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Werften Der erste Blitzblank-Tank schwebt ein
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00:09 17.03.2018
Der erste von drei LNG-Tanks wird auf das Maschinenraum-Modul der „Costa Smeralda“ gesetzt. Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal
Rostock

Wie ein silberglänzender Zeppelin schwebt der hundert Tonnen schwere Koloss durch die Schiffbauhalle der Neptun Werft in Warnemünde. Was die Kran-Laufkatzen so mühelos unterm Hallendach herziehen, ist einer von drei Spezialtanks, mit der Costa Concierce Kreuzfahrtreisen umweltfreundlicher machen will. Das neue Flaggschiff der Reederei, die „Costa Smeralda“, wird mit Liquefied Natural Gas (LNG) betrieben. Der erste von drei Tanks für dieses Flüssigerdgas ist gestern in das Maschinenraum-Modul gesetzt worden.

LNG-Antrieb für „Costa Smeralda“: Neptun Werft bestückt Schiffsmodul mit Flüssiggas-Behälter

Von einer Plattform aus verfolgt Hardy Puls den Drahtseilakt, den der LNG-Tank direkt vor ihm vollführt. „Ein toller Anblick und ein ganz besonderer Moment“, sagt der Costa-Marketing-Manager begeistert. „Mit dieser Pioniertechnik brechen wir in eine neue, umweltfreundliche Ära der Kreuzfahrtgeschichte auf.“ Die „Costa Smeralda“ soll im Oktober 2019 zu ihrer Jungfernfahrt ablegen – als erstes LNG-Schiff der Costa-Flotte. Weil der Kreuzliner mit Flüssiggas statt Diesel fährt, würden Feinstaub- und Schwefeloxid-Emissionen nahezu vollständig vermieden, der Ausstoß von Stickoxiden und Kohlendioxid verringere sich drastisch, erklärt Puls. LNG sei der „sauberste“ fossile Kraftstoff der Welt.

Auf der Neptun Werft kann man gerade nur mit sehr viel Fantasie von umweltschonenden Kreuzfahrten auf dem Mittelmeer träumen. Ein schneidend kalter Ostwind pfeift durch die Montagehalle und zerrt am LNG-Tank, der sich jetzt langsam auf das Schiffssegment absenkt. „Doller dürfte es nicht wehen, sonst könnten wir den Tank nicht einsetzen“, sagt Projektleiter Mathias Kopitzki, der das Manöver gebannt verfolgt. Wenige Minuten später kann er aufatmen: Der glänzende Gasbehälter sitzt da, wo er sitzen soll. „Das hat perfekt geklappt und ging sogar schneller als ich gehofft hatte.“

Als Nächstes werden die Monteure den Tank mit dem Modul verschweißen. „Aber nur an einer Seite, damit er Spielraum hat“, erläutert Kopitzki. Der Tank müsse künftig enormen Temperaturschwankungen standhalten, sich ausdehnen oder zusammenziehen können. Das Flüssiggas, mit dem der Behälter betankt wird, ist minus 161 Grad Celsius kalt.

Der Tank ist ein Neptun-Werft-Eigenbau. Er besteht aus einem Stahlkern, auf den die Werftleute eine 35 Zentimeter dicke Schaumisolierung aufgespritzt haben. Zuvor aber musste der Behälter die Probe aufs Exempel bestehen: Um sicher zu gehen, dass später auf See kein Treibstoff-Tropfen ausläuft, wurde der Stahlkern mit gut 1500 Kubikmetern Wasser unter Druck gesetzt. Die Schweißnähte hielten, der Tank ist dicht. Kommende Woche wird er Gesellschaft bekommen: Zwei noch größere LNG-Tanks, jeder 160 Tonnen schwer und 34 Meter lang, werden links und rechts von ihm auf das Schiffssegment gesetzt. Hinzu kommen zunächst zwei der künftig vier Dual-Fuel-Motoren. Diese liefert der Neptun-Werft-Nachbar Caterpillar. „Jetzt geht’s hier Schlag auf Schlag“, sagt Projektleiter Kopitzki. Der Zeitplan ist ehrgeizig: Mitte Mai soll das Maschinenraum-Modul, im Fachterminus Floating Engine Room Unit (Feru) genannt, vor die Halle auf die Absenkvorrichtung geschoben werden. Dort wollen die Werftarbeiter ihren Job vollenden. Am 11. Juni könnte das selbstschwimmende Modul dann zur Meyer Werft im finnischen Turku überführt werden. „Wenn das Wetter mitspielt“, sagt Kopitzki.

Der Modulbau ist eine Herausforderung, denn die LNG-Tanks fordern deutlich mehr Platz, als es Diesel-Behälter brauchten, erklärt Hardy Puls. Das Flüssigerdgas nehme im Vergleich zum herkömmlichen Schiffstreibstoff fast doppelt so viel Volumen ein. Mit den 3620 Kubikmetern LNG, die in ihre drei Tanks passen, wird die „Costa Smeralda“ künftig gut 14 Tage auf See unterwegs sein können.

Erste Erfahrungen mit dem LNG-Tank-Bau hat die Neptun Werft Ende vergangenen Jahres gesammelt: Damals bestückten die Rostocker ein Schiffsegment der „Aidanova“ mit drei Flüssiggas-Behältern. Der Kreuzliner soll im Spätherbst auf Jungfernfahrt gehen. Sie ist, wie die „Costa Smeralda“, Teil des strategischen Plans der Carnival Corporation. Der Reisekonzern will in den kommenden Jahren sieben LGN-Schiffe bauen lassen und damit die Flotten von vier seiner zehn Kreuzfahrtmarken erweitern.

Für Costa Concierce arbeitet die Neptun Werft indes bereits am nächsten Öko-Kreuzliner: In der Montagehalle liegen erste Stahlelemente für einen LNG-Tank, der ab 2021 an Bord des „Costa Smeralda“-Schwesternschiffs in See stechen soll. Noch aber haben die Warnemünder Werftleute mit der „Smeralda“ alle Hände voll zu tun. Da heißt es ranklotzen – auch wenn der Ostwind eisig beißt.

Vielleicht wärmt die Vorfreude auf Urlaub unter der Mittelmeersonne: Kreuzfahrten mit der „Costa Smeralda“ sollen ab Frühling buchbar sein.

Italienisches Flair auf neuem Flaggschiff

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Gäste finden in den 2612 Kabinen der „Costa Smeralda“ Platz. Das neue und bis dato größte Flaggschiff der Costa-Flotte soll im Oktober 2019 erstmals in See stechen. Der Kreuzliner wird 337 Meter lang, 42 Meter breit und verfügt über 17 Passagierdecks. Der Kreuzliner wird von insgesamt vier Dual-Fuel-Motoren angetrieben, fährt mit dem Treibstoff LNG und wird mit einer Reisegeschwindigkeit von 17 Knoten unterwegs sein.

Die „Costa Smeralda“ bietet Kreuzfahrern viel Komfort: Ein Mailänder Architektenbüro hat die Passagierkabinen entworfen. Das Design der Decks ist von den italienischen Städten Palermo, Capri, Rom, Venedig, Florenz und Mailand sowie Bellagio inspiriert.

Die Lieferung des baugleichen und noch namenlosen Schwesterschiffes ist für 2021 geplant. Aktuell gehören 15 Schiffe zur Costa-Flotte, die unter italienischer Flagge auf über 140 verschiedenen Routen in 260 Destinationen fahren.

Antje Bernstein

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