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Multimedia Im Chaos der Betriebssysteme
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00:00 27.03.2014
Die Paralleluniversen von Windows, Apple und Linux können so manchen Nutzer zur Weißglut bringen. Quelle: Fotolia

Es gibt Software, die nur auf Windows läuft und sich auch nicht durch ähnliche Programme ersetzen lässt. Das bringt manchen Umsteiger ins Grübeln und mag einige sogar vom Wechsel auf Mac oder Linux abhalten. Sind zwei Rechner mit zwei Betriebssystemen die einzige Lösung?

Wer mit einem Mac von Apple oder Linux als Betriebssystem liebäugelt, stellt sich früher oder später diese Fragen: Was passiert bei einem Wechsel mit nur für Windows verfügbaren Programmen, auf die man nicht verzichten kann oder möchte? Ließen die sich vielleicht trotzdem unter Mac OS X oder Linux zum Laufen bringen? Die Antwort lautet: ja. Im besten Fall ist das mit wenigen Mausklicks erledigt und kostet nichts. Meist ist aber Vorbereitung nötig - und unter Umständen muss man Software kaufen.

Die Methoden, mit denen man Windows-Programme auf Linux-Rechnern und Macs zum Laufen bekommt, ähneln sich. Zuerst sollte klar sein, wie viele Windows-Programme in den neuen Systemwelten wirklich unentbehrlich und alternativlos sind. Danach empfiehlt es sich zu prüfen, ob diese vom Open-Source-Programm Wine unterstützt werden. Wine ist die Abkürzung für „Wine is not an emulator“, zu Deutsch also „Wine ist kein Emulator“.

Open-Source-Programm

Wine meist hilfreich

Wine ist eine sogenannte Laufzeitumgebung, die Windows-Programmen dabei hilft, auf Systemen mit einem Unix-Kern zu funktionieren. Dazu gehören Linux und auch Mac OS X. Ob und wie ein Programm mit Wine läuft, kann man im Internet in der Wine-Pogrammdatenbank nachlesen, erklärt Andreas Bohle von der Zeitschrift „LinuxUser“. Tester und Nutzer tauschen hier ihre Erfahrungen aus und bewerten die Lauffähigkeit von Windows-Programmen unter Wine.

„Am größten sind die Chancen, dass Windows-Programme mit Wine laufen, wenn es sich um populäre, ältere Versionen einer Software handelt“, sagt Bohle. Dazu zählten zum Beispiel Microsoft Office oder Photoshop. Und auch bei Blockbuster-Spielen seien die Aussichten gut. Wer mit Wine nicht ans Ziel kommt, kann auch den kommerziellen Wine-Ableger Crossover von Codeweavers (48 Euro) ausprobieren, rät der Experte.

Inzwischen ist übrigens auch die Spieleplattform Steam für Linux erhältlich, „womit sich das Problem Spiele unter Linux erledigt haben könnte“, sagt Bohle. Ein kostenloser Wine-Ableger für den Mac ist übrigens der WineBottler. Und mit Netrunner gibt es sogar eine Linux-Distribution, in die die Laufzeitumgebung bereits integriert ist.

Wer aber mit Wine nicht weiterkommt oder wem die Einschränkungen zu groß sind, kann entweder neben oder innerhalb von Mac oder Linux eine Windows-Version installieren, um seine Programme nutzen zu können.

Soll Windows neben Linux installiert werden, empfiehlt es sich, zuerst Windows und dann Linux zu installieren. Denn anders als Windows integriert Linux andere Betriebssysteme problemlos in seinen Bootmanager. Der Nutzer hat dann beim Start des Rechners die Wahl, Linux oder Windows zu nutzen.

Mac-Nutzer können für eine parallele Windows-Installation neben Mac OS X die kostenlose Apple-Software Bootcamp nutzen, erklärt Thomas Kaltschmidt von der Zeitschrift „Mac&i“. „Das hat den Vorteil, dass ich die volle Leistung des Macs zur Verfügung habe“, sagt Kaltschmidt. Der Nachteil: Man kann immer nur eines der beiden Betriebssysteme nutzen.

Virtuelle Maschinen

auf Datenträger auslagern

Wer zwischendurch immer mal wieder ein Windows-Programm braucht, fährt deshalb vielleicht besser, wenn er Windows innerhalb von Mac OS X oder Linux installiert und gleichzeitig nutzen kann. Das ermöglichen sogenannte virtuelle Maschinen. Für Linux gibt es etwa das für den privaten Gebrauch kostenlose VirtualBox. Auf dem Mac lässt sich Windows neben VirtualBox auch mit VMware Fusion (54 Euro) oder Parallels Desktop (80 Euro) nutzen. Die Programme simulieren die Hardware des Rechners in all seinen Teilen mit einem installierten Windows. Im Ergebnis kann man die Betriebssysteme parallel laufen lassen: in einem Fenster Windows und in einem anderen Mac OS X oder Linux.

Der Nachteil der virtuellen Maschinen sind kleinere Einbußen bei der Leistung. Die Programme laufen nicht so schnell wie gewohnt. „Je besser und neuer die Hardware ist, umso weniger fällt das auf“, sagt Kaltschmidt. Gibt es durch die Installation von zwei Betriebssystemen Platzprobleme auf der Festplatte, lassen sich virtuelle Maschinen auch auf externe Datenträger auslagern.

Daten bleiben erhalten
Beim Wechsel von einem Windowsrechner zu einem Mac geht das Übertragen der Daten am schnellsten und sichersten per USB-Festplatte oder -Speicherstick. Ein unter Windows formatiertes Speichermedium kann dabei problemlos weiterverwendet werden, weil Macs das bei Windows übliche Dateiformat NTFS lesen können.



Erst wenn ein Mac auch auf eine NTFS-Festplatte schreiben soll, muss ein Tool wie etwa der kostenlose NTFS-Explorer installiert werden.



Wer keine geeigneten Speichermedien zur Hand hat, kann auch den kostenlosen Windows-Migrationsassistenten von Apple nutzen. Die Software muss auf dem alten Windows-PC sowie auf dem neuen Mac installiert und geöffnet werden. Außerdem müssen sich beide Rechner im gleichen Netzwerk befinden.



Für eine saubere Übergabe von Musik-Dateien raten die Experten, vor dem Umzug iTunes auf dem Windows-Rechner auf die neueste Version upzudaten und einmal zu starten, um so das Mediathekformat auf den neuesten Stand zu bringen.



Klaus Gürtler

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