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Multimedia Stalking und Rufschädigung: Ärger mit Fake-Profilen
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06:00 17.11.2017
Sarah Abilov (15) und Clara Borrmann (14) setzen sich mit den Gefahren von sozialen Netzwerken auseinander. Quelle: Frank Söllner
Schwerin/Rostock

Facebook, WhatsApp, Instagram, Snapchat: Ein großer Teil des sozialen Lebens gerade der jüngeren Generation findet heute im Internet statt. Die Daten der Nutzer von sozialen Netzwerken und Messengerdiensten sind teilweise öffentlich zugänglich.Dass das ein Risiko sein kann, berichten Rostocker Schülerinnen und Influencer. Letztere bilden quasi einen neuen Berufsstand: Ihre Veröffentlichungen im Netz werden von Tausenden Nutzern („Follower“ – siehe Kasten) verfolgt . Dadurch haben die Influencer in sozialen Medien Einfluss auf werberelevante Zielgruppen und werden von Firmen für Marketingzwecke eingesetzt.

Gefahren von sozialen Netzwerken

Dass ihre Instagram-Fotos nicht nur für Freunde sichtbar sind, wissen die Schülerinnen Sarah Abilov (15), Emma Langschwager (15) und Clara Borrmann (14). „Deshalb habe ich einen öffentlichen und einen privaten Account, bei dem ich Bilder hochlade, die nur meine Freunde sehen sollen“, so Clara Borrmann. Von ihrem öffentlichen Account seien dagegen Bilder bei Google zu finden, wenn man ihren Namen eingibt. Gerade für potenzielle Arbeitgeber sei das wichtig, bestätigt die Rostocker Influencerin Ulrike Kulling (25): „Die Bedeutung von Social Media für Arbeitgeber steigt.“

Besonders Facebook ist dafür bekannt, Daten zum Nutzungsverhalten für personalisierte Werbung einzusetzen. Aber neben Absagen von Arbeitgebern und der permanenten Werbung lauern auch einige Gefahren: Dazu gehören Fake-Profile, die nach Handynummern der Freunde fragen, Stalking und Rufschädigung.„Ich kenne viele Leute, deren Instagram-Profile gehackt wurden. Und auch von mir wurde einmal ein Fake-Profil erstellt“, berichtet Sarah Abilov. „Man weiß nie, was diese Leute in meinem Namen kommentieren“, so die Schülerin.

Clara Borrmann ist Zeugin einer Straftat geworden: „Eine Freundin hat intime Bilder verschickt, die dann auf einer Instagram-Seite gepostet wurden“, erzählt sie. „Die Seite war öffentlich und ihr echtes Profil wurde darauf verlinkt – das war wirklich schlimm.“Außerdem kenne sie viele, die mit Fake-Profilen zu kämpfen haben. Brisant wird es, wenn diese Fälschungen nicht als solche erkennbar sind und Freunde der Person nach Handynummern oder anderen Daten fragen.

Gefälschte Profile treten häufig auf

Die Rostocker Influencerin und Radiomoderatorin Julia Porath kennt ebenfalls die Kehrseite der sozialen Netzwerke. Seit Jahren kursiert auf Facebook ein Fake-Profil, das in ihrem Namen Kontakte anschreibt. „Die Person hat zum Beispiel in meinem Namen Arbeitskollegen sehr eindeutige Angebote gemacht.“ Anfänglich sei das lustig gewesen. Aber wenn die junge Frau nun phasenweise täglich bis zu 20 Nachrichten von Menschen erhält, die sie auf die Nachrichten ansprechen, sei das unangenehm. „Selbst die Polizei ist überfragt. Ich kann nicht mehr tun, als das Profil zu melden. Ab einer gewissen Zahl an Meldungen löscht Facebook es dann“, erklärt die 31-Jährige.

Die Rostocker Influencerin Ulrike Kulling mit dem Blog „turnschuhverliebt“ hat auch negative Erfahrungen gemacht: „Im Frühjahr klonte jemand meine Website, um mit den Inhalten über Verlinkungen Einnahmen zu erzielen.“Da die Follower von Kulling und Porath am liebsten täglich private Einblicke in deren Leben erhalten wollen, sind Maßnahmen zum Datenschutz sehr wichtig. Dabei ist Wissen über die Funktionsweise und Privatsphäre-Einstellungen für die Hansestädterin Julia Porath entscheidend: „Für mich sind alle Netzwerke sicher, wenn man weiß, wie man sie zu bedienen hat.“

Nutzer müssen sich mit Plattformen auseinandersetzen

Das Problem sei oft, dass sich Nutzer nicht mit der Plattform auseinandersetzen. Es gebe Chancen, privat zu bleiben: „Auf Facebook kann ich in den Einstellungen festlegen, dass mein Profil für die Websuche unsichtbar ist“, so Porath. Bei Instagram sei es hilfreich, den Account auf privat zu schalten.Seit WhatsApp die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung benutze, sollen Nachrichten abhörsicher sein. Allerdings: „Wenn ich meinen Chef als WhatsApp-Kontakt habe, sollte ich mir über mein Profilbild im Klaren sein.“ Möglich sei in den Einstellungen unter dem Punkt Datenschutz dafür zu sorgen, welche Kontakte den Status und das Bild sehen können.

Vorsicht bei Ortsangaben: Profis posten Beiträge zeitverzögert

Für Influencerin Ulrike Kulling ist die Sicherheit im Netz enorm wichtig: „Wenn ich Ortsangaben auf Facebook oder Instagram verwende, poste ich einen Beitrag erst, wenn ich nicht mehr an dem Ort bin. So lässt sich nicht gleich ein Muster erkennen, wann ich wo unterwegs bin“, betont sie.Es sei möglich, Accounts mit der „Passwort-Vergessen-Funktion“ zu hacken, wenn der Nutzer nicht sensibel mit seinen Daten umgeht. Sicherheitsfragen nach Haustiernamen könnten auch von fremden Personen beantwortet werden. Und zwar dann, wenn etwa ein Foto mit dem Haustier und dessen Namen gepostet wurde, so die Rostockerin.Neben diesen Techniken ist es laut der Rostocker Influencerin Julia Porath wichtig, genau zu reflektieren, was man über sich preisgibt. Das betrifft etwa Partybilder oder politische Meinungen. Auch bei WhatsApp könne eingestellt werden, wer das Profilfoto sehen kann.„Man muss wissen, was man von sich preisgeben möchte“, findet die Rostocker Schülerin Clara Borrmann (14). Abschreckend sei das alles schon. Da aber offline zu gehen meistens keine Option ist, werde ein durchdachter Umgang mit sozialen Netzwerken und Messengerdiensten nötig.„Es ist wie beim Zähneputzen: Wir können nicht ohne, aber nehmen uns ungern Zeit dafür“, betont Julia Porath.Und sie ergänzt: Für die Privatsphäre sollte man sich ausreichend Zeit nehmen, „weil wir ohne soziale Netzwerke nicht mehr leben können“.

Karolin Hebben

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