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Greifswald Per Los nach Osnabrück

Wie die OZ in der Wendezeit 45 Greifswalder in die Partnerstadt brachte

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OZ-Redakteur Reinhard Amler mit einer Ausgabe der Osnabrücker Nachrichten vom November 1989, in der über einen Besuch von Greifswaldern in der Partnerstadt berichtet wird.

Quelle: Foto: Werner Geske

Greifswald. in der DDR und Osnabrück in der Bundesrepublik schließen 1988 eine Städtepartnerschaft. Für viele Bewohner der vorpommerschen Hansestadt ist klar, dass aus dieser Kooperation vor allem Partei- und Staatsfunktionäre Kapital schlagen. Dass die Zusammenarbeit nur knapp ein Jahr später allen Greifswaldern zum Vorteil gereichen könnte, ahnt zu diesem Zeitpunkt niemand. Und dennoch ist es so, als am 9. November die Mauer fällt. Bereits wenige Tage später, am 25. November, sitzen 45 Greifswalder in einem Reisebus und fahren nach „drüben“.

Ihr Ziel: Osnabrück. Die Fahrt wird durch die Greifswalder OZ-Lokalredaktion mitorganisiert. Initiator ist allerdings ein westdeutsches Blatt, die „Osnabrücker Nachrichten“.

„Plötzlich klingelte das Telefon, und der Redaktionsleiter machte ein unerwartetes Angebot“, erinnert sich Reinhard Amler (60), damals Leiter der Greifswalder OZ-Lokalredaktion. Die Osnabrücker wollen einen Bus chartern und damit nach Greifswald kommen. Der OZ-Lokalredaktion obliegt es nun, 45 Leser auszumachen, die in die Stadt nördlich des Teutoburger Waldes mitfahren sollen. Für sie werde ein abwechslungsreiches Programm organisiert – Empfang im Rathaus inklusive, heißt es aus Osnabrück.

Doch wie soll man die 45 Personen gerecht auswählen? Die Redaktion kommt auf die Idee: „Wir verlosen die Plätze!“ Und so informiert wenige Tage später ein kleiner Beitrag auf der Lokalseite über das Vorhaben. Interessenten können sich nun unter dem Stichwort „Osnabrück“ für die Tour bewerben.

„Die Resonanz war überwältigend“, staunt Amler noch heute. Denn die Post schüttet die Redaktion mit Postkarten fast zu. „Wir zählten über 4500 Zuschriften.“ Im Rathausfoyer werden dann die Reiseteilnehmer öffentlich gezogen. Das ist auch für die Glücksfee, eine junge Frau, keine leichte Aufgabe. Immer wieder mischt sie alle Einsendungen durch, kehrt das Unterste nach oben. Schließlich stehen die Gewinner fest – und deren Namen tags darauf in der OSTSEE-ZEITUNG.

Reinhard Amler geht am Morgen des 25. November mit auf Reisen, um über diese deutsch-deutsche Begegnung zu berichten. „Wir wurden ungemein herzlich empfangen“, sagt er. Besonders in Erinnerung blieb ihm und seinen Mitreisenden ein Empfang bei der Osnabrücker Oberbürgermeisterin Ursula Flick. Der findet in jenem Saal statt, in dem 1648 der Westfälische Frieden geschlossen wurde, der den Dreißigjährigen Krieg beendete.

Abends sitzen Greifswalder und Osnabrücker gemütlich beieinander. Zu erzählen gibt es viel, denn Arbeit und Leben in beiden Staaten sind doch sehr unterschiedlich. Zuversichtlich stimmt beide Seiten die Entdeckung, dass sie einander längst nicht so fremd sind, wie vorher vielleicht vermutet. Viele Freundschaften werden geschlossen, manche halten bis heute. Und mancher hat auch die Lokalseite aufbewahrt, auf der Reinhard Amler über diese außergewöhnliche Reise mitten in der Wendezeit berichtete.

Werner Geske

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