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Greifswald 150 oder 200 Euro? Höhe der Krippen-Beiträge ab Januar unklar
Vorpommern Greifswald 150 oder 200 Euro? Höhe der Krippen-Beiträge ab Januar unklar
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11:30 12.12.2017
Haben viel Spaß in ihrer Kita: die Lütten der Kita Zwergenland. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Ab 2018 sollen Eltern bei den Kosten für einen Krippen- und Kindergartenplatz (außer Vorschuljahr) um monatlich 50 Euro entlastet werden. So hat es die Landesregierung angekündigt und soll es der Landtag kommenden Mittwoch während seiner Haushaltsverhandlungen beschließen. Alexander Kujat, Pressesprecher des Sozialministeriums, beteuert, dass die Umsetzung pünktlich zum Januar 2018 startet. 

Krippe ganztags maximal 150 oder 200 Euro?

Unklar ist in Greifswald derzeit noch, ob die Eltern von Krippenkindern dann monatlich maximal 200 Euro zahlen oder maximal 150 Euro? Beides scheint möglich, je nachdem, welches Rechenmodell man verwendet. Denn schon jetzt werden die Elternbeiträge bezuschusst. Einmal gibt es den 100-Euro-Entlastungsbeitrag des Landes, der nun ab Januar auf 150 Euro steigt. Dann gibt es noch Mittel, mit denen die Hansestadt besonders teure Krippenplätze bezuschusst, um Eltern zu entlasten. Das Entgegenkommen der Stadt wurde auf Initiative der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft durchgesetzt. Diese Extraregelungen aus verschiedenen Finanztöpfen haben zur Folge, dass Eltern mitunter gar nicht so recht wissen, was ihr Krippenplatz tatsächlich kostet. Abgezogen werden vom Konto derzeit maximal 200 Euro monatlich. 

Von diesem Betrag soll man nun weitere 50 Euro abziehen, erklärt Ministeriumssprecher Alexander Kujat. Das sei die Idee des neuen Gesetzes. Auch Achim Lerm, Geschäftsführer des städtischen Kita-Eigenbetriebes Hansekinder, interpretiert die Entlastungsmodelle so, dass ab Januar maximal 150 Euro pro Krippenplatz vom Konto abgebucht werden. 

Stimmt nicht, sagt hingegen SPD-Bürgerschaftsmitglied Erik von Malottki. Er ist überzeugt, dass erst das Land den 150-Euro-Zuschuss zahlt und die Stadt danach die restlichen Kosten bis zur 200-Euro-Grenze übernimmt. Der SPD-Politiker hatte sich vor einem Jahr die ganze Sache mit dem städtischen Zuschuss für die Kitaplätze einfallen lassen. Die Mittel hierfür stammen aus dem gescheiterten Betreuungsgeld des Bundes und werden noch bis Ende 2018 gezahlt. Danach sind die Gelder Geschichte und damit auch die städtischen Zuschüsse für Krippenplätze. Derzeit profitieren mehr als 300 Krippenkinder in 21 Greifswalder Einrichtungen von dieser Unterstützung. 185000 Euro lässt sich die Stadt die Hilfe in diesem Jahr kosten. 

Elternbeiträge steigen ab Januar 2019 deutlich

Doch wie geht es nun im Januar 2018 weiter? Im Bürgerschaftsbeschluss vom Oktober 2016 ist wörtlich davon die Rede, dass die Stadt die Kitabeiträge auf maximal 300 Euro deckelt. Heißt: Die Landesvergünstigungen werden erst nach der städtischen Deckelung abgezogen. Diese Formulierung könnte der SPD nun zum Verhängnis werden. Als Erik von Malottki seine Deckelungspläne den Gremien der Bürgerschaft vorstellte, sprach er stets davon, dass die Entlastung des Landes langfristig die städtische Deckelung ersetzen soll. Da die Mittel aus dem gescheiterten Betreuungsgeld nach 2018 wegfallen, war klar, dass es sich um eine Zwischenlösung zur Entlastung der Eltern handelt. Fatal fände von Malottki die jetzige Entlastung auf 150 Euro, weil den Eltern damit im kommenden Jahr eine recht drastische Steigerung ins Haus steht. 

Nehmen wir das Beispiel der Kita Zwergenland: Derzeit kostet ein Krippenplatz ganztags 200 Euro. Würde es die städtische Deckelung nicht geben, wären es ab Januar 264,10 Euro. Unabhängig davon, ob die Eltern ab Januar nun 150 oder 200 Euro monatlich zahlen, steigen die Beiträge zum 1. Januar 2019 auf mindestens 214,10 Euro. Guckt man sich die durchschnittlichen Preissteigerungen in den vergangenen anderthalb Jahren an (siehe Tabelle), scheint wahrscheinlich, dass die Kosten noch drastischer steigen. „Das wäre auf einen Schlag eine immense Mehrbelastung“, gibt von Malottki zu bedenken. Er präferiert daher, dass die Eltern weiterhin die gewohnten 200 Euro zahlen. Die Summe, die die Stadt auf diese Art und Weise einspart, fließt dann automatisch in die sogenannten Kita-Budgets. Auch das hat die Bürgerschaft im Oktober 2016 beschlossen. Damals rechneten die Bürgerschaftsmitglieder damit, dass nach der finanziellen Unterstützung für die Eltern noch Geld übrig bleibt. Dieses sollte in die Verbesserung der Qualität investiert werden. Spielzeug, Spielgeräte, Ausflüge, Kurse mit externen Betreuern - all das hätte von dem Geld finanziert werden sollen. 

Kein Geld mehr übrig für Qualität in Kitas

Doch aus diesem Traum wurde nichts. Denn wie Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) mitteilt, wurde das gesamte Geld für die Kitadeckelung benötigt. Die ursprüngliche Kalkulation hat sich nicht bewahrheitet, weil die Kosten in den Kitas im vergangenen Jahr teils deutlich gestiegen sind.

Katharina Degrassi

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