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Szene „Es gibt keine Tabuthemen“
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15:17 05.04.2018
ARD-Sitcom- Kabarett „3. Stock links“: Maike Kühl, Hannes Ringlstetter und Sebastian Pufpaff (v.l.). Quelle: Foto: Julia Müller
Rostock

Der stets im schwarzen Anzug gekleidete und gestriegelte Sebastian Pufpaff, der „deutsche George Clooney des Kabaretts“, so wie ihn die Presse bezeichnet, kommt am 14. April mit seinem Programm „Auf Anfang“ ins Moya. Die Rostocker Zuschauer dürfen sich auf eine 110-minütige Live-Show von und mit Pufpaff freuen. Sein Soloprogramm präsentiert er bereits seit drei Jahren, „aber es ist immer wieder eine Premiere“, versichert Pufpaff. Er feile ständig an den Witzen und Sketchen und das live, denn es komme auch immer auf das Publikum drauf an. Rund ein halbes Jahr dauert es in der Regel, bis die Show dann so ist, dass er zufrieden ist. „Ein Witz wird erst gut, wenn er auf ein gutes Publikum stößt.

Lachen garantiert: Der Kabarettist, Moderator und Entertainer Sebastian Pufpaff kommt am 14. April mit seinem Programm „Auf Anfang“ ins Rostocker Moya.

Nach rund 5 Minuten bekommt man ein Feeling für das Publikum. Dann checkt er die Motivation des Publikums. Es sei auch ein großer Unterschied, ob man eine Show an einem Dienstag oder einem Freitag gibt. Wer sich mitten in der Woche nach der Arbeit noch mal losmacht, der hat richtig Bock. In seiner Show gibt es eine Sequenz, in der er Zeit hat zu improvisieren. Das Publikum ist dann gefragt und kann die Show mitgestalten.

In Pufpaffs Programm „Auf Anfang“ geht es um alles und nichts, vom Hamster bis zum Papst, und sogar ein vollautomatischer Staubsauger verirrt sich auf die Moya-Bühne. Im Großen und Ganzen nimmt der Familienvater die Menschen und ihre Gefühle und das Zusammenleben miteinander unter die Lupe. Er pointiert das verrückte Leben auf eine humorvolle Art.

„Die Zuschauer sollen ihr Gehirn nullen“, fordert Pufpaff. Sie sollen sich zurückbesinnen und mit offenen Augen durch das Leben gehen. Er möchte die vollen Absurditäten der Welt zeigen. Für ihn existieren keine Tabuthemen, sagt der Humorist, wie er sich selbst beschreibt. Er mache keinen Unterschied zwischen Comedian und Kabarettisten. Das sei eine deutsche Erfindung., erklärt er. Volker Pispers meinte mal, wer sein Publikum siezt, ist Kabarettist. Wer sein Publikum duzt, ist Comedian. Allerdings verschwimmen die Grenzen da auch schon wieder, erklärt Pufpaff weiter.

Jeden Tag komme ihm ein neuer Sketch für seine Show in den Sinn, erklärt der 36-Jährige, der 2003 mit seinen Kumpels Martin Zingsheim und Henry Schumann das „Bundeskabinett“ gegründet hat. Anfangs saßen nur sechs Menschen im Publikum. Die drei Freunde konnten von ihrer ambitionierten Show leider nicht leben, lebten vielmehr an der Armutsgrenze – und trennten sich schließlich.

Seit 2011 entertaint Pufpaff die Massen als Solokünstler. „Ich bin demütigst dankbar, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte“, sagt der aus der Nähe von Bonn kommende Satiriker, der seine Karriere mit einer „fröhlichen, optimistischen Naivität“ begonnen hat. Auch Zingsheim ist heute erfolgreich als Comedian unterwegs.

Schwarzer Humor ist Pufpaffs Steckenpferd. „Wo der Schmerz sitzt, tanze ich herum“, sagt er lachend. Ob er auf der Bühne eine Rolle spiele, gibt er eine klare Antwort: „Privat bin ich nicht so weit von der Bühnenfigur entfernt. Ich bin witzig, zugänglich, ein ganz normaler Mensch eben. Ich bin ein Satiriker. Satire bedeutet Überhöhung der Realität. Das kann man auch auf meine Figur auf der Bühne projizieren. Es ist die Erhöhung des Pufpaffs im Privatleben.“

Das letzte Mal war er 2008 in Rostock, als er sich mit seinem „Bundeskabinett“ beim Kabarett-Wettbewerb „Rostocker Koggenzieher“ beworben hat. „Leider haben wir nicht gewonnen. Aber ich mochte das Publikum und mag die Menschen an der Küste. Sie waren damals sehr interessiert und standen dem schwarzen Humor offen gegenüber“, sagt Pufpaff, der trotzdem oft an der Ostsee ist, weil er seine Familie in Lübeck besucht.

Seine Witze und Sketche schreibt er selbst. „Ich glaube, es denkt auch niemand so abstrus wie ich und könnte diese verrückten und seltsamen Gedanken dementsprechend niederschreiben.“ Ob im Bahnbistro oder in seinem häuslichen Büro – überall sind seine Sinne auf on gestellt und sein Handy zum Ideeneintippen in der Hosentasche: „Ich habe ein gutes Ohr, eine ausgeprägte Auffassungsgabe und ein Sinn für Skurriles“, so Pufpaff, der alles, was menschelt, für seine Show verwenden kann.

Pufpaff kann immer und überall was erzählen: „Ich quatsche halt einfach gerne. Ich bin ein Marathon-Quatscher und deswegen garantiere ich auch, dass jeder an diesem Abend lacht, sonst bekommt der Zuschauer sein Geld zurück. Dazu stehe ich.“

Künstlerischer Werdegang

Sebastian Pufpaff, 1976 in Troisdorf geboren, studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Staatsrecht in Bonn. 2003 gründete er mit Henry Schumann und Martin Zingsheim das Kabarett-Trio „Das Bundeskabarett“, das sich mit dem Ost- und Westkonflikt beschäftigte. Als Solokünstler hatte er Auftritte in den WDR-Sendungen Mitternachtsspitzen, Fun(k)haus und Nightwash sowie bei nuhr im Ersten. 2010 erhielt er beim Kabarett-Wettbewerb Prix Pantheon den Publikumspreis „Beklatscht & Ausgebuht“. Im Januar 2011 startete er mit seinem ersten Soloprogramm „Warum!“ durch.

Seit 2013 präsentiert er im Berliner Kesselhaus die Sendung Pufpaffs Happy Hour, 2015 startete in der ARD „3. Stock links. Die Kabarett-WG“, seit 2015 hatte er Auftritte in der ZDF heute-show. Pufpaff ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt in Bonn.

Luisa Schröder