Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Multimedia Handy-Nutzung im EU-Ausland: Kostenfallen bleiben
Thema Specials OZelot Multimedia Handy-Nutzung im EU-Ausland: Kostenfallen bleiben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:58 08.06.2017
Verbraucherschützer halten die neue Roaming-Verordnung letztlich für einen Fortschritt. Quelle: Friso Gentsch
Anzeige
Brüssel

Menschen mit Fernbeziehung und ungünstigem Handy-Vertrag haben sich womöglich zu früh gefreut: Zwar schafft die EU zum 15. Juni die Extra-Gebühren für die Handy-Nutzung im EU-Ausland weitgehend ab, Gespräche ins EU-Ausland kosten aber so viel wie zuvor.

„Das bleibt ein großes Ärgernis“, klagt die Verbraucherschützerin Isabelle Buscke, die den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Brüssel vertritt. Telefonate ins Ausland fallen eben nicht unter die Neuregelung - „das kann durchaus mal zwei Euro die Minute kosten“.

Wer also mit dem Autovermieter auf Mallorca verhandeln will oder die polnische Nummer der Liebsten in Warschau wählt, sollte die Bestimmungen seines Vertrags gut kennen. „Die Verbraucher müssen weiter in das Kleingedruckte schauen“ - trotz der grundsätzlich verbraucherfreundlichen Roaming-Neuregelung, warnt Buscke. Die soll dafür sorgen, dass Anrufe und mobile Internet-Nutzung beim Aufenthalt in anderen EU-Ländern nicht teurer ausfallen als daheim.

Die Änderung kann also kuriose Folgen haben: Wer mit deutschem Handy-Vertrag aus Deutschland in Spanien oder Polen anruft, zahlt unter Umständen mehr, als wenn er das gleiche Telefonat aus Spanien oder Polen oder einem beliebigen anderen EU-Land führt. „Das ist das Knifflige und das Unbefriedigende an der Neuregelung“, sagt Buscke. Auch eine Einwahl in die Mobilfunknetze etwa von Kreuzfahrtschiffen bleibt teuer - sie ist von der EU-Regelung ausgenommen.

Unklar ist, ob wirklich alle Handy-Kunden in den Genuss der neuen Vorgaben kommen, oder ob besondere Vertragsklauseln das verhindern. „Wir machen keine Unterscheidung“, versichert Andreas Middel von der Deutschen Telekom. Ähnlich verspricht seine Vodafone-Kollegin Sarah Roetzer: „Alle Consumer Kunden werden ab 15. Juni von den regulierten Bedingungen in der EU automatisch und uneingeschränkt profitieren und keine Roaming-Gebühren mehr zahlen.“

Jörn Borm von Telefónica (O2) kann hingegen nicht sagen, wie hoch der Anteil jener Kunden sein wird, die „zum 15.06. reguliert werden“. Im Mai hatte der Konzern seinen Umsatzrückgang des vergangenen Jahres unter anderem auf die gesenkten Roaming- und Durchleitungsentgelte zurückgeführt: Das Unternehmen habe wegen der Regulierung rund 35 Millionen Euro weniger eingenommen als 2015.

Verbraucherschützer erwarten, dass die Anbieter sich überlegen, wie sie die neuen Regeln anwenden. Probleme könnten demnach die Nutzer von Prepaid-Karten bekommen: Die enthielten kein festes Volumen für Telefonate und Internet-Surfen, das entsprechend auch im Ausland nutzbar wäre. Außerdem gebe es immer mehr Deutschlandtarife, bei denen die Nutzung jenseits der Grenzen technisch ausgeschlossen sei.

Und dann ist da noch die sogenannte Fair-use-Regelung. Die soll verhindern, dass sich Verbraucher einfach den billigsten Anbieter in Europa aussuchen und mit dessen SIM-Karten grenzenlos günstig telefonieren. Vodafone behalte sich Aufschläge gemäß dieser Regelung vor, erklärt Unternehmenssprecherin Roetzer. Die vzbv-Expertin Buscke bestätigt mögliche Kontrollen einer exzessiven Auslandsnutzung: „Ab einer gewissen Schwelle können die Anbieter aufmerksam werden.“

Obwohl die Verbraucherschützerin etliche Wermutstropfen, Stolpersteine und das Kleingedruckte beklagt, hält sie die neue Roaming-Verordnung letztlich für einen Fortschritt: „Das ist ein Meilenstein für die Verbraucher.“ Bis zur tatsächlichen Abschaffung der Roaminggebühren habe es auch zehn Jahre gedauert.

dpa

Mehr zum Thema

Für Griechenland wird die Zeit knapp - wieder einmal: Athen braucht bald neue Kredite aus dem laufenden Hilfspaket, um im Juli fällige Rückzahlungen zu leisten. Knackpunkt ist, ob der Internationale Währungsfonds wie früher auch diesmal wieder an Bord kommt.

06.06.2017

Neue Klagerechte für Fälle mit vielen betroffenen Verbrauchern wie der VW-Abgasskandal bleiben wegen eines Streits in der schwarz-roten Koalition vorerst in der Schwebe.

06.06.2017

Die Europäische Union hat der Türkei seit 2014 zur Vorbereitung auf den EU-Beitritt des Landes rund 2,7 Milliarden Euro netto gezahlt.

07.06.2017

Apple lud zu seiner Entwicklerkonferenz – die auch immer ein Basar der Neuigkeiten ist. Und Tim Cook und Co. präsentierten im San José Convention Center in Kalifornien gleich einen ganzen Strauß an neuen und weiter entwickelten Produkten.

05.06.2017

Besonders smart ist sie nicht: Die „Spectacles“-Brille von Snapchat ist weniger eine Weiterentwicklung von Googles Glass, als eine Erweiterung der App in die physikalische Welt. Kann das Wearable das Unternehmen aus den roten Zahlen führen?

02.06.2017

Virtuelle Welten halten weiter Einzug in den Klassenraum: Auf der Kultusministerkonferenz wurden nun die Eckpunkte für eine Digitalisierungsoffensive an deutschen Schulen verabschiedet. Das ruft auch einige Kritiker auf den Plan.

01.06.2017
Anzeige