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22:56 25.01.2018
Zeitgemäße Versicherungen müssen flexibel, mobil verfügbar und individuell auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten sein, finden die Hepster-Chefs Alex Hornung, Christian Range und Hanna Bachmann (v.l.) Quelle: Hepster
Rostock

Ihr Job bringt Alex Hornung (39) und Christian Range (39) oft in Erklärungsnot. Sagen sie, sie leiten ein Insuretec-Startup, weiß jeder Zweite nicht, was das sein soll. Hört das Gegenüber, dass die Beiden mit Versicherungen (wie unsexy) zu tun haben, schalten die meisten ab. Dabei vergeben sich Weghörer die Chance, von einem Geschäftsmodell zu erfahren, das ihr Leben erleichtern könnte. Weil es das angestaubte – und nervige – Thema Absicherung neu definiert. Range und Hornung holen die Versicherung aus der Mottenkiste und werfen sie ins Zeitalter von On-Demand und der Nonstop- Smartphone-Checkern. Wer sich gegen alltägliche Dramen absichern möchte, soll das mit ihrem in Rostock beheimateten Startup Hepster schnell und digital erledigen können. Die beiden Männer wollen Policen zum Erlebnis, zum Lifestyle-Produkt aufmotzen. Wie das? „Indem wir Versichern so einfach wie Onlineshoppen machen“, erklärt Hanna Bachmann (28). Sie ist die Dritte im Hepster-Gründertrio. Ihr inoffizieller Titel: „Chief Pretty Making Officer“ – leitende Aufhübscherin. Als Frontfrau soll sie die Firmenphilosophie zu snackable, sprich appetitlichen Häppchen aufbereiten, denen potentielle Kunden nicht widerstehen können. Anbeißen sollen Sportler, Reisende und Abenteurer. Ihnen verspricht die Hepster-Crew „situative Soforthilfe und maximale Freiheit“.

So leicht funktioniert's

Klingt gut, aber was heißt das? Ein Beispiel: Der Surfer, der spontan nach Fuerteventura fliegt, will sich selbst oder sein Board gegen Kratzer absichern. Nicht auf Dauer, nur so lange, wie er auf der Insel weilt. Hepster stellt ihm genau das in Aussicht: ein exakt auf seine Bedürfnisse und Lebenssituation zugeschnittenes Produkt. Das kann eine Surfbrettversicherung für einen Tag oder ein Zwei-Wochen-Unfallschutz sein. „Der Kunde wählt die Laufzeit selbst. Das ist der Clou bei Hepster und zeitgemäß“, sagt Alex Hornung. „Heute will sich keiner mehr lang binden.“

Genauso unerwünscht: ellenlange Formulare, Hotlines und Behördengänge. Was konservative Versicherer Interessenten abverlangen, schafft Hepster ab. Hier kauft Kunde Policen jederzeit und von überall – per Klick auf dem Smartphone. Hepster hat auf seiner Homepage fünf Lebenswelten definiert. In denen findet sich der Bergsteiger genauso wieder wie die Cosmopolitin, die gern Kurztrips in die Metropolen dieser Welt unternimmt.

Die firmeneigene Homepage ist aber nur ein Vertriebskanal. „Wir machen uns keine Illusionen: Der Kunde wird nicht von sich aus an uns denken“, sagt Christian Range. Deshalb habe die Hepster-IT-Truppe eine Technologie ausgeklügelt, mit der sich sogenannte Touchpoints bedienen lassen. Kauft sich beispielsweise ein Radler online ein neues Mountainbike, bekommt er eine Diebstahlversicherung dafür angeboten. In solchen Fällen tritt Hepster oft nicht namentlich in Erscheinung, sondern agiert im Hintergrund für den jeweiligen Webshop-Betreiber. Der wiederum „hat mit uns die Chance, ohne Aufwand zusätzlich Geld zu verdienen“, erklärt Alex Hornung. Denn für jeden Kunden, den Hepster durch ihn gewinne, bekomme der Händler Provision. Der Kunde wiederum wird, ohne das ihm das bewusst wäre, von Hepster an den passenden Versicherer vermittelt.

Es geht rasant bergauf

Die Idee zu Hepster hatten Alex Hornung und Christian Range Mitte 2015. Beide sind zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre im klassischen Versicherungsgeschäft tätig und fragen sich, warum das im 21. Jahrhundert immer noch so kompliziert sein muss. Am Küchentisch entwickeln sie erste Lösungsansätze für dieses Problem, holen Hanna Bachmann mit ins Boot und gründen zu Dritt im Mai 2016 Hepster. Knapp ein Jahr später launchen sie hepster.com und damit die ersten Produkte. Seither geht’s für das Startup rasant bergauf. Inzwischen beschäftigt es 22 Mitarbeiter, hat aktuell an die 100 Geschäftspartner – darunter Webshops, Sporteventveranstalter, Reiseagenturen. In diesem Jahr wollen die drei Gründer Hepster zur national bekannten Marke aufbauen.

Der Weg zum Status quo war steinig: Zwar gebe es für Existenzgrüner Fördertöpfe und die ein oder andere Netzwerkveranstaltung im Land. Eine echte Startup-Szene aber fehle, bedauert Hanna Bachmann. „Das Bewusstsein, was ein digitales Startup bedeutet, ist 0,0 vorhanden“, kritisiert Christian Range. „Startup heißt: schnell rein, schnell entwickeln und vielleicht auch mal schnell scheitern.“ In MV poche der Banker jedoch auf einen haarklein ausformulierten Businessplan für die nächsten fünf Jahre, bevor auch nur ein Euro fließt.

In Berlin – dem Epizentrum der deutschen Startup-Szene – ticken die Uhren anders, sagt Hanna Bachmann. Die Bundeshauptstadt sei MV Lichtjahre voraus. Einiges von der dortigen Gründerkultur abschauen könne und sollte sich der Nordosten aber, findet die Ex-Berlinerin. Etwa den Community-Gedanken. Der sei ein Garant für wirtschaftliche Erfolge. Bislang aber fehle es an der Ostsee einem – virtuellen oder realen – Raum, in dem Gründer sich austauschen, voneinander lernen und gemeinsam Zukunftsstrategien austüfteln könnten. „Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Aber wir müssen doch nicht alle die gleichen Fehler selber machen. Viele Köpfe sind schlauer als einer allein.“

AB

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