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Greifswald 60 000 Anrufe und fünf Strafanzeigen
Vorpommern Greifswald 60 000 Anrufe und fünf Strafanzeigen
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00:01 22.03.2016

Fast 60 000 Mal haben Einwohner und Urlauber in Vorpommern-Greifswald im vergangenen Jahr die Notruf-Nummer 112 gewählt. Meistens mussten Rettungsdienst und Feuerwehr danach zu wirklichen Notfällen ausrücken — beispielsweise wegen Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Bränden. Doch zuweilen sind die Anlässe für Notrufe weniger dramatisch:

„Tierrettung machen wir manchmal auch“, sagt Kreis-Sprecher Achim Froitzheim: Neben dem „Klassiker“ — der auf den Baum gekletterten Katze, die sich alleine nicht mehr heruntertraut — tauchen in mancher Feuerwehr-Statistik auch Einsätze zur Befreiung festgefrorener Schwäne auf.

Doch obwohl solche Fälle eigentlich nichts für die „112“ sind, erstatten die 26 Mitarbeiter der Rettungsleitstelle nur selten Strafanzeigen wegen Notruf-Missbrauchs. „Circa fünf“ Anrufer habe man im vergangenen Jahr bei der Polizei angezeigt, berichtet Sandra Schacht, die stellvertretende Leiterin des Eigenbetriebs Rettungsdienst. Denn „wenn Personen sich nur einen Jux machen oder im alkoholisierten Zustand“ vielleicht nur die Zahl ihrer konsumierten Getränke mitteilen wollen, ergänzt Kreis-Sprecher Froitzheim, kenne die Leitstelle keinen Spaß. Und dann kann es für die Anrufer sehr teuer werden, bestätigt Martin Cloppenburg, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stralsund — schließlich gelte Notrufmissbrauch nicht mehr als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Und für die sehe das Gesetz „eine Geldstrafe von bis zu einem Monatseinkommen oder in Extremfällen bis zu einem Jahr Haft“ vor.

Ungeachtet dieser Strenge gibt es offenbar bundesweit einen Trend zum Notruf-Missbrauch aus Hilflosigkeit: Nach Recherchen des Norddeutschen Rundfunks etwa ist in Niedersachsen beinahe jeder zweite 112-Anruf kein Fall für die Rettungsleitstelle. So hofften manche auf Beistand, weil ihre dritten Zähne in die Toilette gefallen waren. Oder die Müllabfuhr die volle Tonne vor dem Grundstück hatte stehen lassen. Wie häufig solche Anrufe in Vorpommern-Greifswald sind, ist unbekannt — es gebe darüber keine Statistik, sagt Vize-Betriebsleiterin Schacht.

Unterdessen bereitet sich die Leitstelle auf eine Erweiterung ihrer Zuständigkeiten vor: Im April fällt der offizielle Startschuss für ein vom Bundesverkehrsministerium mit 350000 Euro gefördertes Modellprojekt, bei dem es um die „langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität der Bürger“ im ländlich geprägten Landkreis geht. Dabei soll die Leitstelle beispielsweise Fahrten von Patienten zu niedergelassenen Ärzten koordinieren oder mit Anrufsammelfahrten Dorfbewohnern ohne eigenen Pkw die Nutzung von Freizeit- und Beratungsangeboten in den Zentralorten ermöglichen.

Dafür jedoch müsse die Mitarbeiterzahl aufgestockt werden; um wie viel, ist laut Froitzheim noch unklar. Für das bis Juni 2018 laufende Projekt arbeitet der Kreis mit der Uni Greifswald und dem Technologiezentrum Vorpommern zusammen.

Von Siegfried Denzel

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