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Szene FiSH-Jury prominent besetzt
Thema Specials OZelot Szene FiSH-Jury prominent besetzt
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07:16 11.05.2017

Jytte-Merle, wie hat es sich ergeben, dass du beim Wettbewerb Junger Film mit in der Jury sitzt?

Jytte-Merle Böhrnsen: Mein Ehemann Tobias Wiemann ist ja Regisseur und viele Kurzfilme von ihm liefen bereits auf dem Festival: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ etwa (Anm. der Red.:

im Jahr 2006). Er hat dort auch moderiert, sich super mit dem Team verstanden und hat den Kontakt nie verloren. Die Organisatoren haben uns gefragt, ob wir uns nicht vorstellen könnten, als Paar in der Jury mitzuwirken. Die Idee gefiel uns und wir haben zugesagt.

Warst du eigentlich mal beim FiSH?

Nee, leider war ich nie dort und weiß alles nur über Erzählungen. Tobi fand es immer sehr lustig.

In diesem Jahr läuft auch sein aktueller Film „Amelie rennt“ beim Festival – im Rahmenprogramm „Sehsterne“. Da hast du auch mitgearbeitet, oder?

Ja, ich habe zusammen mit der Autorin Natja Brunckhorst am Drehbuch mitgearbeitet. Seit einigen Jahren bereits arbeite ich mit Skripten – als Ghost- oder Rewriterin, Skriptanalyse also. Bei „Amelie rennt“ bin ich jetzt das erste Mal offiziell als Autorin dabei.

Und inoffiziell? Hattest du , wie die Königinnen früher, auch bei den Werken deines Mannes die Hände mit im Spiel?

Ja, ein bisschen steckt da auch meine Handschrift drin. Wir ergänzen uns da. Umgekehrt kann ich mich auch immer mit ihm besprechen, wenn ich eine Rolle angenommen habe. Er betrachtet das ja auch aus einer ganz anderen Perspektive als ich.

Beim FiSH ist jetzt dein Urteil gefragt. Nach welchen Maßstäben bewertest du Filme? Was ist dir da wichtig?

Es gibt ja viele verschiedene Arten und Weisen, einen Film zu erzählen. Ich bin ganz gespannt darauf, was sich die jungen Filmemacher alles haben einfallen lassen. Die Innovation ist ganz wichtig, die Geschichte an sich natürlich. Es geht mir auch gar nicht darum, dass die schauspielerische Leistung professionell ist. Es kann ja auch laienhaft sein und trotzdem eine Wirkung erzielen. Mir geht es darum, dass der Film an sich rund ist. Ich bin gespannt, sehr offen und lasse mich gerne überraschen. Wenn mich ein Film überrascht, ist das schon mal gut. Er muss mir auch gar nicht unbedingt gefallen – aber beschäftigen. Da versuche ich, möglichst objektiv zu sein.

Hast du einen Lieblingsfilm?

Oh, da kann ich mich nicht festlegen. Tobias’ neuer Film „Amelie rennt“ gefällt mir tatsächlich super. Das ist ein Kinder-Abenteuerfilm und es geht um ein junges Mädchen, das schweres Asthma hat und nach Südtirol verfrachtet wird, um mal bessere Luft zu atmen. Sie ist total stur, flucht die ganze Zeit und hat überhaupt keinen Bock darauf, am Arsch der Welt zu sein. Sie haut dann ab und besteigt einen Berg mit Hilfe eines Jungen aus Südtirol. Die beiden erleben Abenteuer und wachsen am Schluss über sich hinaus.

Hattest du als Kind Lieblingsfilme?

„Apollo 13“ zählte mit dazu. Ich hatte das Gefühl, dass wir alle Entdecker sind und auch neugierig bleiben müssen, wenn die Mission scheitert. Man kommt zurück und nimmt was mit. Das ist für mich eine wichtige Botschaft dieses Films gewesen. Wahrscheinlich mag ich ihn auch deshalb, weil ich selbst ein sehr neugieriger Mensch bin.

Du selbst hast deine Schauspielkarriere nicht mit Filmen, sondern mit Theater begonnen und schon als Kind im Deutschen Schauspielhaus Hamburg auf der Bühne gestanden. Hast du als Jugendlicher auch bei freien Low-Budget-Produktionen mitgespielt, wie sie beim Rostocker Festival laufen?

Film habe ich erst mit 20 entdeckt. Da habe ich in Hamburg für die Hochschule für bildende Kunst einen Kurzfilm gedreht – „Knospen wollen explodieren“. Das war ein Low-Budget-Projekt, das bei Festivals aber sehr gut ankam. Da hab ich meine ersten Erfahrungen im Filmbereich gesammelt. Ich hab’ einige Filme im Low-Budget-Bereich gemacht. Wenn ein tolles Projekt daherkommt, dann ist es immer noch so, dass ich da mitmache. So war das etwa bei dem Film „Einmal bitte alles“, der parallel zum Fish beim Neiße Film Festival läuft. Das war eine Abschlussarbeit von Helena Hufnagel von der HFF in München. Von der Helena lief auch einmal ein Kurzfilm beim FiSH. „Einmal bitte alles“ ist eine Low-Budget-Produktion, bei der mir das Drehbuch einfach sehr gefiel und ich gerne mitmachen wollte. Im Juli 2017 kommt die Indie-Komödie übrigens ins Kino.

Das heißt, Geld spielt für dich eine untergeordnete Rolle?

Ich mache diesen Beruf, weil er mich glücklich macht und glücklich macht er dann, wenn ich tolle Geschichten erzählen kann. Ich habe ja eine Familie und eine gleichberechtigte Beziehung, da trägt man natürlich auch finanziell Verantwortung. Da geht man ab und zu Kompromisse ein. Aber in jeder Rolle, die ich annehme, finde ich immer was, das mich begeistert und herausfordert. Es geht mir in erster Linie immer ums Spielen.

Eine deiner ersten Fernsehproduktionen war eine Telenovela im Jahr 2004. Warum so ein Kontrastprogramm zur Theaterkarriere?

Es ging mir damals ums Spielen und die Rolle war toll – ein anfangs zickiges, dann aber immer weicher werdendes Teenage-Girl. Das war direkt nach dem Abi, nachdem ich schon Kurzfilme gedreht und bei Kunstprojekten mitgemacht hatte. Ich wollte eigentlich an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin studieren, habe mich aber gar nicht beworben, sondern stattdessen an dem Casting für diese Telenovela teilgenommen. Ich wurde genommen, wusste aber gar nicht, was da auf mich zukommt. Ich war gar nicht firm in der Fernsehwelt, wusste gar nicht richtig, was eine Telenovela eigentlich ist.

Was mich damals gelockt hat, waren die ganzen Theaterschauspieler, die da mitgemacht haben. Ich wurde da sehr herzlich aufgenommen und habe viel gelernt: Kameratraining, Disziplin, Auswendiglernen, auf den Punkt da sein. Das war eine harte Schule in diesen eineinhalb Jahren, weil auch nicht viel Zeit fürs Privatleben blieb.

Zwei der große Produktionen, bei denen du eine Hauptrolle gespielt hast, waren 2013 „Kokowääh 2“ und „Großstadtklein“. Bei beiden war Til Schweiger Produzent. Wie war es, mit ihm zusammenzuarbeiten? Bei „Kokowääh“ hat er ja auch Regie geführt.

Das erste Mal habe ich mit Til Schweiger beim Film „Schutzengel“ zusammengearbeitet. Er hatte vorher den Film „Dating Lanzelot“ gesehen. Da habe ich so eine Verrückte gespielt. Das hat ihm gefallen. Er liebt Film und arbeitet mit einer unglaublichen Begeisterung. Das Wunderbare an der Arbeit mit ihm ist, dass er weiß, was er will und trotzdem dankbar ist für gute Ideen.

Wie war es, mit ihm zusammenzuarbeiten?

Er hat sehr stark vertraut – vor allem auf mein Improvisationsvermögen. Samuel Finzi und ich spielen in „Kökowäh 2“ ja ein Paar. Samuel hat genau wie ich eine Improvisationsader und ist ein Theatertier. Wir funktionieren super zusammen.

Du spielst besonders häufig in Komödien mit. Bist du selbst ein humorvoller Mensch und ziehst Komödien den Dramen vor?

Ich bin ein fröhlicher und lebensfroher Mensch und bringe auch gerne andere zum Lachen. Ich mag aber Dramen und Komödien – oder Tragikomödien, eine Mischung aus beidem. Ich finde ja, dass in jedem Tragischen auch etwas Komisches liegt. Damit spiele ich gerne. Ich mag auch komische, überzogene Charaktere, und die sind in Komödien häufiger vertreten.

Bei „Großstadtklein“ hat dein Ehemann Tobias Wiemann Regie geführt. Wie war das? Läuft das bei euch unkompliziert ohne Streitereien?

Wir hatten uns auch erst davor gesträubt. Til wollte unbedingt, dass ich die Fritzi spiele. Er war ganz erstaunt, als er gehört hat, dass Tobi und ich schon seit längerem ein Paar sind. Wir haben dann zum Test erst einmal einen Kurzfilm zusammen gedreht und gemerkt, dass es funktioniert. Da haben wir uns dann an den langen Film gewagt und es lief alles super. Man muss in so einer Situation Distanz wahren, und das fällt uns beiden relativ leicht.

Tobias Wiemann ist ja in Greifswald geboren worden und in Torgelow aufgewachsen. Habt ihr Verwandte dort, die ihr öfter mal besucht? Kennst du MV besser?

Wir sind oft am Stettiner Haff. Da wohnen meine Schwiegereltern. Rostock kenne ich allerdings kaum und freu mich drauf, die Stadt kennenzulernen.

Ihr lebt in Berlin. Kannst du dir vorstellen, nach MV umzuziehen? Mit Kindern hat das ja Vorteile.

Momentan nicht, ich sage aber nicht nein. Als gebürtige Hamburgerin zieht es mich generell gen Norden.

Interview: Nele Baumann

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