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14 Millionen Euro verbaut: BDH-Klinik ist nun größer

Greifswald 14 Millionen Euro verbaut: BDH-Klinik ist nun größer

Das Zentrum verfügt über 190 Betten für Schwerstkranke

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Assistenzarzt Christopher Wirtz (li.) sowie Gesundheits- und Krankenpfleger Erik Siebert freuen sich über die moderne Ausstattung der BDH-Klinik.

Greifswald. Laufen trotz kompletter Querschnittlähmung. Seit zwei Jahren steht Marcus Kietzer wieder auf eigenen Füßen, obwohl ihn ein Skiunfall 2010 an den Rollstuhl fesselte. „Ich war damals 22 Jahre alt“, sagt der Sportwissenschaftler, der jegliche Art von Frust oder gar Depression über sein Schicksal vermissen lässt. Beim Tag der offenen Tür in der BDH-Klinik Greifswald zeigte der gutgelaunte Gast aus Jena am Sonnabend Patienten und Gästen des Hauses, was moderne Medizin im Zusammenspiel mit innovativer Technik und hoher Motivation heute möglich machen.

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Das Zentrum verfügt über 190 Betten für Schwerstkranke

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Anlass dieses Tages mit vielen Informationsangeboten war die feierliche Eröffnung des Erweiterungsbaus. Für 14 Millionen Euro wurde die Kapazität des Zentrums zur Behandlung schwerst schädelhirngeschädigter und querschnittgelähmter Patienten sowie für Beatmungs- und Intensivmedizin um 34 Betten erhöht. „Damit verfügt die BDH-Klinik jetzt über 190 Betten, davon 83 für Akutpatienten“, sagt der Ärztliche Direktor Professor Thomas Platz. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützte nicht nur die im August 2015 begonnenen Bauarbeiten mit sieben Millionen Euro. Es gab laut Platz auch den Impuls für diese zukunftsgerichtete Erweiterung. Mit Hilfe der Investition sei es möglich gewesen, „die Klinik neu zu denken und komplett umzustrukturieren“, sagt der Chefarzt.

Bereiche für die Behandlung Querschnittsgelähmter etwa – bislang auf drei Stationen verteilt – konnten zusammengefasst werden. Analog habe es Veränderungen in der Abteilung für Frührehabilitation gegeben. Dank der Greifswalder HWP Planungsgesellschaft komme das Haus „ohne Schnickschnack aus und bietet stattdessen das Notwendige in höchster Qualität“, würdigt Professor Platz den leitenden Architekten Christoph Probst. Das Büro betreut die BDH-Klinik, die vor 19 Jahren am Karl-Liebknecht-Ring eröffnet und mehrfach erweitert wurde, seit nunmehr über 20 Jahren.

Eine Klinik, „in der Ärzte, Pflegende und die Therapeuten der einzelnen Disziplinen Hand in Hand arbeiten“, lobt BDH-Vorsitzende Ilse Müller die Leistungen der knapp 400 Mitarbeiter des Hauses, darunter auch Teilzeitkräfte. „Und wir wollen noch weitere Fachkräfte binden“, sagt Roger Gierczak, neuer Geschäftsführer der Greifswalder Klinik. Worte, bei denen die Mitarbeiter hellhörig werden, wie etwa Christopher Wirtz. Der junge Assistenzarzt freut sich, seit Januar in dieser modern ausgestatteten Klinik zum Team zu gehören. Er merkt aber auch kritisch an: „Mehr Fachärzte und mehr voll ausgebildete Pflegekräfte im Haus wären sinnvoll.“

Ein offenbar problematisches Thema, wie Ilse Müller verdeutlicht: „Einerseits fordern Politik und Kostenträger mehr Personal und Zeit für die Patienten, behindern die Krankenhäuser aber mit immer neuen Bürokratielasten, die Zeit für die Patienten entziehen und Geld kosten“, so die Vorsitzende des BDH-Bundesverbandes Rehabilitation, zu dem deutschlandweit fünf Kliniken gehören. Und weiter kritisierte sie: „Von den Krankenhäusern werden Leistungssteigerungen durch Spezialisierung erwartet, Leistungszuwächse aber im Vergütungssystem mit erheblichen Abschlägen bedacht.“

Von derlei Auseinandersetzungen, da waren sich am Tag der offenen Tür alle einig, sollen die Patienten im Haus möglichst nichts mitbekommen. Für sie hat oberste Priorität, wieder mobil zu werden, um daheim den Alltag gut zu meistern.

Simone Reinhard aus Bremen, die aufgrund von Rückenmarktumoren eine Nervenschädigung erlitt, deshalb jetzt im Rollstuhl sitzt und seit August in Greifswald behandelt wird, fand deshalb Interesse an den vielen Informationsangeboten. Die 45-Jährige nutzte auch die Chance, mit Marcus Kietzer über das „Rewalk System“ ins Gespräch zu kommen. Dieses tragbare Roboter-Exoskelett ermöglicht dem 30-Jährigen nämlich den aufrechten Gang. „Ich nutze es seit zwei Jahren, aber nicht ganztägig“, sagt er. Hauptfortbewegungsmittel sei für ihn der Rolli. Mit dessen Hilfe habe er bis vor kurzem als Profi Basketball gespielt. In Kürze werde er als Sporttherapeut arbeiten: „Auch mit Querschnittlähmung ist nahezu alles möglich.“

BDH-Klinik Greifswald

Die 1998 eröffnete Klinik vereint Akutkrankenhaus und Rehabilitationszentrum unter einem Dach. Sie ist ein Schwerpunktzentrum zur Frührehabilitation und Rehabilitation schwerst schädelhirngeschädigter Patienten und für die Behandlung querschnittgelähmter Patienten für ganz MV. Darüber hinaus können beatmete Patienten auf der Weaning-Station behandelt und im Anschluss in der fachübergreifenden und neurologischen Frührehabilitation weiter versorgt werden. Mit der Universitätsmedizin Greifswald in unmittelbarer Nachbarschaft besteht eine umfangreiche Kooperation.

Petra Hase

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