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Werften Kreuzfahrtschiffe sollen nicht in Wismar ausgerüstet werden
Thema W Werften Kreuzfahrtschiffe sollen nicht in Wismar ausgerüstet werden
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01:08 24.02.2018

Findet die Endausrüstung der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt doch nicht in Wismar statt, sondern in Rostock? Es sieht danach aus: MV Werften schielt auf einen der neuen Anleger in Rostock-Warnemünde. Den könnte der Werftenverbund mit seinen Standorten in Wismar, Stralsund und Rostock gut für sein größtes Bauprojekt gebrauchen: seine 342 Meter langen Schiffe der „Global Class“. Die sollen ab diesem Jahr gebaut werden – alle Standorte liefern Segmente. Die Endausrüstung sollte in Wismar erfolgen (die OZ berichtete).

Es war klar, dass die Ausrüstung der Schiffe in Wismar nur bei aus- reichender Wassertiefe erfolgen kann.Thomas Beyer (SPD), Bürgermeister der Hansestadt Wismar Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal

Das Problem: Der Hafen und die Zufahrt zur offenen See sind zu flach für die Kreuzfahrt-Giganten, die der zum malayischen Genting-Konzern gehörende Werftenverbund bauen will. „Ja, die Endfertigung und die Endausrüstung der ,Global Class‘-Schiffe können unter den derzeitigen Bedingungen nicht in Wismar stattfinden“, sagt Stefan Sprunk, Kommunikationschef der Werften-Gruppe. Die Bundesregierung plant zwar den Ausbau der Fahrrinne – aber das kann noch Jahre dauern: „Zunächst brauchen wir die notwendige Unterhaltungsbaggerung, danach die Fahrrinnen-Vertiefung. Bis die Genehmigungsprozedur durch ist, werden wir die Endausrüstung an einem anderen Ort vornehmen. Das ist natürlich logistisch extrem aufwendig und zudem kostspielig.“

Der Ort der Wahl scheint Warnemünde zu sein: „Aktuell gibt es Gespräche, die Flächennutzung rund um das Werftbecken mit den technologischen Abläufen auf dem Werftgelände in Übereinstimmung zu bringen“, berichtet der Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) vielsagend. Werften-Sprecher Sprunk wird konkreter: „Mit der Stadt gab und gibt es sehr intensive und konstruktive Gespräche.

Für unsere Ausrüstungspartner und uns selbst sind kurze Wege zum Schiff entscheidend.“ Und ja: „Eine Lösung wäre eine Endausrüstung der ,Global Class‘-Schiffe an unserer Kaikante in Warnemünde. Wenn eigene Kapazitäten dort nicht ausreichen, wäre eine städtische Kai-Anlage natürlich lukrativ.“ Dem steht aus Sicht der Stadt nichts im Weg: „Die Nutzung öffentlicher Anlieger steht vom Grundsatz her allen Interessenten offen“, betont Roland Methling. Start für den bis zu 80 Millionen Euro teuren Bau des neuen Kreuzfahrt-Hafens soll noch in diesem Jahr sein.

Wie Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) betont , sei es klar gewesen, dass die Ausrüstung der Schiffe in Wismar nur bei ausreichender Wassertiefe erfolgen kann und die ersten Schiffe daher nicht in der Hansestadt Wismar ausgerüstet werden können. Dafür seien noch Vertiefungsarbeiten nötig. Zunächst gehe es aber erst einmal um die Unterhaltungsbaggerung, die müsse nun zügig erfolgen und würde von der Stadt unterstützt. „Im Anschluss daran geht es natürlich auch um die Fahrrinnenvertiefung, die auch für unseren Seehafen von großer Bedeutung ist“, betont Beyer. Die Maßnahme dauere seine Zeit, das Planfeststellungsverfahren müsse sauber durchgeführt werden. „Schlussendlich werden alle drei Standorte von der Entwicklung von MV Werften profitieren und diese auch befördern“, betont Beyer. Deshalb gäbe es auch einen engen Schulterschluss der beteiligten Stadtchefs.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Rostocker Oberbürgermeister sogar Branchen-Kenner mit der Aussage überrascht, dass einer der geplanten neuen Anleger am Warnemünder Werftbecken für Schiffe mit einer Länge von 400 Metern ausgelegt werden soll. So große Kreuzfahrer gibt es bisher aber noch nicht: „Aber beim Umbau des Werftbeckens sollten wir auch berücksichtigen, dass der Bau solch großer Schiffe bereits geplant ist“, so Methling. Als die Genting-Gruppe im Juni 2016 die Warnemünder Werft übernahm, wollte sie einen Teil davon sofort los werden – den Bereich um das sogenannte Werftbecken. Die Hansestadt schlug zu, legte nach einer Eilentscheidung der Bürgerschaft fast fünf Millionen Euro auf den Tisch und sicherte sich so den Platz für ein dringend benötigtes zusätzliches Kreuzfahrt-Terminal. Eineinhalb Jahre später könnte es aber nun die sprichwörtliche „Rolle rückwärts“ geben – zumindest für einen Teil des Areals.

Nachdem in Wismar bereits die ersten Flusskreuzfahrtschiffe von den MV Werften abgeliefert wurden und in Stralsund der Bau der so genannten „Endeavor“-Klasse begonnen hat, ist nun auch der Standort Warnemünde dran: „Anfang März starten wir mit dem Brennbeginn für Global 1 in Wismar und in Rostock“, sagt Werften-Sprecher Stefan Sprunk. Genau wie in Wismar wird dann die derzeitige Kurzarbeit sukzessive wieder hochgefahren.

1800 Beschäftigte zählen die drei Standorte derzeit, 3000 sollen es in Zukunft werden. Sprunk weiter: „Die Rekrutierung von Fachpersonal gelingt sehr gut, über 400 Einstellungen gab es allein 2016. In diesem Jahr werden es besonders in der Fertigung deutlich mehr.“ Gestern haben 21 junge Azubis ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Die 15 Konstruktionsmechaniker, fünf Anlagenmechaniker und ein Industrieelektriker werden übernommen und haben feste Arbeitsverträge bekommen. Derzeit lernen 160 Azubis und 23 Dualstudenten bei MV Werften.

In Wismar hat die Werft bereits einige Bauprojekte angeschoben: Ab März soll hier Segmente für das erste 340 Meter lange Kreuzfahrtschiff gefertigt werden. Für die Mitarbeiter entsteht zudem eine eigene Unterkunft. Es gibt eine neue Werftzufahrt und eine weitere Anbindung vom Gewerbegebiet Dammhusen. Dort hat sich 2017 die Kabinenfertigung angesiedelt. Neuer Nachbar wird ein Kabelproduzent, der für das Unternehmen MV Werften arbeiten will. Da die Mitarbeiterzahl rasant steigen soll und Unterkünfte in Wismar rar sind, ist außerdem eine Mega-Unterkunft im Gespräch: Ein ausrangiertes Kreuzfahrtschiff könnte in der Hansestadt die neue Unterkunft für die Werftmitarbeiter werden (die OZ berichtete).

Andreas Meyer und Kerstin Schröder

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