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„Allergien sind die Kobolde unter den Krankheiten“

Rostock „Allergien sind die Kobolde unter den Krankheiten“

Medigreif-Chef Dietmar Enderlein im OZ-Interview über das Reha-Land MV

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Krankenschwester Marie-Luise Eggert misst bei einem jungen Mann in der Fachklinik für Kinder- und Jugendmedizin Heringsdorf das Lungenvolumen.

Quelle: Foto: Ewert

Rostock. Warum ist MV so ein beliebtes Land für die Rehabilitation?

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Medigreif-Chef Dietmar Enderlein im OZ-Interview über das Reha-Land MV

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Dietmar Enderlein: Wir haben hier in Mecklenburg-Vorpommern Bedingungen, die andere Bundesländer nicht haben. Da ist zum einen die Nähe zum Strand und damit verbunden ein Reizklima, das jedoch nicht so intensiv wie an der Nordsee ist. Ich sage zu unseren Patienten: ,Stellen Sie sich ans Fenster und atmen Sie tief ein.’ Die Seeluft ist nicht nur gut für die Atemwege, sie hilft auch bei Burnout-Erkrankungen. Ein Spaziergang am Strand tut Körper und Seele gut. Aber auch im Binnenland haben wir gute Luft dank geringer Umweltbelastung.

Können davon auch Allergiker profitieren?

Allergien sind die Kobolde unter den Krankheiten: Man bekommt sie leicht, wird sie aber nur schwer wieder los. Pollen-Allergiker können bei uns im Norden ein wenig aufatmen, denn zumindest bei auflandigem Wind gibt es nur wenig Pollen. Allergiker mit Hautproblemen verschafft die besondere Zusammensetzung des Meerwassers Linderung, da sie einen heilsamen Reiz darstellt. Aber das kann nur eine Nachsorge sein: Wichtig ist es bei Allergien vor allem, die Ursachen zu finden und mit dem Hausarzt die richtige Therapie zu finden.

Wie geht es der Reha-Branche im Land?

Unsere Häuser sind derzeit zu 100 Prozent ausgelastet und ich weiß, dass das derzeit auch bei vielen anderen so ist. Unser Land ist als Reha-Standort bundesweit beliebt: Nur 23 Prozent unserer Patienten kommen aus MV – obwohl eigentlich mit dem Gesetz zur Regionalisierung 1996 vorgegeben wurde, dass Patienten im eigenen Bundesland zur Reha gehen sollen. Wir haben auch Patienten aus Österreich und der Schweiz. Hinzu kommt, dass mit dem Flexirentengesetz seit diesem Jahr Kinder und Jugendliche öfter Reha-Maßnahmen in Anspruch nehmen können als früher. Zuvor waren Kinderkuren um 30 Prozent zurückgegangen.

Lässt sich daraus schließen, dass es der Branche gut geht?

Viele Kliniken kommen gerade so auf eine schwarze Null. In Deutschland geben wir jedes Jahr 340 Milliarden Euro für die Gesundheit aus. Aber nur ein kleiner Teil davon geht in die Reha. Pro Patient erhalten wir von den Rententrägern einen Tagessatz von 120 bis 130 Euro. Davon müssen wir die Behandlungen, die Löhne unserer Mitarbeiter und die gesamte Infrastruktur bezahlen. Um international konkurrenzfähig zu sein, müssen Sie aber nicht nur gute Medizin bieten, sondern auch regelmäßig in neue Klinikbetten, Mobiliar, Heizungstechnik, Küchen oder Pysiotherapie-Geräte investieren. Dafür bräuchten wir 25 bis 30 Euro mehr.

Und wo sollen die herkommen?

Wenn die Politik in MV die Gesundheitswirtschaft genauso konsequent fördern würde wie den Schiffbau, hätten wir stabile Einrichtungen mit vielen sicheren Arbeitsplätzen. Denkbar wären etwa Stützungsmaßnahmen für Sanierungen und Neuanschaffungen. Hier muss im Land ein Umdenken passieren. Zumal Reha auch der übrigen Wirtschaft nützt: So gibt etwa jeder unserer Patienten während einer Kur in Heringsdorf im Ort noch einmal 178 Euro für Eis, Getränke oder Mitbringsel aus.

Kann das Geld nicht auch von den Patienten kommen? Für schönen Urlaub wird ja auch mehr gezahlt…

Wir haben eine Erhebung unter 9000 Patienten gemacht: 52 Prozent haben gesagt, sie würden für einen Gesundheitsurlaub bis zu 2000 Euro selber zahlen. Wir müssen auch etwas tun: Die Belastungen durch Umwelt und Beruf nehmen immer mehr zu. Die Lebenserwartung steigt und damit auch die Anfälligkeit für Alterskrankheiten. Und in MV haben wir die dicksten Kinder, die meisten Alkoholiker und die meisten krankheitsbedingten Ausfalltage im Beruf.

Mit Experten im Gespräch

3 Leserforen im Rostocker Medienhaus bietet die OZ zur Serie „Fit & Gesund“.

Heute heißt es ab 18 Uhr:

„Das Kreuz mit dem Kreuz – wann ist eine Operation unumgänglich?“ Es gibt noch freie Plätze!

Am 23. März spricht Sportwissenschaftler Felix Klemme darüber, welcher Sport Sinn macht.

Am 27. März geht es um die Frage: „Ist Diabetes Typ 2 heilbar?“ Dieses Forum ist bereits ausgebucht. Einlass für die OZ-Leser-Foren ist 17. 15 Uhr bzw. am 23. März ab 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Bitte melden Sie sich an unter: ☎ 0381/365122 !

Interview: Axel Büssem

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OZ-Leserforen

21. März ab 18 Uhr: Thema Rückenleiden
„Das Kreuz mit dem Kreuz – wann ist eine Operation unumgänglich?“ Über Rückensünden im Alltag, Probleme bei Eingriffen an der Wirbelsäule und OP-Gründe sprechen Top-Chirurgen: Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier von der Unimedizin Rostock und Dr. Jan-Uwe Müller, Leitender Oberarzt am Uniklinikum Greifswald.

23. März ab 18 Uhr: Thema Diät
Sportwissenschaftler Felix Klemme ist zu Gast. Der durch die TV-Doku-Serie „Extrem schwer – Mein Weg in ein neues Leben“ bekannte Buchautor zeigt, wie Kilos purzeln und welcher Sport Sinn macht. Dann werden Gästefragen beantwortet.

27. März ab 18 Uhr: Thema Diabetes
Die Frage lautet: „Ist Diabetes Typ 2 heilbar?“ Dr. Philip Michel, Facharzt für Ernährungs- und Sportmedizin, verspricht, dass die Stoffwechseltherapie enorme Verbesserungen bewirkt. Prof. Dr. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg, erläutert die Sicht der Diabetes-Profis.

Einlass für die OZ-Leser-Foren in Rostock, R.-Wagner-Straße 1a, ist ab 17. 15 bzw. am 23. März ab 17.30 Uhr.
Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung unter ☎ 03 81 / 365 122 wird gebeten, da die Platzkapazität begrenzt ist.