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21:53 08.05.2018
Beim offiziellen Start für den Breitbandausbau in Klein Kedingshagen wurden mehrfarbige Kunststoffrohre, in die später Lichtleiterkabel eingezogen werden sollen, gezeigt. In dem Dorf bei Stralsund hatte die Telekom vor einigen Wochen ihr bislang größtes Projekt zum Glasfaserausbau in Deutschland gestartet. Quelle: Foto: Stefan Sauer/dpa

Mit viel Geld fördert das Land den Breitbandausbau. Allerdings nicht in Greifswald. Denn hier haben 95 Prozent der Haushalte bereits mindestens 50 MBit je Sekunde verfügbar.

Aber sind 50 Megabit wirklich schnell? Nein, sagt die FDP. Die wirtschaftliche Entwicklung habe die hehren Ziele des Landes längst überholt. In modernen Industriestaaten werden Übertragungsraten im Gigabit-Bereich benötigt, um wirtschaftlich mithalten zu können, damit Menschen die Möglichkeiten des Internets wirklich nutzen können, damit moderne Bildung möglich ist. Mit Kupferkabeln geht das nicht. Glasfaserkabel sind nötig. Die FDP fordert, dass der Oberbürgermeister die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG) zum Glasfaserbau bis in die Wohnung verpflichtet. „Dann wären 40 Prozent der Wohnungen in Greifswald mit schnellem Internet versorgt“, begründet der FDP-Vorsitzende und Internetunternehmer David Wulff.

„Selbst 100 Megabit je Sekunde sind mittlerweile Standard in sogenannten Entwicklungsländern“, sagt Unternehmensberater Torsten Kurschus. „Leider ist der Anspruch der Verantwortlichen in Greifswald niedrig. Das ist zukunftsschädigend.“ Laut Kurschus hätte Greifswald ein Glasfasernetz haben können. „Die Stadt hätte nur die Verlegung der Kabel gestatten müssen“, sagt er.

Stadtsprecherin Andrea Reimann bestätigt, dass die Deutsche Glasfaser AG bei Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) war. Dass Unternehmen würde aber vor Baubeginn nur investieren, wenn es vorher genug Kunden, in der Regel 40 Prozent, gebunden hat. In die Akquise werde üblicherweise die Kommune eingebunden, erheblicher organisatorischer Aufwand sei nötig. „Das mag in einer nicht versorgten kleinen Gemeinde funktionieren“, führt Reimann aus. „Bei einer Stadt wie Greifswald kann ich mir das nicht vorstellen.“ Ferner sei die Deutsche Glasfaser zu diesem Zeitpunkt kein anerkannter Telekommunikationsdienstleister in MV gewesen. Darum seien die Gespräche nicht vertieft worden.

Die Stadt konzentriere sich jetzt auf den Ausbau des Netzes in den Gewerbegebieten. „Für Herrenhufen Süd und Helmshäger Berg gibt es dazu im Juni eine Informationsveranstaltung.“ Laut Sprecherin Ann-Christin Kleinschmidt plant die Deutsche Glasfaser nach dem Ende der Gespräche im Sommer 2016 derzeit nichts in Greifswald. Aktuell sei man in MV im Landkreis Rostock aktiv.

Und die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald? „Gibt es überhaupt einen signifikanten und belegbaren Bedarf für Glasfaseranschlüsse bei den Mietern und die Bereitschaft der Kostenübernahme?“, fragt Sprecherin Jana Pohl. Die WVG habe einen Vertrag mit Vodafone Kabel Deutschland. Bis in die Verstärkerpunkte in den Straßen seien mit deren Hybrid-Glasfaser-Koaxialnetz bereits 400 Mbit je Sekunde möglich. Die Grenze liege perspektivisch wie beim Glasfasernetz bei zehn Gigabit. Pohl verweist ferner auf Kosten für die Leitungsverlegung von der Straße zu den Anschlusspunkten in den Kellern und notwendige umfangreiche neue Verkabelungen in den Häusern.

Da die aus der Sicht der WVG nicht nötig seien, müssten diese Kosten die interessierten Mieter, vermutlich über Verträge mit ihren Internetdienstleistern, tragen. Bei einem großen Anbieter liege der Unterschied im Monat zwischen 39,95 Euro (50 MBit) und 199,95 Euro (1 Gbit). Bei Neubauten und großen Sanierungsvorhaben verlege die Telekom bereits Glasfaserkabel, so Pohl. Voraussichtlich 2020 wolle die WVG die Mieter befragen, ob die gegenwärtig nur gefühlten Vorteile des Glasfasernetzes wirklich vorhanden sind. Die Befragung erfolgt viel zu spät, findet David Wulff.

Die Wohnungsgenossenschaft Greifswald (WGG) sei da viel weiter. „Wir arbeiten mit unserem Partner AEP-Plückhahn seit längerer Zeit daran, die eigenen Greifswalder Wohnhäuser in ein Glasfasernetz einzubinden“, bestätigt der Vorstandsvorsitzende Jan Schneidewind. „Die Arbeiten stehen vor dem Abschluss.“ Ab dem 19. Juni würden die WGG-Mitglieder über das Glasfasernetz fernsehen. Auf Wunsch können diese über AEP-Plückhahn auch andere Produkte wie Telefon und Internet beziehen.

Eckhard Oberdörfer

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