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21:13 01.05.2018
Der Gründer von Facebook Mark Zuckerberg spricht zur Eröffnung der jährlichen Facebook-Entwicklerkonferenz F8. Quelle: Andrej Sokolow
San Jose

Facebook taumelte in den vergangenen Monaten von einer Krise in die nächste, jetzt bekommt Gründer und Chef Mark Zuckerberg eine Chance, die Initiative zurückzugewinnen.

Nach der wochenlangen Medien-Entschuldigungstour und dem zehnstündigen Spießrutenlauf im US-Kongress tritt der 34-jährige Tech-Milliardär am Dienstag auf der hauseigenen Konferenz F8 in San Jose vor ein traditionell wohlgesonnenes Publikum aus Softwareentwicklern und Partnern.

Allerdings könnte Facebook auch bei einigen von ihnen inzwischen einen schweren Stand haben, nachdem das Online-Netzwerk im Nachgang des jüngsten Datenskandals den Zugang von App-Entwicklern zu Nutzerinformationen zum Teil massiv einschränkte. Und auch die Neuausrichtung des Facebook-Newsfeeds auf die Einträge von Freunden und Familie statt viraler Videos und News schneidet Kreativen und Medienunternehmen ins Geschäft, die sich zu sehr auf Facebook als Verbreitungsplattform verlassen haben.

Vor einem Jahr noch wirkte Zuckerberg auf der F8-Bühne noch als der unangefochtene Anführer der neuen Online-Welt. Wenige Wochen davor hatte er in einem langen offenen Brief beschrieben, wie Facebook mit einer stärkeren Rolle in der Gesellschaft die Welt verbessern und vereinen wolle. Videofilmer wurden mit dem Versprechen zusätzlicher Werbepausen auf die Plattform gelockt.

Forschungschefin Regina Dugan - die Facebook inzwischen verlassen hat - sorgte für Aufsehen mit dem Plan, Gedanken von Menschen mit Hilfe von Sensoren direkt in Text umzuwandeln.

Allerdings wurde auch schon die damalige F8 von der Fahndung nach einem Mann überschattet, der wenige Tage zuvor einen Rentner erschoss und ein Video des Mordes bei Facebook veröffentlichte. Das Online-Netzwerk blockierte das Profil des mutmaßlichen Täters zwar binnen 23 Minuten nach dem ersten Hinweis auf das Video - zu diesem Zeitpunkt war es aber bereits gut zwei Stunden online. Der tagelang gesuchte Mann tötete sich kurz vor Beginn der Konferenz nach einer kurzen Verfolgungsjagd laut Polizeiangaben selbst.

Der schockierende Fall bot einen Vorgeschmack darauf, wie die Probleme von Facebook mit Gewalt, Hass, gefälschten Nachrichten und und Datenschutz das weltgrößte Online-Netzwerk in den nachfolgenden Monaten einholen sollten. Das „Fake-News“-Problem während der US-Präsidentenwahl entpuppte sich als großangelegte Propaganda-Kampagne aus Russland. Seitdem hat Facebook viel weniger Ambitionen, als Plattform für Medien und den politischen Diskurs aufzutreten. Und der Sturm der Entrüstung um den Datenabfluss an Cambridge Analytica führt zusammen mit der europäischen Datenschutz-Verordnung dazu, dass Facebook den Umgang mit Nutzerinformationen an vielen Stellen neu gestalten muss.

Das brachte laut einem Medienbericht auch die Pläne für die diesjährige F8 durcheinander. Facebook habe auf der Entwicklerkonferenz ursprünglich einen eigenen vernetzten Lautsprecher mit einem digitalen Assistenten an Bord vorstellen wollen, berichtete der Finanzdienst Bloomberg. Nach dem jüngsten Datenskandal werde aber der Datenschutz bei den Geräten noch einmal auf den Prüfstand gestellt, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Nun dürfte im Mittelpunkt der F8 wieder die virtuelle Realität stehen. Die Facebook-Firma Oculus hatte für dieses Jahr bereits den Start einer neuen VR-Brille in Aussicht gestellt, die ohne einen Computer und lästige Kabelverbindungen auskommen soll. Und Zuckerberg betonte zuletzt in einer Telefonschalte mit Analysten, dass bei Oculus die Chance sehe, dass Facebook die nächste große Computer-Plattform mitgestaltet, nachdem das Online-Netzwerk bei den Smartphones das Feld Apple und Google überlassen habe.

Immerhin kann Zuckerberg sich darauf verlassen, dass die Nutzer Facebook größtenteils die Treue halten: Auch mitten im Datenskandal zeigte sich bei den jüngsten Quartalszahlen kein Rückgang der Aktivität. Die Zahl der Nutzer, die mindestens ein Mal im Monat die Plattform aufsuchen, kletterte binnen drei Monaten von 2,13 auf 2,2 Milliarden.

dpa

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