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Werften 111-jährige Schönheit reist nach Saint Tropez
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14:42 27.04.2018
Mit großer Vorsicht wurde die „Pandora“ auf dem Trailer abgesetzt, gut verpackt und mitsamt Mast und Bäumen fest verzurrt. Quelle: Foto: Volker Stephan

Von der Barther Werft Rammin aus ging jetzt ein Traum von Segelyacht auf die weite Reise über Europas Straßen ans Mittelmeer. Die 111 Jahre alte „Pandora“ wird im exklusiven französischen Ferienort Saint Tropez einen Liegeplatz im Klassikhafen einnehmen. Nach Information von Bootsbaumeister Nils Rammin will der anonym bleibende Eigner mit seinem Schmuckstück zukünftig an Regatten vor der Côte d'Azur teilnehmen.

Mit einer Länge (über Deck) von 13,99 Metern, einer Wasserlinienlänge von 9,89 Metern, einer Breite von 2,88 Metern, einer Wasserverdrängung von 11 Tonnen sowie mit einer Segelfläche von 135 Quadratmetern weist die „Pandora“ alle charakteristischen Linien und Merkmale auf, die man bei einer noblen klassischen Segelyacht aus der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg erwartet. In der Werft Rammin ist sie während der letzten drei Monate entsprechend den Vorstellungen des Eigners stilgerecht überholt und regattatauglich gemacht worden.

„Wir hatten sie im Januar mit der Yachtspedition Uwe Schriever von Norwegen nach Barth überführt. In unserer Bootsbauhalle haben wir dann alles Mögliche daran getan - es war eine längere Liste abzuarbeiten“, berichtete Werftchef Nils Rammin. Unter anderem wären der Innenausbau und das Teakdeck überarbeitet worden. Der Rumpf und das Deck hätten neuen Lack erhalten, die Beschläge seien durch stilvollere aus Bronze ersetzt worden. Auch der Mast und die Bäume hätten nach dem Abziehen eine neue Lackierung erhalten. Außerdem haben unsere Bootsbauer den Spiegel wieder in den Originalzustand zurückversetzt“, schloss er seine Aufzählung. Den Wert nach der Überholung schätzte er auf etwa 160000 Euro.

Mit großer Vorsicht wurde die „Pandora“ vom Travel-Lift auf dem Trailer der Spedition Schriever abgesetzt, gut verpackt und mitsamt Mast und Bäumen fest verzurrt. „Drei Tage lang werde ich für die etwa 1700 Kilometer wohl benötigen“, meinte Heiko Frahm, der seit zehn Jahren Yachten zwischen Skandinavien und Portugal quer durch Europa transportiert. Wohin die Reise von Saint Tropez geht, wusste er noch nicht. Auf keinen Fall werde er die Rückfahrt nach Norden leer antreten. Im ungünstigsten Fall müsse er einige Tage am Mittelmeer auf Fracht warten. „Daran glaube ich aber weniger, denn im Herbst und Winter, als die Boote dort billig waren, haben sich erfahrungsgemäß viele Interessenten aus Deutschland, Holland oder Skandinavien zum Kauf entschlossen und ihre Boote auf den bis zum Frühjahr bezahlten Liegeplätzen belassen. Nun wollen sie ihre Neuerwerbungen nach Hause holen“, weiß er. Heute dürfte er mit seiner wertvollen Ladung in Saint Tropez eintreffen.

Hintergrund

Zum Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in mehreren Ländern Europas nationale Regattaszenen mit eigenen Einteilungen und Regeln für Bootsklassen. Bei den Gründungsverhandlungen für die „International Yacht Racing Union“ 1906 in London einigten sich die Segelfunktionäre der Verbände auf eine international gültige Rennwertformel, um die Yachten einheitlichen Klassen zuordnen zu können und so ein faires Wettsegeln zwischen ihnen zu ermöglichen. Diese „Meterformel“ hatte kurz zuvor der Kopenhagener Apotheker und Regattasegler Alfred Benzon entwickelt.

Mit der Option, sich später durch einen nachträglichen Kajütaufbau zur sportlichen Kreuzeryacht umrüsten zu lassen, sind diese Klassiker ursprünglich für das reine Regattasegeln konzipiert worden. Mit dem Komfort einer heutigen Segelyacht kann das Angebot im Inneren der wenigen erhaltenen Exemplare in keiner Weise konkurrieren. Dafür dürfte der Spaß am Segeln unbegrenzt sein.

Die 1907 auf der norwegischen Yachtwerft „Anker & Jensen Baatbyggeri“ am Oslofjord gebaute SY „Pandora“ wurde nach dieser Formel der Klasse 9mR zugeordnet.

Ihr Konstrukteur, der spätere Olympiasieger im Segeln (1912, 1928) Johan August Anker (1871 bis 1940), war in der Werft für die Entwürfe der Yachten zuständig, während Christian Jensen sich dem eigentlichen Bootsbau widmete. Anker hatte 1929 auch die heute noch sehr aktiven und zahlreichen Kielboote der „Drachen“-Klasse gezeichnet.

Volker Stephan

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