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Greifswald 91-Jähriger löst Rätsel um Munitionsfund
Vorpommern Greifswald 91-Jähriger löst Rätsel um Munitionsfund
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00:06 21.02.2015
Werner Nikolay (91) zeigt ein Modell der Focke Wulf 190, für die er im Zweiten Weltkrieg als Techniker verantwortlich war. Quelle: Peter Binder

Das Rätsel um die Geschossreste in der Vulkanstraße ist gelüftet. Am Donnerstag bargen Experten des Munitionszerlegungsbetriebs Mellenthin 98 Mörsergranaten (die OZ berichtete).

Gestern meldete sich Werner Nikolay (91). „Ich habe auf dem Gelände kurz nach dem Krieg für die Firma Jagdmann gearbeitet. Uns wurde auch Munitionsschrott geliefert, den wir dann einschmolzen“, erzählt der Rentner.

Aus dem Material fertigten Nikolay und seine Kollegen unter großer Anstrengung beispielsweise Herdplatten oder Teile für Schiffsmotoren. Dazu wurde alle zwei Wochen sogenannter Grauguss hergestellt, indem Granaten und anderer Kriegsschrott in zwei Schachtöfen eingeschmolzen wurden. „Es war ein komisches Gefühl, mit Munition zu hantieren. Auch wenn die Zünder fehlten“, sagt der Maschinenbauingenieur. Woher der Kriegsschrott stammte, wisse Nikolay nicht.

Die Arbeit bei der Firma Jagdmann war die erste, die der gebürtige Lühmannsdorfer nach dem Zweiten Weltkrieg bekam. Er fuhr auf dem Rad auch zu Kunden in ganz Greifswald und reparierte in Müllereien, Fleischereien oder bei Fischern die Maschinen. An seine Kriegsgefangenschaft kann sich Werner Nikolay noch gut erinnern. „Ich war beim Jagdgeschwader Richthofen als Flugzeugbauer tätig. Dort kümmerte ich mich um die Focke Wulf 190“, beschreibt Nikolay seine Aufgabe. Als das Kriegsende absehbar war, wurde die Fliegerstaffel nach Deutschland verlegt. Nikolay geriet am 1. Mai 1945 in Bad Tölz (Bayern) für einen Monat in amerikanische Gefangenschaft. Sein Fachwissen als Flugzeugbauer war begehrt. So erhielt er den Auftrag, deutsche Maschinen zu demontieren. Als Gegenleistung durfte er schließlich zu seiner Tante nach Celle (Niedersachsen), von wo aus Nikolay sich nach Greifswald durchschlug. „Ich wollte mein Elternhaus wiedersehen. Deswegen bin ich das Risiko eingegangen, die Grenze zum sowjetischen Sektor illegal zu überqueren.“ Dann bekam Nikolay die Arbeit bei Jagdmann. „Dort wieder mit Kriegsmunition in Kontakt zu kommen war schon komisch. Die Erinnerungen an diese Zeit kamen gleich wieder hoch.“ Noch heute sind die Eindrücke gegenwärtig, auch wenn sie 70 Jahre zurückliegen. „Wenn ich sehe, wie die Gewalt in der Welt zunimmt, macht mich das wütend. Die Menschheit lernt nichts dazu“, sagt Nikolay kopfschüttelnd. Nach der Zeit bei Jagdmann entschied er sich für die Pädagogik und war bis zur Rente 1990 als Berufsschullehrer in Grimmen und Greifswald tätig. Eigentümer des Grundstücks ist Sebastian Braun. Er hat nun ein Angebot über 26000 Euro für die weitere Untersuchung des Grundstücks auf dem Tisch. „So wie ich es verstehe, ist die Beseitigung der Munition kostenlos, weil sie zufällig entdeckt wurde. Alle weiteren Untersuchungen müssen bezahlt werden“, so Braun. Er wolle nun das Angebot prüfen. Der Unternehmer erfuhr erst durch den Bericht in der OSTSEE-ZEITUNG von der Vergangenheit seines Besitzes. „Wenn dort eine Firma Kriegsschrott eingeschmolzen hat, hört sich das für mich eher nach Altmetall an.“ Christian Fehlhaber, von der gleichnamigen Greifswalder Immobilienfirma, verwaltet das Grundstück in Brauns Auftrag. „Wir beschäftigen uns mit dem Kostenvoranschlag für die Untersuchung des Bodens “, sagt er. Eigentlich will Sebastian Braun auf dem Gelände zwei Niedrigenergie-Häuser mit 32 modernen Wohnungen bauen. Der Zeitplan für das Projekt werde sich verzögern, so Braun.

Damit ist klar, dass weder die Jacob Cement Baustoffe GmbH, noch die Jacob Sönnichsen AG in Flensburg etwas mit dem Areal zu tun haben. Laut deren Vorstandsmitglied Frank Kepp steht die Jacob Cement GmbH nicht in Verbindung mit der AG.

Es war ein komisches Gefühl, mit Munition zu hantieren. Auch wenn die Zünder fehlten.“Werner Nikolay (91)



Reik Anton

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