Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -1 ° Schneeschauer

Navigation:
Schnelles Internet: Werden die Städte abgehängt?

Schwerin/Wismar Schnelles Internet: Werden die Städte abgehängt?

Fördermittel fließen in ländlichen Raum / Pegel hofft auf Unternehmen

Schwerin/Wismar. Nach dem Start der Digitalisierungs-Offensive im ländlichen Raum drohen die Städte in MV bei der Internetversorgung ins Hintertreffen zu geraten. Grund:

Während dieses und nächstes Jahr 1,3 Milliarden Euro an Fördermitteln für den DSL-Ausbau in den ländlichen Gebieten bereitstehen, gehen die Städte leer aus.

Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD): „In der Tat wird der ländliche Raum, wenn wir dieses Programm abgeschlossen haben, schnelleres Internet haben als die Städte.“ Dieser Fall werde aber nur eintreten, „wenn die Städte sich bis dahin überhaupt nicht weiterentwickeln“. Pegel hofft, dass die Unternehmen, die Glasfaserkabel künftig rund um Stralsund, Greifswald, Rostock oder Wismar verlegen, „durchaus auf die Idee kommen, auch eine Glasfaserleitung mitten durch die Stadt zu ziehen“. MV hat von der Bundesregierung als einziges Bundesland 93 Bewilligungen für alle 93 beantragten Ausbauregionen erhalten. Durch den Glasfaserausbau werden in diesen ländlichen Gebieten technisch künftig Internet-Geschwindigkeiten bis zwei Gigabit möglich sein, bestätigte Reinhard Litty, Vize-Geschäftsführer des kommunalen Zweckverbandes für Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen. Der Verband hat den Ausbau des Netzes auf der Insel selbst übernommen. In anderen Gebieten treibt die Telekom den Ausbau selbst voran und legt die Glasfaseranschlüsse teils kostenlos bis in die Häuser, so dass die Internet-Geschwindigkeit ungebremst bei den Menschen ankommt. Rund 800 Millionen Euro der insgesamt 1,3 Milliarden Euro, mit denen der Ausbau von der öffentlichen Hand unterstützt wird, stammen vom Bund.

Allerdings wird erst in 13 der 93 Projektregionen – so wie auf Rügen – bereits am Ausbau gearbeitet. Die Städte fallen aus der Förderung, weil sie trotz zum Teil niedriger Netzgeschwindigkeiten von 30 Megabit pro Sekunde (MBit/s) als digital ausreichend erschlossen gelten.

Eigentlich sollte der ländliche Raum in MV bereits bis Ende 2018 mit einem Übertragungstempo von mindestens 50 MBit/s ausgestattet sein. Nun musste Minister Pegel jedoch einräumen, dass erst im Jahr 2020 mit einer flächendeckenden Versorgung in allen 93 Projektgebieten zu rechnen sei.

Das sorgt für Kritik bei der Opposition im Landtag: „Als meine Fraktion vor Jahren ein eigenes Landesprogramm und eine Ausbaustrategie für MV gefordert sowie das Ziel von lediglich 50 Megabit pro Sekunde kritisiert hat, wurden wir gelinde gesagt belächelt“, kritisiert Henning Foerster von der Linksfraktion. Es sei falsch, beim Breitbandausbau ländlichen gegen urbanen Raum auszuspielen, betont auch der Bürgermeister von Wismar, Thomas Beyer (SPD). Die Versorgung mit schnellem Internet sei „ein wichtiges Thema für alle Landesteile“.

Benjamin Fischer und Axel Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Matthias Wißotzki, Hochschule Wismar

Matthias Wißotzki von der Hochschule Wismar erklärt, warum der Netzausbau so wichtig ist

mehr
Mehr aus Multimedia