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276 Haushalte vom Strom abgeklemmt

Greifswald 276 Haushalte vom Strom abgeklemmt

Die Linke verurteilt Energiepreiserhöhung. Stadtwerke bieten individuelle Beratung an.

Greifswald. Auf Teilhabe am kulturellen Leben können Menschen mit geringem Einkommen notfalls verzichten. Auf Energie kaum. Dennoch haben die Stadtwerke Greifswald im vorigen Jahr 276 Haushalte bzw. Gewerbetreibende vom Strom abgeklemmt. Der Grund: ausbleibende Zahlungen. 2011 gab es gar 310 Betroffene. Dabei liegen „die durchschnittlichen Zahlungsrückstände bei Privathaushalten zwischen 100 und 250 Euro“, sagt Unternehmenssprecherin Steffi Borkmann auf OZ-Nachfrage.

Für die Linken in der Hansestadt ein aktuelles Thema. Zumal die jüngste Strompreiserhöhung von saftigen sieben Prozent erst sechs Wochen zurückliegt, mit weiteren negativen Auswirkungen in diesem Jahr also zu rechnen sei. „Die Energiearmut ist ein sehr ernst zu nehmendes Phänomen“, sagt Rudi Duschek, lange Jahre Bürgerschaftsmitglied und in der Partei noch immer aktiv. Ein Leben ohne Heizung, ohne warmes Wasser, Licht und die Möglichkeit, eine Mahlzeit zu kochen, sei menschenunwürdig. Doch steigende Energiepreise bei sinkenden Einkommen verschärften die Armut weiter. „Hier versagen selbst die sozialen Sicherungssysteme, wie die unzureichende und viel zu langsame Hartz IV-Regelanpassung“, kritisiert er. Während das Mietrecht noch relativ hohe Hürden bei Wohnungsräumungen vorsehe, seien Stromsperren rechtlich völlig unterreguliert und würden ohne Gerichtsbeschluss vollzogen. „Das ist eine stille soziale Katastrophe“, klagt Duschek an.

Berndt Frisch, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Hansestadt, sieht das ähnlich. Deshalb und wegen der für die Zukunft prognostizierten Altersarmut in unserer Region hatte die Interessenvertretung den Stadtwerke-Geschäftsführer André Dreißen zum Gespräch gebeten. Doch seine Worte beruhigten die Senioren wenig.

Schon jetzt werde rund die Hälfte des Strompreises von staatlichen Abgaben und Steuern bestimmt, so Dreißen. Die andere Hälfte mache die Produktion bzw. die Beschaffung des Stroms und die Netznutzungsentgelte für die Stromnetze und Zähler aus. Die Preispolitik der Stadtwerke sei von Kontinuität und Fairness geprägt. „Wir verzichten auf tolle Lockangebote, die Preishopper ansprechen, sich aber bald als Mogelpackung herausstellen können“, betont Dreißen und will Kunden langfristig mit fairen Preisen und gutem Service binden. Dennoch räumt er ein, dass es in Greifswald hunderte Haushalte gebe, „die Probleme haben, ihre Energierechnung zu bezahlen“. Diese würden vom Kundenzentrum individuell betreut und beraten. 2011 seien auf diese Weise 616, im Vorjahr 677 Ratenvereinbarungen getroffen worden. Eine Einführung von Sozialtarifen für Energiepreise, wie sie die Linken und der Seniorenbeirat anregten, lehnt Dreißen aber ab: „Kommunal kann nicht geheilt werden, was auf Bundesebene zu regeln ist“, stellt er klar.

Petra Hase

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