk“ in der Bad Doberaner OZ-Lokalausgabe. „Diese Tätigkeit hat mir viel Freude bereitet, manche Anerkennung eingebracht, hin und wieder auch mal Ärger. So wie das Leben halt ist“, schaut er zurück.

 

OZ-Bild

Volker Thüne mit dem Ausweis als Volkskorrespondent der OZ in Bad Doberan

Quelle: Foto: Werner Geske

Es ist im August 1961, genau zu jener Zeit, als in Berlin die Mauer gebaut wird. Volker Thüne, damals eben 20, ist gerade zur Kur in Heiligendamm. „Ich bin am Rande des Harzes geboren, doch die Ostseeküste gefiel mir schon damals so sehr, dass ich meinen Kuraufenthalt nutzte, um mich nach einer Arbeitsstelle in Bad Doberan umzuschauen, zumal andere Wege ja nun plötzlich versperrt waren“, erzählt er augenzwinkernd. Die Jobsuche führt schnell zum Erfolg. Thüne, gelernter Uhrmacher und Handelskaufmann, heuert bei der Handelsorganisation (HO) an. Schon einen Monat später ist er Leiter einer Verkaufsstelle. „Der jüngste bei der HO“, setzt er hinzu.

Seine Tätigkeit als Vk beginnt gut drei Jahre darauf. Hans Marquardt, Leiter der Lokalredaktion, lässt ihn zunächst über das innerbetriebliche Leben der HO im Kreis berichten. „Planerfüllung, Ehrungen, Beratungen – so das Übliche“, umschreibt Volker Thüne seine journalistischen Anfänge. Gerne werden schon damals seine Berichte gelesen, in denen er Konsum- und Nahrungsgüter vorstellt, die in HO-Läden angeboten werden. „Der Witz daran war nur, dass es sie ja meist gar nicht in ausreichender Menge gab“, benennt er den Pferdefuß. Kein Wunder, dass diese Art Berichterstattung bald der Vergangenheit angehört.

Dafür wird anderes für ihn neu und reizvoll. So die Rolle des Berichterstatters, als in seinem damaligen Wohnort in Kühlungsborn die erste Meeresschwimmhalle der DDR entsteht. „Vom ersten Spatenstich bis zur Eröffnung 1972 war ich als Chronist dabei“, sagt er.

Auch unter Berichten von Kulturveranstaltungen, Geschäftseröffnungen oder Bauarbeiten steht sein Name. Er ist ein Korrespondent, dem die Redaktion gerne Aufträge übergibt, weil sie seine Vielseitigkeit und seine „gute Schreibe“zu schätzen weiß. Doch nicht alles, was er notiert und fotografiert, fand einen Platz auf der Lokalseite: „Als es in den 70er Jahren zu Unfällen mit der Kleinbahn ,Molli’ kam, durfte ich darüber nichts schreiben, obwohl ich vor Ort gewesen war.“ An solch einer „negativen Berichterstattung“ hat die Redaktion kein Interesse.

„Ich griff oft kritische Themen auf, die sich mit Handel und Versorgung, Ordnung und Sauberkeit und ähnlichen Dingen befassten, und habe damit auch einiges positiv verändern können“, sagt Volker Thüne. Doch an den Grundfesten rüttelt auch er nie: „Die Schere im Kopf hat immer funktioniert. Ich wusste sowieso, worüber ich schreiben durfte und worüber nicht.“

Mit der Wende haben andere Dinge für Thüne Vorrang. Er eröffnet in der Bad Doberaner Mollistraße ein Geschäft, das heute Sohn Bernhard führt. Nur noch einmal, als es um die Privatisierung der HO geht, schreibt Volker Thüne einen Artikel für die OZ: „Allerdings unter Pseudonym. Die Sache war nämlich sehr heiß!“

Werner Geske

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