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Internet-Experte fordert ein Ministerium für Digitales

Internet-Experte fordert ein Ministerium für Digitales

Matthias Wißotzki von der Hochschule Wismar erklärt, warum der Netzausbau so wichtig ist

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Matthias Wißotzki, Hochschule Wismar

Quelle: RAHR

Herr Wißotzki, viele Bewohner ländlicher Regionen von MV klagen über schlechte Internetverbindungen auf dem Land. Hängt der Nordosten besonders weit zurück?

Matthias Wißotzki, Hochschule Wismar FOTO: RAHR

Wißotzki: Wie es im Vergleich zu anderen Bundesländern aussieht, kann ich schwer beurteilen. Des Weiteren sind wir ein Flächenland, was für den Breitbandausbau einiges an Herausforderungen mit sich bringt. So gibt es auf dem Land zum Beispiel viel weniger Nutzer als in der Stadt, die Kosten für ein Netz sind trotz Fördermitteln langfristig gesehen aber ähnlich hoch.

Das macht den Ausbau für die Netzbetreiber weniger attraktiv. Und beim Netzausbau auf dem Land müssen viele Dinge geklärt werden, Fragen des Grundstückseigentums, Leitungsführung, Übergabepunkte, Umweltschutz. Das geht in der Stadt schneller, weil die Informationswege kürzer sind.

Muss der Staat nicht dafür sorgen, dass jeder Breitband hat? Gehört Internet nicht zur Grundversorgung wie Wasser und Strom?

Auf jeden Fall. Da hinken wir im Vergleich zu anderen Ländern in Europa ein bisschen hinterher. Eine gute Netzanbindung muss der Standard sein für die Gesellschaft der Zukunft. Gerade Länder wie Schweden, mit einer sehr guten Breitbandvernetzung, zeigen uns, wo es hingehen kann.

Warum funktioniert das in Skandinavien, das noch dünner besiedelt ist als MV, so viel besser?

Dort wurde früher mit dem Thema begonnen, und ich vermute, dass es mehr politische Instrumente gibt, um das Thema Digitalisierung und damit auch Breitbandausbau voranzutreiben. Bei uns im Land kommt jetzt auch Bewegung in dieses Feld. Unser Ministerium für Energie und Infrastruktur wurde bereits um den Bereich Digitalisierung ergänzt, und seitdem kommen von dort bereits viele Initiativen und mehr sind noch in Planung. Dennoch, wenn wir schnell agieren bzw. den Rückstand zu anderen Ländern aufholen wollen, reicht das meiner Meinung nach noch nicht aus, und wir sollten den Fokus weiter erhöhen, denn das Thema Digitalisierung in seinem gesamten Spektrum lässt sich nicht nebenbei schaffen. Es müssen so viele Dinge beachtet werden: Datenschutz & Sicherheit, Technologieentwicklung, Vernetzung, Automatisierung etc.

Muss der Staat mehr Stellen und Behörden für Netze und Digitalisierung schaffen?

Ich denke, dass es mittelfristig sogar ratsam wäre, ein eigenes Ministerium im Bund und auf Landesebene für Netzausbau, Digitalisierung, Start-ups und Zukunftsentwicklung zu berufen, welches dann noch intensiver auf die Belange von Mensch und Unternehmen eingehen kann, denn der Umgang mit Daten, Vernetzung, künstlicher Intelligenz und Automatisierung wird uns noch eine ganze Weile begleiten und weitere Veränderungen mit sich bringen. Einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass die großen technologiebasierten Innovationen erst noch kommen, welche Politik und Gesellschaft vor weitere Herausforderungen stellen wird. Meiner Meinung nach sind wir auf einem guten Weg, sollten aber jetzt auf keinen Fall langsamer werden.

Wie könnte MV von der Digitalisierung profitieren?

Digitalisierung kann die wichtigen Wirtschaftszweige im Land, wie z.B. Tourismus, Gesundheit, Landwirtschaft und IT, voranbringen. An den Hochschulen in Rostock und Wismar wollen wir das Projekt Smarte Küstenregion weiter entwickeln. Es geht darum, Urlauber und Bewohner zu unterstützen, Technologie in die Städte zu bekommen und die Städte in MV besser miteinander zu vernetzen. Des Weiteren entwickelt sich in Rostock eine lebendige Start-up-Kultur, die zunehmend intensiver durch das Land und das Ministerium für Digitalisierung unterstützt wird. Wir müssen aber auch untersuchen, was wir im ländlichen Raum machen können. Da ist Telemedizin ein spannendes Thema, um die Lebensqualität von u.a. auch älterer Generationen zu erhöhen – insbesondere, wenn diese nicht in die Stadt ziehen möchten, um näher an der ärztlichen Versorgung zu sein. Gegen altersbedingte Vereinsamung wird die Verbindung zu Kindern und Enkeln mit digitaler Technik immer wichtiger, denn auch die älteren Leute verlieren zunehmend die Angst davor, sich mit Skype oder Whatsapp auseinanderzusetzen. Dafür brauchen wir Netz auf dem Land. Des Weiteren würden wir gerne unsere Ostseebäder durch den Einsatz von Technologien unterstützen. Dies betrifft zum Beispiel die bedarfsgerechte Integration von Smart-City Ansätzen, um die Parkplatzsituation und das Verkehrsaufkommen in betroffenen Kleinstädten, beides ist in der Saison chronisch überlastet, zu verbessern. Diese Herausforderungen könnten mit vernetzten sensorbasierten Verkehrs- und Parkleitsystemen gelöst werden. Auch die Vernetzung erfasster Verkehrsinformationen zwischen den Städten, um zukünftiges Verkehrsaufkommen zu prognostizieren, wäre denkbar. Viele dieser Systeme gibt es bereit, vielmehr sind es die Integration vieler beteiligter Systeme, bestehender Initiativen in den Städten und heterogene Interessensgruppen, welche die Herausforderung bilden.

Schicke Start-ups für die boomenden Städte, und auf dem Dorf lässt sich höchstens noch der Teledoktor blicken. Verschärft die Digitalisierung die Spaltung noch weiter?

Dass sich junge Firmen in den Zentren ansiedeln, halte ich für relativ unumgänglich. Dort gibt es die Unis, Förderer, Banken und viele Gleichgesinnte sind in der Nähe. Das wird so bleiben. Für Dörfer ist es schwieriger. Breitband ist kein Allheilmittel, um Abwanderung zu verhindern, es ist eher eine Ergänzung zu weiteren Bestrebungen.

Schnelles Internet kommt langsamer

1,3 Milliarden Euro stehen in Mecklenburg-Vorpommern für den Ausbau des schnellen Internets bereit. Er kommt jedoch langsamer voran als von Bund und Land angekündigt. Ursprünglich sollte Ende 2018 vor allem der ländliche Raum mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde (mbit/s) ausgestattet sein. Infrastruktur- und Digitalminister Christian Pegel (SPD) rechnet aber mit einer flächendeckenden Versorgung erst im Jahr 2020 in den insgesamt 93 Projektgebieten aller sechs Landkreise.

Interview: G. Kieine Wördemann

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