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Ärger am Ryck: Angelnde Kinder von Aufsehern vertrieben

Greifswald Ärger am Ryck: Angelnde Kinder von Aufsehern vertrieben

Zur Schonzeit müssen strenge Regeln eingehalten werden / Fischereiaufseher sind für die Kontrolle zuständig / Vorfall ist der Behörde nicht bekannt

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Angeln am Ryck macht bereits Kindern Spaß, wie etwa Käthe, Helene, Willi und Johann.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Axel Schulz ist sauer. Der 43-Jährige ist leidenschaftlicher Angler, besitzt Angel- und Fischereischein und gibt sein Wissen an seinen Sohn und dessen Freunde weiter. Doch die Freude am Angeln wurde den Kindern jüngst genommen, als der neunjährige Johann Kießling, einer der Schützlinge von Axel Schulz, am Ryck harsch von zwei Fischereiaufsehern vertrieben wurde. „Die Jungs wollten doch nur ihren Wurm baden, so ein Verhalten finde ich übertrieben“, sagt der Familienvater. Das schade auch dem Angelsport.

An der Wiecker Brücke war Johann mit Freunden unterwegs. Bei herrlichstem Sonnenschein wollten die Kinder ihre Ruten auswerfen. „Mir macht es Spaß, draußen in der Natur zu sein“, sagt der Viertklässler. Angeln sei wie ein kleines Abenteuer. Und die Freude groß, wenn ein Fisch anbeiße.

Nach kurzer Zeit seien zwei junge Fischereiaufseher auf die Gruppe zugekommen. „Sie zeigten uns ihre Ausweise und meinten, dass ich mit der Pose im Winterlager nicht angeln darf“, beschreibt Johann.

Weitere Erklärungen habe es nicht gegeben. „Sie haben mich eingeschüchtert und verunsichert. Das war ein doofes Gefühl“, sagt der Greifswalder. „Ich angele am liebsten mit der Pose. Wenn ich das durch die Schonzeit dann fast ein halbes Jahr nicht machen darf, finde ich das blöd.“ Die Aufseher hätten den Jungs einen Platzverweis ausgesprochen und sie zur Eile gedrängt, weil ihnen das Einpacken zu langsam gegangen sei. Sie hätten mit Ärger gedroht, wenn die Jungs nicht innerhalb von 15 Minuten verschwunden seien.

Fischereibehörde ist Vorfall

nicht bekannt

„Die Kinder so zu überfallen, ist nicht richtig“, findet Axel Schulz, der Johann seit drei Jahren mit zum Angeln nimmt. „Klar sollen die Aufseher ihnen sagen, was sie falsch machen. Aber so nehmen sie ihnen den Spaß.“ Viel zu oft säßen Kinder drinnen vorm Fernseher oder am Computer, so ein Umgang würde das fördern.

Die ehrenamtlichen Fischereiaufseher werden von der Oberen Fischereibehörde in Rostock koordiniert. Dorthin gehen auch Meldungen über Verstöße. „Uns ist ein solcher Vorfall nicht bekannt“, sagt der Abteilungsleiter für Fischerei, Thomas Richter. Da Kinder unter 14 Jahren noch nicht strafmündig seien, gebe es keinen Bericht. So ein Verhalten sei aber nicht typisch. „Gerade bei Kindern ist es die Aufgabe der Aufseher, auf Fehler hinzuweisen“, sagt Richter.

Auch Bernd Dickau, Vorsitzender des Kreisanglerverbandes Ostvorpommern und ebenfalls ehrenamtlicher Fischereiaufseher in Greifswald, zeigt sich überrascht von den Vorwürfen. „Davon habe ich nie gehört“, sagt er. „Ich finde das auch sehr suspekt. Kinder kontrollieren wir eigentlich gar nicht.“ Jede Woche sind er und vier weitere Ehrenamtler aus der Region am Ryck unterwegs, um gerade zur Schonzeit der Fische besonders auf die Einhaltung der Regeln zu achten. „Pro Rundgang registrieren wir bis zu fünf Verstöße“, erzählt Dickau. „Das sind eindeutig noch zu viele.“ Vor allem Schwarzangler seien ein Problem am Ryck.

Angler müssen sich

informieren

Ohne die Aufseher wäre der Ryck schon seit zehn Jahren dicht, ist sich der Verbandsvorsitzende sicher. „Es werden einfach zu viele Fische gerissen, also unrechtmäßig geangelt. Außerdem verletzten viele Angler Tiere, bevor sie die richtigen Fische an der Angel haben.“

Für Erwachsene müsse Strafe sein, findet auch Familienvater Axel Schulz. Doch die zu komplizierten und sich ständig ändernden Bestimmungen seien auch für erfahrene Angler wie ihn kaum zu durchschauen. „Wie sollen das dann Kinder verstehen“, fragt er.

Dass die Regelungen nicht einfach seien, gibt auch der Koordinator der ehrenamtlichen Fischereiaufseher, Andreas Reuter, zu. „Doch wer Angeln will, muss sich schlau machen.“ Alle Änderungen würden veröffentlicht. Auch die Aufseher könnten so Wissenslücken schließen. „Um überhaupt Aufseher zu werden, müssen Interessierte ein Jahr erfahrene Kontrolleure begleiten, den Angel- und Fischereischein besitzen und einen Test ablegen“, beschreibt der Koordinator. 290 ehrenamtliche Aufseher gebe es in ganz MV.

Angeln ist strengen Regeln unterworfen

Unter strengen Auflagen muss zwischen dem 1. November und dem 31. März im Winterlager am unteren Ryck gefischt werden. Ziel ist es, junge Fische zu schützen.

Komplett verboten ist in diesem Zeitraum das Angeln am unteren Ryck bis einschließlich des Yachthafens. Von da an bis zur Mündung in Wieck darf nur von 10 bis 18 Uhr gefischt werden, allerdings nur mit einer Handangel und speziellen Ködern und Haken, die in der Allgemeinverfügung zur Fischereiausübung konkret aufgelistet sind.

Erlaubt sind drei Edelfische (Hecht, Zander) und sechs Barsche am Tag.

Jetzt im April sind diese strengen Regelungen nicht mehr verpflichtend. Aktuell gelten nur noch die allgemeinen Angelbedingungen.

Von Ann-Christin Schneider

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